1833 - 1850

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen

 

Die Entwicklung des Bleistiftspitzens zwischen 1833 und 1850

 

 

Vorbemerkungen zu dieser Seite (noch im Aufbau)

Aufgrund eines familiären Hintergrundes (mein Großvater war lange Zeit Inhaber einer kleinen Spitzmaschinenfirma) beschäftige ich mich mit der Geschichte der Bleistiftspitzer und Spitzmaschinen. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der Anhäufung möglichst vieler verschiedener Bleistiftspitzer, sondern auf der Untersuchung der geschichtlichen Entwicklung mit einem besonderen Fokus auf die beteiligten Personen und Firmen. Über diese trage ich auch Informationen zusammen, die nicht unmittelbar mit der Bleistiftspitzerherstellung zusammenhängen. Ziel ist es, dadurch ein umfassenderes Bild der Menschen und Firmen zu zeichnen und sie dadurch zu würdigen. Auch wenn die Seite noch unvollständig ist, bietet sie über die sehr frühe Zeit des Bleistiftspitzens die weltweit umfassendsten Informationen. Weiterhin wird eine bestimmte Klasse von Bleistiftspitzmaschinen, nämlich die mit einem rotierenden Messer ausgerüsteten umfassend behandelt.

Das Textmaterial dieser Seiten darf nicht für kommerzielle Zwecke (dazu gehört ausdrücklich auch der Verkauf von Bleistiftspitzern und Spitzmaschinen auf Auktionsplattformen, wie z. B. ebay) verwendet werden. Dies gilt auch für die Verwendung von Bildern, eine andere Nutzung von Bildern ist prinzipiell vorher mit mir abzustimmen.

Ich freue mich sehr über Kommentare zu meiner Arbeit (siehe "Kontakt" oder gern auch Eintrag in mein Gästebuch auf einer externen Seite). Ganz besonders schön wäre es, wenn Sie weiterführende Informationen oder Bilder (die ich vielleicht in Absprache mit Ihnen - gern auch mit Nennung Ihres Namens - auf meiner Seite veröffentlichen darf) zum Seiteninhalt hätten, auch wenn sie noch so unbedeutend erscheinen.

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direkt zum 1. Teil der Geschichte der Bleistiftspitzer (Zeit bis 1833)

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1833 - Robert Burton Cooper und George Frederick Eckstein (England)

Am 12. Oktober 1833 wurde in England ein Patent für eine Bleistiftspitzvorrichtung erteilt:

"Robert Burton Cooper, of Battersea Fields, in the County of Surrey, Esquire, and George Frederick Eckstein, Holborn, in the County of Middlesex, Ironmonger, for an instrument or apparatus for pointing pencils, and certain other purposes."

Die Gültigkeit wird zu (nur) 6 Monaten angegeben.

Hier ein englischer Text zu dieser Vorrichtung mit einer Zeichnung von 1837:

Cooper eckstein Styloxynon Bleistiftspitzer

Robert Burton Cooper und George Frederick Eckstein nannten ihren Bleistiftspitzer "Styloxynon". Es handelt sich also um nichts weiter als eine Art Schleifkästchen, wo die durch Feilen gebildeten Schleifflächen einen rechten Winkel bilden. Als Material zur Halterung der Feilen wird im Text Palisanderholz genannt. Zum Vorspitzen wird zunächst ein Messer empfohlen, ehe dann mit dieser Vorrichtung eine feine Spitze hergestellt wird.

In einer deutschsprachigen Zeitschrift aus dem Jahr 1835 ist die Vorrichtung genau beschrieben:

Cooper Eckstein Bleistiftspitzer Beschreibung

Das Patent, was mir nicht im Originaltext vorliegt, ist offensichtlich recht breit formuliert. Wie in diesem Text beschrieben, wurde auch eine Variante mit zwei Zylindern erwähnt. Das Gehäuse kann aus vielen verschiedenen Materialien gefertigt werden.

In einer anderen deutschsprachigen Zeitschrift im Jahr 1836 ist notiert:

"Cooper und Eckstein's Methode, Bleistifte zu spitzen, besteht darin, dass man dieselben über eine eigens construirte Feile zieht, welche eigentlich aus zwei besondern Feilen besteht, die unter einem Winkel gegeneinander befestigt sind. Man dreht natürlich dabei den Bleistift stets, und drückt stärker auf, wenn man das Holz entfernen, als wenn den wirklichen Stift zuspitzen will. Gut würde es sein, den Obertheil der Feilen feiner als den Untertheil zu fertigen, weil man dann das Mittel erlangt, verschieden harte Stifte bis zu einem erforderlichen Grade von Feinheit zu spitzen. Wir erinnern hierbei an die bei uns gebräuchliche Methode, den Bleistiften die feinste Spitze auf der rauhen Oberfläche eines Feuersteins zu geben, die sich eigentlich als sehr feine Feile betrachten lässt."

Hier noch eine Testbeurteilung aus einer englischen Quelle bereits im Mai 1834:

Vertrieben hat Eckstein den Spitzkasten zunächst selbst in seiner Firma Eckstein and Son. Die folgende Annonce aus der Londoner Morning Post wirbt für den Styloxynon und nennt (zukünftige) Bezugsquellen:

Der Text ist vom 14. Januar 1834. Wir erfahren, dass der Verkauf zwei Tage später am 16. Januar beginnen soll in "Eckstein and Son´s Kitchen Range, Stove Grate and Furnishing Ironmengery Warehouse, No. 13, High Holborn, near Gray´s Inn".

Hier zwei weitere Anzeigen ähnlichen Inhaltes aus englischen Zeitungen im Jahr 1834:

Der Styloxynon wird in England in den kommenden Jahren beworben, nachweisbar bisher bis März 1849. Im Jahr 1834 wirbt die Firma S. Mordan & Co mit folgendem Text "COOPER & ECKSTEIN`S PATENT STYLOXYNON or PENCIL POINTER. This useful instrument will quickly produce a most delicate point to any description of Pencil or Chalks."

Folgende Bildchen aus dieser Annonce zeigen offensichtlich 2 Varianten des Styloxynon:

Cooper Eckstein Styloxynon erbungW

Ein Jahr später erschien eine große Werbeanzeige von S. Mordan & Co, in der auch der Styloxynon erwähnt und dargestellt ist:

Auch G. Riddle, der ehemalige Companion von Mordan verkaufte den Styloxynon wie folgende Anzeigen aus den Jahren 1837 und 1838 beweisen:

Wir erfahren in der obigen Annonce aus The Derby Mercury, daß G. Riddle aus der Firma S. Mordan & Co ausgetreten ist und nun unter eigener Firma viele Artikel anbietet, darunter auch "Patent Styloxynons" / "pencil-pointers". Es wird mitgeteilt, daß Artikel gekennzeichnet sind mit "Patent, G. Riddle, London". Der Betrieb ist auf der Blackfriars Road, Nr. 172 in London.

Bei G. Riddle handelt es sich übrigens um Gabriel Riddle, einem Silberschmied.

Nach 1838 hört die Werbung für das Styloxynon jedoch schlagartig in Großbritannien auf. Hier noch eine Annonce aus dem Jahr 1839:

Und hier noch ein Eintrag in einem Handelsverzeichnis von 1845:

Auch in Österreich wurde ein Styloxynon angeboten. Dies beweisen Annoncen in der Wiener Zeitung zwischen September und November 1845:

Nun etwas zur Biographie und Wirken von G. F. Eckstein, wobei allerdings nicht ganz sicher ist, ob alle Daten wirklich zu seiner Person gehören.

George Frederick Eckstein wurde wahrscheinlich am 28. Okt. 1783 als eines von 12 Kindern seiner Eltern George Paul Eckstein (1739 - 1828, mit etwa 89 Jahren!) und Ann Eckstein, geb Mitchel (gest. 1804) geboren. Er war verheiratet mit Ann Eckstein, geb. Key. Das Ehepaar hatte 7 Kinder (4 Söhne und 3 Töchter).

Gewohnt hat er wohl meistens in St. Andrew, einer Pfarrei, zu der Gebiete von London und Holborn gehörten. Im Jahr 1813 findet sich eine Meldung über einen Bankrott von ihm. Hier wird sein Beruf mit Schmied und Händler und seine Adresse mit Gray´s Inn Lane (County Middlesex) angegeben. Nach einer im Dezember 1814 veröffentlichten Meldung wird dann später über die Zahlung einer Dividende an die Schuldner von Eckstein informiert. Notizen aus den Jahren 1826 und 1829 lassen auf die Adresse Gray`s Inn Lane Nr. 83, St. Andrews, Holborn schließen. Diese Gray´s Inn Lane wurde nach 1850 als Gray´s Inn Road bezeichnet und sie gehörte im nördlichen Teil zu Pancras, im südlichen Teil zu Holborn. 1838 wird die Adresse dann mit High Holborn 13 angegeben. Es bestand auch eine Firma Eckstein and Son, die er wahrscheinlich mit seinem erstgeborenen Sohn George Paul Eckstein, gleichnamig mit seinem obengenannten Großvater, betrieb. Dieser Sohn lebte vom 29. August 1809 bis 16. April 1871. Die unternehmerische Gemeinschaft mit ihm endete am 1. August 1838, danach führte George Frederick sie dann allein weiter.

Wie sah es damals so aus dort im industriellen England. Genau wissen wir es nicht, aber folgende 3 Bilder geben einen Eindruck, wenn auch aus etwas späterer Zeit:

Gray`s Inn Lane, Zeichnung 1859 Gray`s Inn Lane, Foto aus dem 19. Jahrhundert

High Holborn, Foto 1878

Eckstein hatte noch weitere Patentanmeldungen in England. So kann man einen Hinweis auf ein Patent vom Mai 1821 finden, wo es heißt "George Frederick Eckstein, Eisenhändler, von High Holborn in Middlesex, auf gewisse Verbesserungen an Kochapparaten. — Datirt von 9, Mai." Später, nämlich im April 1831 erfolgte eine Anmeldung für eine andere Neuerung und zwar wie folgt: "Dem Thomas Gaunt, Gentleman in Chapman Street, Islington, in der Grafschaft, Middlesex und George Frederick Eckstein, Ofenfabrikant in Holborn, in derselben Grafschaft: auf Verbesserungen an Rösten für Oefen." Tatsächlich war er wohl damals ein nicht unbekannter Eisenwerker, so sprach man z. B. vom Eckstein-Ofen.

G. F. Eckstein starb 1855 oder nach einer anderen Quelle am 20. 1859, im gleichen Monat wie seine Frau.

Nun etwas biographisches über Robert Burton Cooper.

Die Hinweise auf ihn beginnen im November 1825 mit einer Notiz, dass er zusammen mit Victor Saintmare eine Destillerie unter der Adresse Princes-Street, Lambeth, einem Stadtteil von London betrieb. Am 28. April 1829 ging er dort allerdings Pleite, es erschienen in britischen Zeitungen Meldungen wie die folgende:

Im Mai genau zwei Jahre später 1831 gibt es unter seinem Namen und Adresse eine Meldung über eine Dividende.

Er wohnte in Sleafore-Place, danach Sydenham-Grove, Norwood, beides in Surrey. 1837 wohnte er Lodge-Road, St John`s Wood-Road, Regent`s Park, Middlesex.

Er hatte aber auch weitere Patente in England wie folgende Zitate aus deutschen Zeitschriften seiner Zeit beweisen:

Patent vom 23. März 1821: "Robert Burton Cooper, Strand, Middlesex: auf Verbesserungen an, oder ein Ersatzmittel für Stöpsel und Deckel, wie man sie für Flaschen, Rauch- und Schnupftabakbüchsen, Tintenfässer und mannigfaltige andere Gegenstände braucht."

Patent vom 18. Mai 1831 (Gültigkeit 6 Monate): "Robert Burton Cooper, Esq. von Battersea Fields, in der Grafschaft Surry auf Verbesserungen von Hähnen für Flüssigkeiten und Gasarten.

Neben dem Styloxynon wurde wohl insbesondere dieses Patent von 1831 vermarktet, wie folgende Anzeige beweist:

S. Mordan & Co produzierte und verkaufte "COOPER`S PATENT SCENT-BOTTLES" für ihn.

Trotz seiner Erfindungen, die ja teilweise auch vermarktet wurden, gibt es im Oktober 1837 eine Art Insolvenzerklärung. Es wird darüber informiert, daß Cooper keine Tätigkeit hat. Sehr profitiert scheint er von seiner Erfindung also nicht zu haben.

Im Jahr 1846 findet sich in einer österreichischen Quelle folgende kleine Werbeannonce zum Styloxynon:

Ob es sich allerdings wirklich um die einfache Vorrichtung von Cooper & Eckstein handelt, ist nicht ganz sicher. Vielleicht ist das Wort Styloxynon nur ein Synomym für Bleistiftspitzer geworden. Aber das zeigt zumindest, dass die englische Spitzvorrichtung doch eine deutliche überregionale Bedeutung gehabt haben muß. Wir erfahren aber aus dem Text, dass (diese) Bleistiftspitzer in Wien häufig verwendet wurden, dass also schon einige Jahre vor der Ausbreitung der einfachen amerikanischen Handspitzer Spitzvorrichtungen dort durchaus verbreitet waren.

Zwischen April 1848 und März 1849 wird der Bleistiftspitzer noch in einer englischen Zeitung beworben:

Im April waren es noch 19 Dutzend, ab Juni wird dann immer von 16 Dutzend geschrieben.

Schließlich wurde in einer Zeitung aus Sydney im fernen Australien noch im November 1859 und Januar 1860 ein Styloxynon angeboten:

Trotz der falschen Schreibweise ist der Bezug zum englischen Spitzgerät offensichtlich. Ob es sich wirklich um einen Spitzer vom Styloxynon-Typ gehandelt hat (vielleicht eine Nachahmerausführung) bleibt offen.

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1833 - François Joseph Lahausse (Frankreich)

Am 9. Mai 1833 meldete François Joseph Lahausse, wohnhaft Rue Saint-Honoré 293, Paris, ein Patent zu einem Bleistiftspitzer an (französischer Titel "instrument propre à tailler les crayons"), welches am 30. Juni diesen Jahres veröffentlicht wurde (5 Jahre Gültigkeit). Am 19. Juni 1833 meldete er dann noch ein Ergänzungspatent an (erschienen am 14. September 1833, auch für 5 Jahre). Beide Patente erloschen allerdings bereits am 24. Oktober 1836.

Hier die Zeichnungen aus dem französischen Patent:

In einem polytechnischen Journal aus dem Jahr 1835 wird ausführlich über das Gerät geschrieben:

Am Anfang des Textes wird auch ein anderer bereits existierender Spitzer mit 2 senkrecht aufeinander stehenden Feilen erwähnt. Dabei handelt es sich ganz offensichtlich um die Vorichtung von Cooper und Eckstein.

Weiter heißt es:

"Die einfachsten Instrumente dieser Art kosten nur einen Franken, die zusammengesetzten, d. h. solchen, welche aus drei Feilen und einer Federmesserklinge bestehen, kommen auf 3 Franken zu stehen".

Weiterhin ein Text aus dem Polytechnisches Centralblatt von 1835:

 

Schließlich noch ein Text aus einer österreichischen Quelle aus dem gleichen Jahr::

Zusammenfassend kann man anhand der Erläuterungen folgendes schreiben:

Es handelt sich um ein Kästchen mit einem abnehmbaren Deckel in dem eine oder auch mehrere (bis zu drei) Feilen angebracht sind. Diese sind leicht zylindrisch bzw. kegelflächenartig geformt. Zum Spitzen muss man nun den Bleistift mit der Hand an den Feilenflächen reiben und dabei auch manuell drehen. Es wird geschrieben, dass man die Vorrichtung (von Maschine sollte man wegen des Fehlens jeglichen Mechanismuses lieber nicht schreiben) in Paris kaufen kann. In der einfachen Version kostet sie ein Franc, in einer aus 2 bis 3 Feilen zusammengesetzten Version und mit zusätzlicher Federmesserklinge bis 3 Francs.

Auf der Exposition des produits de l'industrie française im Jahr 1834 bekam er eine Anerkennung für seine Spitzvorrichtung:

Lahausse war Klavierstimmer und beschäftigte sich auch mit Klaviertechnik. Am 2. Juli 1836 meldete er ein entsprechendes Patent "mécanisme applicable à toute espèce de pianos" an.

"Lahausse F. J., in Paris rue du Faub.-Poissonnière, No. 1, den 26. Novbr., für 5 Jahre: auf einen auf alle Arten von Pianos anwendbaren Mechanismus, womit deren Widerstand so abgeändert werden kann, daß er den schwächsten und kräftigsten Händen sich anpaßt, und mit dessen Hülse man daher auch ein und dasselbe Instrument sowohl zu Studien als zu Produktionen für Kinder und Erwachsene benuzen kann."

Das Patent wurde am 26. November herausgegeben und am 25. September 1839 wieder gelöscht. Als Adresse wird im Patent "Rue du Faubourg Poissonnière Nr. 1" angegeben. Im Adressbuch von 1833 findet sich für den offensichtlich sehr seltenen Namen Lahausse allerdings der Eintrag mit "h garni, Reue Petite-St-Roch, 18". "h garni" steht hier für ein "hotel Garni" in Saint-Roch.

1836 fand in der Orangerie der Tuileries eine Ausstellung der Akademie der Industrie statt, wo die Mitglieder ihre Angebote/Entwicklungen präsentierten:

Lahausse nahm daran teil und zwar mit seinen Neuerungen am Piano und dem Bleistiftspitzer. Hier folgende französische Information (teilweise schlecht zu lesen):

In einer Druckschrift aus dem Jahre 1839 findet man folgende Information "Lahausse (fabric. de taille-crayons, d`un noveau genre) rue Poissonnéire, 31". Dies lässt darauf schließen, dass Lahausse seine Maschinen selbst hergestellt und noch 1839 verkauft hat. Auch auf einer französischen Industrieausstellung wurde die Spitzvorrichtung von Lahausse 1839 noch ausgestellt.

Obige Quellen beweisen, daß seine Vorrichtung tatsächlich produziert und verkauft worden ist. Leider ist kein bis heute erhaltenes Exemplar oder auch nur eine Abbildung, die über die obige Zeichnung hinausgeht, bekannt.

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1835 - Franz Theyer (Österreich)

Am 23. April 1835 erhielt Franz Theyer, Wien, in Österreich ein Privileg auf ein Instrument zum Bleistiftspitzen:

"Franz Theyer, Prokuraführer bei Martin Theyer, bürgerlicher Handelsmann zur Stadt Nürnberg, in Wien (Stadt, Nr. 905) ; auf die Erfindung, mittelst eines Instrumentes das Schneiden, Schärfen und Spitzen der Bleistifte und Zeichenkreide leicht, sicher, einfach und besonders schön keilförmig gespitzt zu bewerkstelligen, ohne sich mit dem dabei abfallenden Reißblei oder der Kreide zu beschmutzen, welche Erfindung zur mehreren Bequemlichkeit und beliebigeren Anschaffung in zweierlei Gestalten dargestellt werden kann."

Hier eine Veröffentlichung aus der Linzer Zeitung im Juli 1835:

Im folgenden ein Auszug aus einem Buch von 1841, wo die Erfindung beschrieben wird:

Nach seiner Gültigkeit von nur zwei Jahren, also 1837 erlosch es wieder.

Kurz nach der Anmeldung des Patentes im Mai 1835 wurde in der Wiener Zeitung Werbung für die Spitzvorrichtung gemacht (Bild ist einer Juniausgabe entnommen) :

Die gleiche Annonce erschien auch ein Jahr später. Die kleine Spitzmaschine wurde also tatsächlich auch von ihm verkauft!

Die Theyers hatten damals bereits eine Tradition, der Vater von Martin Theyer, Jacob Michael Theyer war auch geschäftlich aktiv.

In den alten Schriften aus der damaligen Zeit taucht der Begriff "Nürnberger" auf. Bereits im 17. Jahrhundert gab es den Spruch "Nürnberger Tand geht durch alle Land". Gemeint waren damit allerlei kleine Waren, häufig aus Metall. Der Begriff "Nürnberger Hand" stand auch noch im 19. Jahrhundert für Handwerkserzeugnisse aus der Region.

In einem Buch über Wien aus dem Jahr 1787 gibt es bei der Beschreibung der Geschäftstätigkeiten folgende Kategorie:

Hier wird Jacob Michael Theyer in der "Karnerstraße in der Stadt Nürnberg, Nr. 937" genannt. Bereits 1733 soll er dort an der Kärntner Straße, Ecke Weihburggasse, ein Papier- und Schreibwarengeschäft eröffnet haben.

In folgender Info wird die Gründung des Theyer-Geschäftes auf das Jahr 1763 datiert und zwar nach Kauf von einem gewissen Scharrer:

1791 steht dann im Wiener Handelstands-Kalender unter der Rubrik "in englischen, französischen, dann Nürnberger und erbländischen Stahl- und andern Kramereiwaaren" "Theyer Herr, Jakob Michael, den der Stadt Nürnberg in der Kärntnerstraße Nr. 937". 1796 ist Jacob Michael Theyer unter den "Nürnbergerwaarenhändler" aufgeführt (Kärntnerstraße 961). In einem Handelstandskalender für das Jahr 1799 werden dann er und erstmals auch Martin Theyer genannt.

In einem Auskunftsbuch der Haupt- und Residenzstadt Wien gültig für das Jahr 1803 heißt es unter der Rubrik "Nürnberger Waarenhändler":

"Hr. Jacob Michael Theyer unter der Firma Jacob Michael Theyer und Sohn, zur Stadt Nürnberg in der Kärntnerstraße 961. In der Handlungs-Societät ist sein Hr. Sohn Martin Theyer, der auch die Firma führt."

Im Jahr 1835 übernahm Franz Theyer das Geschäft, wie folgendes Schreiben beweist:

 

Eine spätere Notiz aus dem Jahr 1837 informiert über die Fa. Theyer:

"Theyer Martin, unter der Fa. Theyer & Sohn, welche auch sein Sohn Herr Franz Theyer als öffentlicher Gesellschaftler führt in der Kärnthnerstraße an der Ecke der Weihburggasse zur Stadt Nürnberg Nr. 905, mit allen Gattungen Schreib- und Zeichenpapieren und Mahlergeräthschaften". Woanders wird auch in den 1840er Jahren bestätigt, dass er dort Inhaber eines Schreib- und Malerbedarfsgeschäfts "Zur Stadt Nürnberg" war.

Franz Theyer beschäftigte sich auch mit einer Reihe anderer Dinge, so bekam er 1836 ein weiteres, zweijähriges Privileg:

Besonders intensiv beschäftigte er sich mit der Galvanoplastik, wie folgender Beitrag schildert:

1843 gründete er ein galvanoplastisches und galvanographisches Atelier.

"Großes Interesse für die Objektvervielfältigung durch die Galvanotechnik zeigte Franz Theyer. Er war Besitzer eines Warengeschäfts für das Bürgertum in der Wiener Innenstadt. 1840 wurde der „Niederösterreichische Gewerbeverein“ gegründet, dem Theyer 1841 beitrat. In den Räumlichkeiten des Vereins war ihm das Experimentieren mit der Galvanotechnik möglich. Seine gefertigten Druckplatten waren bei den Kupferstechern aufgrund der guten Qualität sehr gefragt. Gemeinsam mit dem Wiener Erfinder und Mediziner Erwin Waidele vervielfältigte Theyer ab 1842 eine Reihe von Zeichnungen und Gemälden mithilfe der Galvanoplastik. Sie erkannten den großen Vorteil gegenüber herkömmlicher Methoden. Ihre erzeugten Kupferplatten stellten sie bei zahlreichen Ausstellungen vor. Speziell dem Kunstmarkt öffnete die Galvanoplastik neue Tore: Neben der hohen Genauigkeit der Abdruckplatten zum Original konnten auch die Preise der angefertigten Kopien gesenkt und damit eine neue Käuferschicht erschlossen werden. Zuvor konnten per Hand getriebene Kupferplatten nur für wenige Drucke verwendet werden, wobei die Qualität nach jedem Druckvorgang abnahm. Auch die Genauigkeit wurde durch Kratzspuren an den Platten verfälscht. Noch vor der Einführung der Galvanotechnik wurden bei der Erzeugung von Metallstichen Stahl- den Kupferplatten vorgezogen, um mehr Exemplare damit drucken zu können. Die Herstellung der Stahlplatten erwies sich jedoch aufgrund der Materialhärte als nachteilig. Eine der ersten kommerziellen Anwendungen von Theyer und Waidele war das Vervielfältigen der „Wiener NeujahrsglückwunschEnthebungskarten“. Für die Anfertigung der Kupferplatte verwendeten sie den Strom einer Batterie. Diese Karten wurden für wohlhabende Bürger angefertigt und der daraus erzielte Erlös für wohltätige Zwecke verwendet."

Quelle: http://othes.univie.ac.at/26193/1/2013-02-04_0400306.pdf

Aus dem Jahr 1848 stammt folgende Notiz:

""Hr. Franz Theyer übte die Galvanoplastik in Wien zuerst in größerem Maaßstab aus, und erzeugte theils blank polirte und grundirte Platten zum Gebrauch der Kupferstecher, theils auch Copien geschnittener und radirter, oder in gemischter Manier gearbeiteter Platten.8) Seine Anstalt ist nicht unbedeutend, und er mag schon mehrere Hundert solcher Gegenstände erzeugt haben. Seit einigen Jahren hat er sich auch der Galvanographie angenommen, und die Anwendung derselben dadurch erleichtert, daß er von einer mittelst Elektrotinte auf Papier entworfenen Zeichnung sogleich eine galvanoplastische Copie zu machen im Stande ist. Er ist durch mehrere Medaillen und Auszeichnungen belohnt worden."

1846

"Die zur Photographie auf Papier nöthigen chemischen Präparate von Joseph Theyer , bürgerlichen Apotheker in Wien erzeugt, und zum unmittelbaren Gebrauch vorgerichtet, können von Franz Theyer, Stadt, Kärntnerstraße, zur Stadt Nürnberg, bezogen werden".

1852 findet man diese kurze Info in einer Wiener Zeitung:

Es bleibt aber offen, ob das noch die früher verkaufte oder eine weiterentwickelte oder auch eine fremde Apparatur war.

Franz Seraphin Theyer wurde am 17. 9. 1809 in Wien geboren. Er besuchte 1823 - 25 die Realschule des polytechnischen Institutes und trat 1825 in die dortige kommerzielle Abteilung ein. Danach absolvierte er eine Lehre bei seinem Vater und sammelte Erfahrungen in Deutschland, Frankreich und England. 1835 trat Theyer als Teilhaber in das Unternehmen ein und übernahm 1846 allein die Verantwortung.

Er war verheiratet mit Maria geb. Tschida (1814–1877). Sie hatten fünf Kinder: Maria (1839-1886), Gregor (geb. 1841), Theodor (1842–1905), Josef (1849–1871) und Leopold (geb. 14. Oktober 1851 in Wien, gest. 7. Juli 1937 n Graz / Steiermark).

Die einzige Tochter Maria heiratete Eduard Hardtmuth (Kaufmann) aus der bekannten Unternehmerfamilie Hardtmuth (Koh-I-Noor-Bleistift). Theodor gründete 1864 mit Franz Hardtmuth, dem Chef der Bleistiftfabrik L. & C. Hardtmuth, Budweis (České Budějovice), die Fa. Theyer & Hardtmuth in Wien zum Vertrieb von Bleistiften und zur Herstellung von geprägtem Briefpapier.

Franz Theyer war Ritter des Franz-Josephs-Ordens und Besitzer des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone.

Im Jahresbericht des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines in Wien aus dem Jahr 1850 erfährt man, dass Frau Maria Theyer und ihr Ehemann Franz Theyer sich um die Einrichtung eines Spitals für "verwundete Krieger" in schöner Lage erfolgreich bemühten.

"Dieses Haus Nr. 228 war kaum vollendet, als es die Aufmerkfamkeit der Frau Maria Theyer und ihres Gatten des Herrn Franz Theyer auf sich zog. Die schöne und freie Lage des Hauses nebst dem geräumigen Garten. Seine bequeme Nähe ..."

Franz Theyer starb am 17. August 1871. Hier die Todesannonce in einer Wiener Zeitung:

Nach 273 (!!) Jahren Firmengeschichte wurde das Geschäft 2006 gegen einen einstelligen Millionenbetrag an den Tiroler Kristall-Konzern Swarovski verkauft, weil bei einem Firmennachfolger eine nicht zu erwirtschaftende Mieterhöhung gedroht hatte. Das ist sehr schade!

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1836 - C. Leuchs u. Comp. (Deutschland)

Anfang des Jahres 1836 erschien in der Allgemeinen polytechnischen Zeitung (Allgemeine Handlungs-Zeitung) folgende Annonce von C. Leuchs u. Comp. in Nürnberg:

Das ist die bisher älteste deutschsprachige Verkaufsannonce für Bleistiftspitzvorrichtungen. Wir erfahren leider nicht, wer den Bleistiftspitzer hergestellt hat, Leuchs selbst wird es wohl nicht gewesen sein. Vielleicht handelt es sich um die Vorrichtung von Lassimone oder des Österreichers Theyer.

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1842 - Claude Mayet (Frankreich)

Am 7. Oktober 1842 meldete ein Herr Claude Mayet, passage Véro-Dodat, 24, Paris ein Patent zu einer Vorrichtung zum Bleistiftspitzen an, was dann am 2. Dezember 1842 veröffentlicht wurde (5 Jahre Gültigkeit). Mit Datum 21. Mai 1845 wurde das Patent gelöscht.

Im folgenden nun die französische Patentbeschreibung aus einem Buch von 1845:

Leider liegen mir die genannten Abbildungen nicht vor. Im Folgenden aber die Abbildungen aus dem Originalpatent:

Es ist nicht bekannt, ob die Vorrichtung jemals gebaut und verkauft wurde.

Bereits am 5. Januar 1842 meldete Mayet auch ein Patent "outil propre au nettoyage des peignes" zu einer Vorrichtung zum Reinigen von Kämmen an (Veröffentlichung 4. März 1842, Löschung 28. November 1844).

Er arbeitete wahrscheinlich als Messerschmied ("coutelier"). Im Jahr 1839 erhielt Herr Mayet-Vallon bei einer Industrieausstellung in Paris eine Bronzemedaille. Vallon steht dabei nicht etwa für einen Doppelnamen, sondern für den Vorgänger, von dem Mayet das Geschäft übernahm. 1836 ist unter der Adresse noch Vallon verzeichnet.

Unter der Adresse "Passage Véro-Dodat, 24" bestand wahrscheinlich lange Zeit (Hinweise für die Jahre 1827 und etwa 1896) eine Besteck- oder Messerfabrikation. Unter dieser Adresse (teilweise aber auch unter Nr. 219) ist in französischen Adressbüchern eine "Coutellerie" eingetragen. Inhaber war längere Zeit ein Herr Evras, dessen Beruf auch als Messerschmied angegeben wird und der am 06.10.1849, 11.01. und 13.09.1853 jeweils ein Patent anmeldete. Die Passage wurde später als Galerie bezeichnet und besteht so noch heute. Sie wurde 1826 eingerichtet und schaffte eine kurze Verbindung zwischen Les Halles und Palais-Royal. Benannt ist sie nach den Metzgern Vero und Dodat und war eine der ersten Pariser Straßen, die mit Gaslichtern ausgestattet wurde.

Galerie Véro-Dodat in den heutigen Tagen

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? 1844 - Pierre (?) Coursier (Frankreich)

wird gerade bearbeitet

Im DICTIONNAIRE des ARTS ET MANUFACTURES aus dem Jahr 1847 findet man folgenden Beitrag:

1837 findet sich folgender Eintrag im Pariser Adressbuch:

"Coursier, et f. presses à copier, r. du faub. St.-Martin, 38" und "Coursier fils, sur métaux et bois, mécanicien, pass.de l`Industrie, 8"

1847 auch noch so, aber St.-Martin 88

Bereits am 6. April 1839 erhielter folgendes französische Patent:

Coursier (Pierre) , mécanicien à Paris , passage de l'Industrie, n° 5 , faubourg Saint-Martin, pour une presse propre à opérer tout genre d'impression, notamment applicable à la lithographie, à la zinéographie, l'autographie, la gravure en taille douce, etc"

1837

 

1860 wohnte er Rue de la Pépinière, n° 33, à Tours.

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1845 - Louis Nicolle (Frankreich)

Am 4. März 1845 meldete Louis Nicolle (manchmal auch "Nicole" geschrieben", Paris, Rue des Juifs - also Straße der Juden, Nr. 1 oder auch 11 ein Patent mit dem Titel "Porte crayon dit taille-crayon" (Gültigkeit 15 Jahre, veröffentlicht 03.05.1845). Es handelt sich also um einen Bleistifthalter mit Anspitzer.

Zusatzpatente zu diesem Patent wurden von Nicolle später am 17. Mai 1845 und am 17. April 1846 angemeldet. Bei dem letzteren wird seine Berufsbezeichnung mit "bijoutier", also Schmuckverkäufer angegeben.

Hier eine kurze, wenn leider auch nur französische Beschreibung:

 

Die dazugehörenden Abbildungen:

 

Die folgende Abbildung zeigt die Zeichnungen aus dem Originalpatent.

Im 1. Zusatzpatent wird lediglich mitgeteilt, daß die Vorrichtung auch mehr oder weniger als 4 "Klingen" haben kann.

Und hier noch die kleine Zeichnung aus dem 2. Zusatzpatent von 1846:

Am 10. Dezember 1845 meldete ein gewisser Moses Poole in England ein Patent mit dem Titel "Improvements in apparatus to be used in drawing or marking". Moses Poole war als Patentanwalt auf der Searle Street, Lincolns-Inn, County of Middlesex tätig, Der Beruf wird nur als "Gentleman" angegeben. Poole war 1790 in St Clement Danes (London) als Sohn von James Poole und Elizabeth nee Blundell geboren wurden.

Vom Titel her scheint das Patent eher nichts mit dem Bleistiftspitzen zu tun zu haben, auch erfahren wir den wahren Patentinhaber des obengenannten Patentes nicht. Sehr aufschlußreich ist aber ein Beitrag in einem englischen Werk aus dieser Zeit, siehe folgende Abbildungen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es handelt sich offensichtlich um das gleiche Patent (genauer die Auslandsanmeldung) wie das von Nicolle!

Am 17. Juli 1847 erhielt Nicolle, der hier als Fabrikant von Bleistifthaltern bezeichnet wird, ein Patent (15 Jahre Gültigkeit) "Application de tablettes en verre aux portefeuilles", was ich nicht wirklich übersetzen kann ("Glastafeln für Brieftaschen" ??), welches er am 8. Mai 1847 anmeldete. Am 5. August 1848 erhielt er ein weiteres Patent zu einem Bleistifthalter ("pour un porte-crayon simplifié"), am 24. Mai 1849 erhielt er ein weiteres Patent nicht näher definierbaren Inhaltes "pour un buse droit et cintré en acier aimantin pour hommes et pour femmes".

Im Juni 1846 wird in der franz. Zeitung Le Constitutionnel : journal du commerce, politique et littéraire für einen "porte-crayon dit taille-crayon" geworben:

Es wird erwähnt, daß es ein franz. und britisches Patent gibt. Der Erfinder bzw. Hersteller wird zwar leider nicht genannt, aber aus dem Textzusammenhang und den Hinweisen auf die Patente kann es als sicher gelten, daß hier Nicoll´s Neuerungen zumindest mit eingeflossen sind. So wissen wir dadurch, wie ein solcher Schreibstift mit Anspitzhilfe ausgesehen hat.

In einem Branchenbuch aus dem Jahr 1847 findet sich folgende Eintragung:

Hier wird also mitgeteilt, dass es sowohl ein französisches, als auch englisches Patent auf einen "porte-crayon dit taille-crayon" gibt. Die Eintragung scheint auch zu beweisen, dass die Spitzvorrichtung auch tatsächlich verkauft wurde. Auch 1850 ist er unter der Adresse weiter als "fab. de crayons", also als Schreibstifthersteller eingetragen, allerdings gibt es keine Eintragung "taille-crayon".

In den Adressbüchern von 1837/38 ist ein Nicolle, "bijoutier" unter Adresse "Temple, 40" in Paris verzeichnet, aber es ist unklar, ob das der richtige Nicolle ist. im Jahr 1851 steht Nicolle dann mit "fab. de crayons, Juifs 11" und einem Eintrag in der Kategorie "Bleistifte".

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1841 / 1844 ? - Rouget de Lisle (Frankreich)

Thomas-Amédée Rouget de l'Isle Paris, rue de Tracy, n° 8

Im Jahr 1844 stellte die Firma Delisle et Cie auf einer franz. Industrieausstellung aus, siehe hier:

Unter anderem wurde ein "taille-crayon mécanique" ausgestellt.

Es gab in Frankreich mit Claude Joseph Rouget genannt de Lisle oder de l’Isle einen sehr bekannten Träger dieses Familiennamens. Dieser ist der Dichter und Komponist der franz. Nationalhymne, der berühmten Marseillaise und war wahrscheinlich mit dem Bleistiftspitzer - de Lisle verwandt. Weitere Informationen gibt es derzeit nicht.

Thomas-Amédée starb am 23. Dezember 1887 in Saint-Mandé.

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1847 - Joseph-Charles Micouin (Frankreich)

Am 27. März 1847 wurde für Joseph-Charles Micouin, wohnhaft Rue du Temple, N 69, Paris, "balancier-ajusteur" ein Patent für einen "taille-crayon" (also einen Bleistiftspitzer) erteilt. Die Anmeldung erfolgte am 19. Februar 1847, die Gültigkeit betrug 15 Jahre. Einer Eintragung in einem Branchenbuch in diesem Jahr zufolge war er Hersteller von Waagen und Kupfergewichten:

So sieht das Haus unter dieser Nummer heute aus:

Hier die Patentzeichnungen aus dem Originalpatent:

Bereits am 21. Oktober 1844 erhielt er ein auf 5 Jahre bemessenes Patent für "nouveau genre de bec de lampe à gaz".

1855 meldete er wieder ein Patent an, wohnte dann auf der Rue des Filles-du-Calvaire Nr. 6.

Auf der Weltausstellung 1855 stellte er Waagen und Gewichte aus.r auch in der Portefoin Nr. 10 gewohnt haben, später 1862 dann in der Nummer 3. Auch 1864 wird diese Hausnummer genannt mit der Bezeichnung "fabricant de balances". Diese ganzen Adressen liegen alle nahe beieinander im 3. Arrondissement (nahe Marais-Viertel). Allerdings gibt es ein Textdokument, was darauf schließen läßt, daß Micouin 1864 oder schon davor verstorben ist. Da wird seine Witwe Catherine Eugénie Micouin (geb. Freschu) genannt, die eventuell das Geschäft weiterführte.

1865 erschien dann folgende Konkursmeldung:

Irgendwelche weitere Informationen zu der Spitzvorrichtung gibt es nicht.

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1847 - Thérèse-Constant Thierry des Estivaux (Frankreich)

Am 16. April 1847 meldete Thierry des Estivaux, wohnhaft Avenue Sainte-Marie-du Roule Nr. 42 bis., Paris ein Patent mit dem Titel "Instrument dit taille-crayon" an, was am 30. Juni 1847 für 15 Jahre erteilt wurde. Ebenso meldete er dieses in Belgien an, wo es ab 27. Oktober für 14 Jahre gültig war.

Hier die Zeichnung aus dem französischen Patent:

 

Bereits am 21. April 1846 meldete Estivaux in Frankreich ein (auch 15 Jahre laufendes) Patent "pour un propulseur palmipède propre à la navigation maritime et fluviale", was am 7. Juli diesen Jahres herausgegeben wurde. Seine Adresse wurde damals mit "chez ARMENGAUD jeune, 6, rue des Filles-du-Calvaire" in Paris angegeben. Dabei handelte es sich wohl um einen neuartigen/verbesserten Propellerantrieb für die Küsten- und Binnenschifffahrt.

Hier eine Zeichnungsseite aus dem Originalpatent:

 

Am 20. April 1847 wurde diesem Patent noch eine Ergänzung hinzugefügt.

Am 29. Januar 1848 meldete Estivaux gemeinsam mit William-Williams Hope ein Patent mit dem Titel "Système de fabrication de bouchons de liège" an, was dann am 13. Mai herausgegeben wurde. Es geht dabei um eine Neuerung bei der Herstellung von Kronkorken. Am 29. Mai 1848 wurde von ihm noch eine Ergänzung hinzugefügt, welche dann später am 14. August erschien.

Aus dem Leben von Thierry des Estivaux:

Constant de Thierry des Estivaux wurde 1797 in Paris als ältester Sohn des Colonel Gaspard de Thierry, Baron des Estivaux in Lorraine und Romarine, Comtesse de Faletans et Digoine geboren. 1814 nahm er an der Verteidgung von Besancon und 1815 im Alter von nur 17 Jahren an der Seite seines Vaters an der Schlacht von Waterloo teil.... Constant starb im Jahre 1871.

Thierry des Estivaux gilt schon lange (z. B. in einem deutschen Buch von 1941) als Erfinder des Handspitzers, manchmal wird er schlechthin als Erfinder des Bleistiftspitzers bezeichnet. Angesichts der vielen vorgenannten (gerade auch französischen) Erfinder ist dies wohl etwas übertrieben. Es ist bisher auch unbekannt, ob der Bleistiftspitzer wirklich produziert wurde, ganz abgesehen von einem tatsächlich erhaltenen Exemplar.

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1850 - A. E. Loradoux (England) ?

Am 23. April 1850 meldete A. E. Loradoux, Calthorpe-street (London), in England ein Design zu einem "Pencil Cutter" an. Weitere Informationen zu dem Cutter gibt es nicht, es ist auch nicht klar, ob es sich wirklich um eine Vorrichtung handelt, die man - wenn auch im weiteren Sinn - als Bleistiftspitzer bezeichnen kann oder etwas mit der Bleistiftherstellung im Zusammenhang stehendes.

Möglicherweise handelt es sich um Auguste Edouard Loradoux Bellford, der etwa ab 1852 bis 1854 16, Castle street in Holborn und ab 1855 dann 32, Essex-street, Strand, London wohnte. Er arbeitete als "Patent agent" und erhielt allein 1854 über 40 Patente, als Beispiele seiner Anmeldungen seien genannt: 8. Dezember 1853 "Improved stove or kiln"; 26. Juli 1854 "Improvements in Soldering Metals". Sein Name und auch eine Notiz aus dem Jahr 1855 ("but now at Paris, France") legt sehr nahe, daß er Patente von Franzosen anmeldete. Der eigentliche Erfinder des oben erwähnten Patentdesigns wird nicht genannt.

 

Weiter geht es hier mit der Geschichte des Bleistiftspitzens (Jahre 1851 - 1860)!

 

Hier geht es zur englischen Version Pencil sharpeners -1850 dieser Seite!

Eine Seite informiert über die Spitzmaschinen der amerikanischen Firmen Everett Specialty und Cushman & Denison Mfg. Co..

Außerdem sind folgende Seiten über verschiedene Spitzmaschinen aus Deutschland online:

Avanti, Simplicia / Clou / Iduna, Jowei, Ergo / Ergo Extra, Optimax, Fram, Stern, Constanta, Potz-Blitz, Oryx und Quail.

 

 

 

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