1833 - 1850


Die Entwicklung des Bleistiftspitzens zwischen 1833 und 1850



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zur Übersicht über die Geschichte des Bleistiftspitzens

direkt zum 1. Teil der Geschichte der Bleistiftspitzer (Zeit bis 1833)

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1833 - François Joseph Lahausse (Frankreich)                                                  letzte Änderung: Februar 2024

Am 9. Mai 1833 meldete François Joseph Lahausse, wohnhaft Rue Saint-Honoré 293, Paris, ein Patent zu einem Bleistiftspitzer an (französischer Titel "instrument propre à tailler les crayons"), welches am 30. Juni diesen Jahres veröffentlicht wurde (5 Jahre Gültigkeit). Am 19. Juni 1833 meldete er dann noch ein Ergänzungspatent an (erschienen am 14. September 1833, auch für 5 Jahre). Beide Patente erloschen allerdings bereits am 24. Oktober 1836.

Hier die Zeichnungen aus dem französischen Patent:

In einem polytechnischen Journal aus dem Jahr 1835 wird ausführlich über das Gerät geschrieben:

Am Anfang des Textes wird auch ein anderer bereits existierender Spitzer mit 2 senkrecht aufeinander stehenden Feilen erwähnt. Dabei handelt es sich ganz offensichtlich um die in den gleichen Jahren gebaute  Vorrichtung von Cooper und Eckstein.

Außerdem wird aber auch noch ein Messer erwähnt, womit geschnitten werden soll, wobei aus der Zeichnung das Prinzip nicht ganz klar wird (wie eine Guillotine beim Zuschieben der Schachtel?).

Weiter heißt es:

"Die einfachsten Instrumente dieser Art kosten nur einen Franken, die zusammengesetzten, d. h. solchen, welche aus drei Feilen und einer Federmesserklinge bestehen, kommen auf 3 Franken zu stehen".

Weiterhin ein Text aus dem Polytechnisches Centralblatt von 1835:


Schließlich noch ein Text aus einer österreichischen Quelle aus dem gleichen Jahr::

Zusammenfassend kann man anhand der Erläuterungen folgendes schreiben:

Es handelt sich um ein Kästchen mit einem abnehmbaren Deckel in dem eine oder auch mehrere (bis zu drei) Feilen angebracht sind. Diese sind leicht zylindrisch bzw. kegelflächenartig geformt. Zum Spitzen muss man nun den Bleistift mit der Hand an den Feilenflächen reiben und dabei auch manuell drehen. Es wird geschrieben, dass man die Vorrichtung (von Maschine sollte man wegen des Fehlens jeglichen Mechanismus lieber nicht schreiben) in Paris kaufen kann. In der einfachen Version kostet sie ein Franc, in einer aus 2 bis 3 Feilen zusammengesetzten Version und mit zusätzlicher Federmesserklinge bis 3 Francs.

Auf der Exposition des produits de l'industrie française im Jahr 1834 bekam er eine Anerkennung für seine Spitzvorrichtung:

xxxxx

Lahausse war Klavierstimmer und beschäftigte sich auch mit Klaviertechnik. Am 2. Juli 1836 meldete er ein entsprechendes Patent "mécanisme applicable à toute espèce de pianos" an.

"Lahausse F. J., in Paris rue du Faub.-Poissonnière, No. 1, den 26. Novbr., für 5 Jahre: auf einen auf alle Arten von Pianos anwendbaren Mechanismus, womit deren Widerstand so abgeändert werden kann, daß er den schwächsten und kräftigsten Händen sich anpaßt, und mit dessen Hülse man daher auch ein und dasselbe Instrument sowohl zu Studien als zu Produktionen für Kinder und Erwachsene benuzen kann."

Das Patent wurde am 26. November herausgegeben und am 25. September 1839 wieder gelöscht. Als Adresse wird im Patent "Rue du Faubourg Poissonnière Nr. 1" angegeben.

1836 fand in der Orangerie der Tuileries eine Ausstellung der Akademie der Industrie statt, wo die Mitglieder ihre Angebote/Entwicklungen präsentierten:

Lahausse nahm daran teil und zwar mit seinen Neuerungen am Piano und dem Bleistiftspitzer. Hier folgende französische Information (teilweise schlecht zu lesen):

In einer Druckschrift aus dem Jahre 1839 findet man folgende Information "Lahausse (fabric. de taille-crayons, d`un noveau genre) rue Poissonnéire, 31". Dies lässt darauf schließen, dass Lahausse seine Maschinen selbst hergestellt und noch 1839 verkauft hat. Auch auf einer französischen Industrieausstellung wurde die Spitzvorrichtung von Lahausse 1839 noch ausgestellt.

Obige Quellen beweisen, dass seine Vorrichtung tatsächlich produziert und verkauft worden ist. Leider ist kein bis heute erhaltenes Exemplar oder auch nur eine Abbildung, die über die obige Zeichnung hinausgeht, bekannt. 

Auch von ihm  ist ansonsten nicht mehr bekannt. Er soll noch 1845 eine Klavierwerkstatt in der Pariser Rue Vivienne 57 gehabt haben.

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1833 - Robert Burton Cooper und George Frederick Eckstein (England)

Am 12. Oktober 1833 wurde in England ein Patent für eine Bleistiftspitzvorrichtung - die älteste bisher im Original erhaltene - erteilt. Deren Geschichte wird hier auf einer separaten Seite für den "Styloxynon" behandelt.

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1835 - Franz Theyer (Österreich)

Am 23. April 1835 erhielt Franz Theyer, Wien, in Österreich ein Privileg auf ein Instrument zum Bleistiftspitzen:

"Franz Theyer, Prokuraführer bei Martin Theyer, bürgerlicher Handelsmann zur Stadt Nürnberg, in Wien (Stadt, Nr. 905) ; auf die Erfindung, mittelst eines Instrumentes das Schneiden, Schärfen und Spitzen der Bleistifte und Zeichenkreide leicht, sicher, einfach und besonders schön keilförmig gespitzt zu bewerkstelligen, ohne sich mit dem dabei abfallenden Reißblei oder der Kreide zu beschmutzen, welche Erfindung zur mehreren Bequemlichkeit und beliebigeren Anschaffung in zweierlei Gestalten dargestellt werden kann."

Hier eine Veröffentlichung aus der Linzer Zeitung im Juli 1835:

Im Folgenden ein Auszug aus einem Buch von 1841, wo die Erfindung beschrieben wird:

Nach seiner Gültigkeit von nur zwei Jahren, also 1837 erlosch es wieder.

Kurz nach der Anmeldung des Patentes im Mai 1835 wurde in der Wiener Zeitung Werbung für die Spitzvorrichtung gemacht (Bild ist einer Juniausgabe entnommen) :

Die gleiche Annonce erschien auch ein Jahr später. Die kleine Spitzmaschine wurde also tatsächlich auch von ihm verkauft!

Die Theyers hatten damals bereits eine Tradition, der Vater von Martin Theyer, Jacob Michael Theyer war auch geschäftlich aktiv.

In den alten Schriften aus der damaligen Zeit taucht der Begriff "Nürnberger" auf. Bereits im 17. Jahrhundert gab es den Spruch "Nürnberger Tand geht durch alle Land". Gemeint waren damit allerlei kleine Waren, häufig aus Metall. Der Begriff "Nürnberger Hand" stand auch noch im 19. Jahrhundert für Handwerkserzeugnisse aus der Region.

In einem Buch über Wien aus dem Jahr 1787 gibt es bei der Beschreibung der Geschäftstätigkeiten folgende Kategorie:

Hier wird Jacob Michael Theyer in der "Karnerstraße in der Stadt Nürnberg, Nr. 937" genannt. Bereits 1733 soll er dort an der Kärntner Straße, Ecke Weihburggasse, ein Papier- und Schreibwarengeschäft eröffnet haben.

In folgender Info wird die Gründung des Theyer-Geschäftes auf das Jahr 1763 datiert und zwar nach Kauf von einem gewissen Scharrer:

1791 steht dann im Wiener Handelstands-Kalender unter der Rubrik "in englischen, französischen, dann Nürnberger und erbländischen Stahl- und andern Kramereiwaaren"  "Theyer Herr, Jakob Michael, den der Stadt Nürnberg in der Kärntnerstraße Nr. 937". 1796 ist Jacob Michael Theyer unter den "Nürnbergerwaarenhändler" aufgeführt (Kärntnerstraße 961). In einem Handelstandskalender für das Jahr 1799 werden dann er und erstmals auch Martin Theyer genannt.

In einem Auskunftsbuch der Haupt- und Residenzstadt Wien gültig für das Jahr 1803 heißt es unter der Rubrik "Nürnberger Waarenhändler":

"Hr. Jacob Michael Theyer unter der Firma Jacob Michael Theyer und Sohn, zur Stadt Nürnberg in der Kärntnerstraße 961. In der Handlungs-Societät ist sein Hr. Sohn Martin Theyer, der auch die Firma führt."

Im Jahr 1835 übernahm Franz Theyer das Geschäft, wie folgendes Schreiben beweist:


Eine spätere Notiz aus dem Jahr 1837 informiert über die Fa. Theyer:

"Theyer Martin, unter der Fa. Theyer & Sohn, welche auch sein Sohn Herr Franz Theyer als öffentlicher Gesellschaftler führt in der Kärnthnerstraße an der Ecke der Weihburggasse zur Stadt Nürnberg Nr. 905, mit allen Gattungen Schreib- und Zeichenpapieren und Mahlergeräthschaften". Woanders wird auch in den 1840er Jahren bestätigt, dass er dort Inhaber eines Schreib- und Malerbedarfsgeschäfts "Zur Stadt Nürnberg" war.

Franz Theyer beschäftigte sich auch mit einer Reihe anderer Dinge, so bekam er 1836 ein weiteres, zweijähriges Privileg:

Besonders intensiv beschäftigte er sich mit der Galvanoplastik, wie folgender Beitrag schildert:

1843 gründete er ein galvanoplastisches und galvanographisches Atelier.

"Großes Interesse für die Objektvervielfältigung durch die Galvanotechnik zeigte Franz Theyer. Er war Besitzer eines Warengeschäfts für das Bürgertum in der Wiener Innenstadt. 1840 wurde der „Niederösterreichische Gewerbeverein“ gegründet, dem Theyer 1841 beitrat. In den Räumlichkeiten des Vereins war ihm das Experimentieren mit der Galvanotechnik möglich. Seine gefertigten Druckplatten waren bei den Kupferstechern aufgrund der guten Qualität sehr gefragt. Gemeinsam mit dem Wiener Erfinder und Mediziner Erwin Waidele vervielfältigte Theyer ab 1842 eine Reihe von Zeichnungen und Gemälden mithilfe der Galvanoplastik. Sie erkannten den großen Vorteil gegenüber herkömmlicher Methoden. Ihre erzeugten Kupferplatten stellten sie bei zahlreichen Ausstellungen vor. Speziell dem Kunstmarkt öffnete die Galvanoplastik neue Tore: Neben der hohen Genauigkeit der Abdruckplatten zum Original konnten auch die Preise der angefertigten Kopien gesenkt und damit eine neue Käuferschicht erschlossen werden. Zuvor konnten per Hand getriebene Kupferplatten nur für wenige Drucke verwendet werden, wobei die Qualität nach jedem Druckvorgang abnahm. Auch die Genauigkeit wurde durch Kratzspuren an den Platten verfälscht. Noch vor der Einführung der Galvanotechnik wurden bei der Erzeugung von Metallstichen Stahl- den Kupferplatten vorgezogen, um mehr Exemplare damit drucken zu können. Die Herstellung der Stahlplatten erwies sich jedoch aufgrund der Materialhärte als nachteilig. Eine der ersten kommerziellen Anwendungen von Theyer und Waidele war das Vervielfältigen der „Wiener NeujahrsglückwunschEnthebungskarten“. Für die Anfertigung der Kupferplatte verwendeten sie den Strom einer Batterie. Diese Karten wurden für wohlhabende Bürger angefertigt und der daraus erzielte Erlös für wohltätige Zwecke verwendet."

Quelle: http://othes.univie.ac.at/26193/1/2013-02-04_0400306.pdf

Aus dem Jahr 1848 stammt folgende Notiz:

""Hr. Franz Theyer übte die Galvanoplastik in Wien zuerst in größerem Maaßstab aus, und erzeugte theils blank polirte und grundirte Platten zum Gebrauch der Kupferstecher, theils auch Copien geschnittener und radirter, oder in gemischter Manier gearbeiteter Platten.8) Seine Anstalt ist nicht unbedeutend, und er mag schon mehrere Hundert solcher Gegenstände erzeugt haben. Seit einigen Jahren hat er sich auch der Galvanographie angenommen, und die Anwendung derselben dadurch erleichtert, daß er von einer mittelst Elektrotinte auf Papier entworfenen Zeichnung sogleich eine galvanoplastische Copie zu machen im Stande ist. Er ist durch mehrere Medaillen und Auszeichnungen belohnt worden."

1846

"Die zur Photographie auf Papier nöthigen chemischen Präparate von Joseph Theyer , bürgerlichen Apotheker in Wien erzeugt, und zum unmittelbaren Gebrauch vorgerichtet, können von Franz Theyer, Stadt, Kärntnerstraße, zur Stadt Nürnberg, bezogen werden".

1852 findet man diese kurze Info in einer Wiener Zeitung:

Es bleibt aber offen, ob das noch die früher verkaufte oder eine weiterentwickelte oder auch eine fremde Apparatur war.

Franz Seraphin Theyer wurde am 17. 9. 1809 in Wien geboren. Er besuchte 1823 - 25 die Realschule des polytechnischen Institutes und trat 1825 in die dortige kommerzielle Abteilung ein. Danach absolvierte er eine Lehre bei seinem Vater und sammelte Erfahrungen in Deutschland, Frankreich und England. 1835 trat Theyer als Teilhaber in das Unternehmen ein und übernahm 1846 allein die Verantwortung.

Er war verheiratet mit Maria geb. Tschida (1814–1877). Sie hatten fünf Kinder: Maria (1839-1886), Gregor (geb. 1841), Theodor (1842–1905), Josef (1849–1871) und Leopold (geb. 14. Oktober 1851 in Wien, gest. 7. Juli 1937 n Graz / Steiermark).

Die einzige Tochter Maria heiratete Eduard Hardtmuth (Kaufmann) aus der bekannten Unternehmerfamilie Hardtmuth (Koh-I-Noor-Bleistift). Theodor gründete 1864 mit Franz Hardtmuth, dem Chef der Bleistiftfabrik L. & C. Hardtmuth, Budweis (České Budějovice), die Fa. Theyer & Hardtmuth in Wien zum Vertrieb von Bleistiften und zur Herstellung von geprägtem Briefpapier.

Franz Theyer war Ritter des Franz-Josephs-Ordens und Besitzer des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone.

Im Jahresbericht des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines in Wien aus dem Jahr 1850 erfährt man, dass Frau Maria Theyer und ihr Ehemann Franz Theyer sich um die Einrichtung eines Spitals für "verwundete Krieger" in schöner Lage erfolgreich bemühten.

"Dieses Haus Nr. 228 war kaum vollendet, als es die Aufmerksamkeit der Frau Maria Theyer und ihres Gatten des Herrn Franz Theyer auf sich zog. Die schöne und freie Lage des Hauses nebst dem geräumigen Garten. Seine bequeme Nähe ..."

Franz Theyer starb am 17. August 1871. Hier die Todesannonce in einer Wiener Zeitung:

Nach 273 (!!) Jahren Firmengeschichte wurde das Geschäft 2006 gegen einen einstelligen Millionenbetrag an den Tiroler Kristall-Konzern Swarovski verkauft, weil bei einem Firmennachfolger eine nicht zu erwirtschaftende Mieterhöhung gedroht hatte. Das ist sehr schade!

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1836 - C. Leuchs u. Comp. (Deutschland)

Anfang des Jahres 1836 erschien in der Allgemeinen polytechnischen Zeitung (Allgemeine Handlungs-Zeitung)  folgende Annonce von C. Leuchs u. Comp. in Nürnberg (von C. Leuchs selbst herausgegeben):

Das ist die bisher älteste deutschsprachige Verkaufsannonce für Bleistiftspitzvorrichtungen. Wir erfahren leider nicht, wer den Bleistiftspitzer hergestellt hat, die Firma C. Leuchs selbst wird es wohl nicht gewesen sein. Vielleicht handelt es sich um die Vorrichtung von Lassimone oder des Österreichers Theyer. Der Preis wird mit 27 Kreuzer angegeben.

C. Leuchs Co. / Johann Carl Leuchs

Johann Carl (oder Karl) Leuchs wurde am 23. Oktober 1797 in Nürnberg als Sohn von Johann Michael Leuchs (geb. 2. Juli 1763 in Bechhofen bei Ansbach, gest. 19. Dezember 1836 in Nürnberg) und Dorothea Wilhelmine Reiß (1778 - 1852) geboren.

Johann Carl Leuchs war ein bekannter Kaufmann und vor allem auch Schriftsteller. Er war sehr wißbegierig, konnte wohl mit vier Jahren bereits lesen und schreiben. Naheliegenderweise absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre im väterlichen Geschäft. Schon in jungen Jahren wurde er schriftstellerisch tätig. Im Jahr 1826 (als er auch heiratete) wurde ihm das Nürnberger Bürgerrecht verliehen, gleichzeitig trat er als Associé in die Handlung seines Vaters ein, die er nach dessen Tod weiterführte. Daneben betätigte er sich sehr vielseitig als Schriftsteller, Herausgeber und Verleger. Er veröffentlichte weit über 100 meist kleinere technische und ökonomische Aufsätze und Bücher im Verlag C. Leuchs. In der Mehrzahl handelte es sich um Arbeits- und Gebrauchsanweisungen für Fabrikanten und Gewerbetreibende aus dem Bereich der Chemie und Technik. 1871 gründete er als neue Tageszeitung den „Generalanzeiger für Deutschland“.

Am 13. August 1826 heiratete er in Nürnberg Magdalena Barbara Gläser, mit der er einen Sohn Friedrich Heinrich Karl (1841 - 1897) hatte. Er starb am 22. Mai 1877 in Nürnberg.

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1842 - Claude Mayet (Frankreich)

Am 7. Oktober 1842 meldete ein Herr Claude Mayet, passage Véro-Dodat, 24, Paris ein Patent zu einer Vorrichtung zum Bleistiftspitzen an, was dann am 2. Dezember 1842 veröffentlicht wurde (5 Jahre Gültigkeit). Mit Datum 21. Mai 1845 wurde das Patent gelöscht.

Im Folgenden nun die französische Patentbeschreibung aus einem Buch von 1845:

Leider liegen mir die genannten Abbildungen nicht vor. Im Folgenden aber die Abbildungen aus dem Originalpatent:

Bereits am 5. Januar 1842 meldete Mayet auch ein Patent "outil propre au nettoyage des peignes" zu einer Vorrichtung zum Reinigen von Kämmen an (Veröffentlichung 4. März 1842, Löschung 28. November 1844).

Er arbeitete wahrscheinlich als Messerschmied ("coutelier"). Im Jahr 1839 erhielt Herr Mayet-Vallon bei einer Industrieausstellung in Paris eine Bronzemedaille.

Unter der Adresse "Passage Véro-Dodat, 24" bestand wahrscheinlich lange Zeit (Hinweise für die Jahre 1827 und etwa 1896) eine Besteck- oder Messerfabrikation. Unter dieser Adresse (teilweise aber auch unter Nr. 219) ist in französischen Adressbüchern eine "Coutellerie" eingetragen. Inhaber war längere Zeit ein Herr Evras, dessen Beruf auch als Messerschmied angegeben wird und der am 06.10.1849, 11.01. und 13.09.1853 jeweils ein Patent anmeldete. Die Passage wurde später als Galerie bezeichnet und besteht so noch heute. Sie wurde 1826 eingerichtet und schaffte eine kurze Verbindung zwischen Les Halles und Palais-Royal. Benannt ist sie nach den Metzgern Vero und Dodat und war eine der ersten Pariser Straßen, die mit Gaslichtern ausgestattet wurde.

Galerie Véro-Dodat in den heutigen Tagen

Mayet-Vallon ist wahrscheinlich ein Doppelname, der Geschäftsvorgänger mit gleicher Adresse hieß Vallon (Nachweis für 1836). Vielleicht hat Herr Mayet eingeheiratet und das Geschäft übernommen.

Inzwischen ist tatsächlich eine Vorrichtung, die dem obigen Patent entspricht, aufgetaucht und zwar in einer Holzschachtel eingebaut. Die Ausführung entspricht scheinbar genau der obigen 1. Zeichnung in dem Abschnitt zu Mayet.. Hier eine Abbildung:


Die Beschriftung dort lässt erkennen, dass ein exklusiver Verkauf über den Händler Panier, Rave et Paillard erfolgte und zwar unter der Adresse Rue Vieille-du-Temple 75 in Paris. Diese Firma hat eine lange Tradition. Es wurden vor allem Papierwaren und Malerutensilien angeboten. Ausgangspunkt war wohl eine Firma Lambertye im Jahr 1821. Später firmierte sie dann unter Paillard (J.M.) bis wahrscheinlich 1980. Mit dem Namen Panier, Rave et Paillard gab es sie wohl nur 1842 und 1843, womit das Herstellungsdatum der Spitzvorrichtung ziemlich genau mit 1843 angegeben werden kann.

Im Branchendressbuch Almanach du commerce de Paris, des départements de l´Empire aus dem Jahr 1842 finden sich folgende Adresse für die Firma bzw. die einzelnen Teile:


Hier taucht die Adresse auf der Rue Vieille-du-Temple auf, einer schmalen Straße, wo es heute bei der Nummer 75 so aussieht:

Es bestand unter der Adresse bereits seit 1837 ein Geschäft, damals noch unter dem Firmennamen Panier. Für das Jahr 1847 gibt es für das Geschäft / die Firma mit der Adresse dann unter dem Namen Panier et Paillard einen Hinweis auf "fab. de crayons Lemoine". Es wurden also Stifte hergestellt nach "Lemoine", vielleicht der Erfinder / Namensgeber. Es ist absolut logisch, dass eine solche Firma auch Anspitzgeräte für Stifte verkaufen wollte. Ein Direktvertrieb aus dem Geschäft von Mayet zur Messerherstellung wäre dagegen wenig sinnvoll gewesen.


Es handelt sich bei der Bleistiftspitzvorrichtung von Mayet nach bisherigem Stand um die wohl bisher älteste französische Spitzvorrichtung, die bis in die heutige Zeit erhalten ist!

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? 1844 - Pierre (?)  Coursier (Frankreich)

wird gerade bearbeitet

Im DICTIONNAIRE des ARTS ET MANUFACTURES aus dem Jahr 1847 findet man folgenden Beitrag:

1837 findet sich folgender Eintrag im Pariser Adressbuch:

"Coursier, et f. presses à copier, r. du faub. St.-Martin, 38" und "Coursier fils, sur métaux et bois, mécanicien, pass.de l`Industrie, 8"

1847 auch noch so, aber St.-Martin 88

Bereits am 6. April 1839 erhielt er folgendes französische Patent:

"Coursier (Pierre) , mécanicien à Paris , passage de l'Industrie, n° 5 , faubourg Saint-Martin, pour une presse propre à opérer tout genre d'impression, notamment applicable à la lithographie, à la zinéographie, l'autographie, la gravure en taille douce, etc"

1860 wohnte er Rue de la Pépinière, n° 33, à Tours.

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1845 - Louis Nicolle (Frankreich)

Am 4. März 1845 meldete Louis Nicolle (manchmal auch "Nicole" geschrieben", Paris, Rue des Juifs - also Straße der Juden, Nr. 1 oder auch 11 ein Patent mit dem Titel "Porte crayon dit taille-crayon" (Gültigkeit 15 Jahre, veröffentlicht 03.05.1845). Es handelt sich also um einen Bleistifthalter mit Anspitzer.

Zusatzpatente zu diesem Patent wurden von Nicolle später am 17. Mai 1845 und am 17. April 1846 angemeldet. Bei dem letzteren wird seine Berufsbezeichnung mit "bijoutier", also Schmuckverkäufer angegeben.

Hier eine kurze, wenn leider auch nur französische Beschreibung:


Hier die verfügbaren Patentabbildungen:

Im 1. Zusatzpatent wird lediglich mitgeteilt, dass die Vorrichtung auch mehr oder weniger als 4 "Klingen" haben kann.

Und hier noch die kleine Zeichnung aus dem 2. Zusatzpatent von 1846:

Am 10. Dezember 1845 meldete ein gewisser Moses Poole in England ein Patent mit dem Titel "Improvements in apparatus to be used in drawing or marking". Moses Poole war als Patentanwalt auf der Searle Street, Lincolns-Inn, County of Middlesex tätig, Der Beruf wird nur als "Gentleman" angegeben. Poole war 1790 in St Clement Danes (London) als Sohn von James Poole und Elizabeth nee Blundell geboren wurden.

Vom Titel her scheint das Patent eher nichts mit dem Bleistiftspitzen zu tun zu haben, auch erfahren wir den wahren Patentinhaber des obengenannten Patentes nicht. Sehr aufschlussreich ist aber ein Beitrag in einem englischen Werk aus dieser Zeit, siehe folgende Abbildungen:

Es handelt sich offensichtlich um das gleiche Patent (genauer die Auslandsanmeldung) wie das von Nicolle!

Am 17. Juli 1847 erhielt Nicolle, der hier als Fabrikant von Bleistifthaltern bezeichnet wird, ein Patent (15 Jahre Gültigkeit) "Application de tablettes en verre aux portefeuilles", was ich nicht wirklich übersetzen kann ("Glastafeln für Brieftaschen" ??), welches er am 8. Mai 1847 anmeldete. Am 5. August 1848 erhielt er ein weiteres Patent zu einem Bleistifthalter ("pour un porte-crayon simplifié"), am 24. Mai 1849 erhielt er ein weiteres Patent nicht näher definierbaren Inhaltes "pour un buse droit et cintré en acier aimantin pour hommes et pour femmes".

Im Juni 1846 wird in der franz. Zeitung Le Constitutionnel : journal du commerce, politique et littéraire für einen "porte-crayon dit taille-crayon" geworben:

Es wird erwähnt, dass es ein franz. und britisches Patent gibt. Der Erfinder bzw. Hersteller wird zwar leider nicht genannt, aber aus dem Textzusammenhang und den Hinweisen auf die Patente kann es als sicher gelten, dass hier Nicolle´s Neuerungen zumindest mit eingeflossen sind. So wissen wir dadurch, wie ein solcher Schreibstift mit Anspitzhilfe ausgesehen hat.

In einem Branchenbuch aus dem Jahr 1847 findet sich folgende Eintragung:

Hier wird also mitgeteilt, dass es sowohl ein französisches, als auch englisches Patent auf einen "porte-crayon dit taille-crayon" gibt. Die Eintragung scheint auch zu beweisen, dass die Spitzvorrichtung auch tatsächlich verkauft wurde. Auch 1850 ist er unter der Adresse weiter als "fab. de crayons", also als Schreibstifthersteller eingetragen, allerdings gibt es keine Eintragung "taille-crayon".

In den Adressbüchern von 1837/38 ist ein Nicolle, "bijoutier" unter Adresse "Temple, 40" in Paris verzeichnet, aber es ist unklar, ob das der richtige Nicolle ist. im Jahr 1851 steht Nicolle dann mit "fab. de crayons, Juifs 11" und einem Eintrag in der Kategorie "Bleistifte".

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1841 / 1844 - Rouget de Lisle (Frankreich)

Thomas-Amédée Rouget de l'Isle Paris, rue de Tracy, n° 8

Im Jahr 1844 stellte die Firma Delisle et Cie auf einer franz. Industrieausstellung aus, siehe hier:

Unter anderem wurde ein "taille-crayon mécanique" ausgestellt.

Es gab in Frankreich mit Claude Joseph Rouget genannt de Lisle oder de l’Isle einen sehr bekannten Träger dieses Familiennamens. Dieser ist der Dichter und Komponist der franz. Nationalhymne, der berühmten Marseillaise und war wahrscheinlich mit dem Bleistiftspitzer - de Lisle verwandt. Weitere Informationen gibt es derzeit nicht.

Thomas-Amédée starb am 23. Dezember 1887 in Saint-Mandé.

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1847 - Joseph-Charles Micouin (Frankreich)

Am 27. März 1847 wurde für Joseph-Charles Micouin, wohnhaft Rue du Temple, N 69, Paris, "balancier-ajusteur" ein Patent für einen "taille-crayon" (also einen Bleistiftspitzer) erteilt. Die Anmeldung erfolgte am 19. Februar 1847, die Gültigkeit betrug 15 Jahre. Einer Eintragung in einem Branchenbuch in diesem Jahr zufolge war er Hersteller von Waagen und Kupfergewichten:

So sieht das Haus unter dieser Nummer heute aus:

Hier die Patentzeichnungen aus dem Originalpatent:

Bereits am 21. Oktober 1844 erhielt er ein auf 5 Jahre bemessenes Patent für "nouveau genre de bec de lampe à gaz".

1855 meldete er wieder ein Patent an, wohnte dann auf der Rue des Filles-du-Calvaire Nr. 6.

Auf der Weltausstellung 1855 stellte er Waagen und Gewichte aus.r auch in der Portefoin Nr. 10 gewohnt haben, später 1862 dann in der Nummer 3. Auch 1864 wird diese Hausnummer genannt mit der Bezeichnung "fabricant de balances". Diese ganzen Adressen liegen alle nahe beieinander im 3. Arrondissement (nahe Marais-Viertel). Allerdings gibt es ein Textdokument, was darauf schließen läßt, dass Micouin 1864 oder schon davor verstorben ist. Da wird seine Witwe Catherine Eugénie Micouin (geb. Freschu) genannt, die eventuell das Geschäft weiterführte.

1865 erschien dann folgende Konkursmeldung:

Irgendwelche weitere Informationen zu der Spitzvorrichtung gibt es nicht.

Zur Person Joseph-Charles Micouin

Micouin wurde am 20. Juli 1807 in Paris als Sohn von Jean Francois Nicolas Micouin (geb. 1772, Schieferdachdecker) und Genevieve Rosalie Laurent (geb. 1781) geboren. Er war verheiratet mit Catherine Rugenie Freschu (geb. etwa 1820 ?)

Joseph-Charles Micouin starb am 13. Mai 1864 Rue Portefoin 3, in Paris. Seine Ehefrau führte wohl die Werkstatt weiter.

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    1847 - Thérèse-Constant Thierry des Estivaux (Frankreich)

    Am 16. April 1847 meldete Thierry des Estivaux, wohnhaft Avenue Sainte-Marie-du Roule Nr. 42 bis., Paris ein Patent mit dem Titel "Instrument dit taille-crayon" an, was am 30. Juni 1847 für 15 Jahre erteilt wurde. Ebenso meldete er dieses in Belgien an, wo es ab 27. Oktober für 14 Jahre gültig war.

    Hier die Zeichnung aus dem französischen Patent:


    Bereits am 21. April 1846 meldete Estivaux in Frankreich ein (auch 15 Jahre laufendes) Patent "pour un propulseur palmipède propre à la navigation maritime et fluviale", was am 7. Juli diesen Jahres herausgegeben wurde. Seine Adresse wurde damals mit "chez ARMENGAUD jeune, 6, rue des Filles-du-Calvaire" in Paris angegeben. Dabei handelte es sich wohl um einen neuartigen/verbesserten Propellerantrieb für die Küsten- und Binnenschifffahrt.

    Hier eine Zeichnungsseite aus dem Originalpatent:


    Am 20. April 1847 wurde diesem Patent noch eine Ergänzung hinzugefügt.

    Am 29. Januar 1848 meldete Estivaux gemeinsam mit William-Williams Hope ein Patent mit dem Titel "Système de fabrication de bouchons de liège" an, was dann am 13. Mai herausgegeben wurde. Es geht dabei um eine Neuerung bei der Herstellung von Kronkorken. Am 29. Mai 1848 wurde von ihm noch eine Ergänzung hinzugefügt, welche dann später am 14. August erschien.

    Aus dem Leben von Thierry des Estivaux:

    Constant de Thierry des Estivaux wurde 1797 in Paris als ältester Sohn des Colonel Gaspard de Thierry, Baron des Estivaux in Lorraine und Romarine, Comtesse de Faletans et Digoine geboren. 1814 nahm er an der Verteidgung von Besancon und 1815 im Alter von nur 17 Jahren an der Seite seines Vaters an der Schlacht von Waterloo teil.... Constant starb im Jahre 1871.

    Thierry des Estivaux gilt schon lange (z. B. in einem deutschen Buch von 1941) als Erfinder des Handspitzers, manchmal wird er schlechthin als Erfinder des Bleistiftspitzers bezeichnet. Angesichts der vielen vorgenannten (gerade auch französischen) Erfinder ist dies wohl etwas übertrieben. Es ist bisher auch unbekannt, ob der Bleistiftspitzer wirklich produziert wurde, ganz abgesehen von einem tatsächlich erhaltenen Exemplar.

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    1850 - A. E. Loradoux (England) ?

    Am 23. April 1850 meldete A. E. Loradoux, Calthorpe-street (London), in England ein Design zu einem "Pencil Cutter" an. Weitere Informationen zu dem Cutter gibt es nicht, es ist auch nicht klar, ob es sich wirklich um eine Vorrichtung handelt, die man - wenn auch im weiteren Sinn - als Bleistiftspitzer bezeichnen kann oder etwas mit der Bleistiftherstellung im Zusammenhang stehendes.

    Möglicherweise handelt es sich um Auguste Edouard Loradoux Bellford, der etwa ab 1852 bis 1854 16, Castle street in Holborn und ab 1855 dann 32, Essex-street, Strand, London wohnte. Er arbeitete als "Patent agent" und erhielt allein 1854 über 40 Patente, als Beispiele seiner Anmeldungen seien genannt: 8. Dezember 1853 "Improved stove or kiln"; 26. Juli 1854 "Improvements in Soldering Metals". Sein Name und auch eine Notiz aus dem Jahr 1855 ("but now at Paris, France") legt sehr nahe, dass er Patente von Franzosen anmeldete. Der eigentliche Erfinder des oben erwähnten Patentdesigns wird nicht genannt.


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