M Erlebach Nachf (Quail)

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen

Die Firma M. Erlebach (Frankfurt)

M. Erlebach Nachfolger war eine Firma, die hauptsächlich Produkte aus den USA importiert und in verschiedenen europäischen Ländern verkauft hat, darunter insbesondere Schreibwaren / Büroartikel.

Zunächst soll aber auf den Vorgänger der Firma, nämlich M. Erlebach eingegangen werden. Das "M." steht für Max von Max Erlebach, der die Firma leitete. Diese Firma und deren obengenannter Nachfolger sind ein kleines, interessantes Beispiel für die Tätigkeit jüdischer Kaufleute in Amerika und Deutschland.

Max Erlebach war am 28. Januar 1832 in Bayreuth in einer jüdischen Familie geboren worden, siedelte mit seinen Eltern jedoch nach Amerika in die Vereinigten Staaten um (aus einer späteren Anzeige kann etwa auf das Jahr 1855 geschlossen werden) und wurde auch Bürger des Landes. Er war in Bayreuth auf die Königliche Studienanstalt gegangen. Zumindest nach den Noten im Schuljahr 1842/43 war er kein guter Schüler, er belegte in seiner Klasse mit 34 Schülern den 34. Platz.

Er besuchte in seinem Leben häufig seine alte europäische Heimat. So taucht er im Juli 1863 auf einer Gästeliste in einer Wiener Zeitung auf, wobei er im Hotel Weißes Roß wohnte.

Wahrscheinlich im Mai 1864 heiratete Max Erlebach in München Bertha Erlebach, geb. Rothschild, die in München wohnte, etwa 1844 geboren und als Cassierstochter bezeichnet wurde nach "israelitischem Cultus". Auf einer Fremdenliste der Salzburger Zeitung erfährt man, daß M. Erlebach, Kaufmann aus Providence mit Frau am 26./27. Mai im Hotel Zu den Aliierten abgestiegen war. Kurze Zeit später ging es von Liverpool aus nach New York, wo man am 27. Juli mit der Scotia ankam:

Am 25. März 1865 wurde dann in Providence die gemeinsame Tochter Alice Erlebach geboren.

The Merchants' directory von New York 1866 / 67 enthält folgenden Eintrag:

Wahrscheinlich im Jahr 1871 siedelte Max Erlebach nach Deutschland zurück (nach Frankfurt/Main), blieb aber Amerikaner.

Womit Max Erlebach handelte, ist bisher praktisch nicht bekannt. Es gibt nur eine Info, daß er Auslandsvertreter für sog. "chrono advertising cards" der POTSDAMER & Co. war. Hierzu fogender Text aus dem American Stationer von 1873:

So erfahren wir, daß M. Erlebach zu dieser Zeit in Frankfurt / Main, Salzhaus 4 ansässig war.

Allerdings gibt es auch folgende Anzeige in der Zeitung Scientific American vom Juli 1875, was auf einen Standort von Max Erlebach in München, dem früheren Wohnort seiner Frau hinweist:

Ab 1879 findet man in den Frankfurter Adressbüchern folgenden Eintrag:

Max betrieb also die Firma M. Erlebach, die wie er selbst Salzhaus 4 angesiedelt war. Zweck war der Import bzw. eine Agentur für amerikanische Erzeugnisse. Seine Frau Bertha war die Prokuristin.

Hier noch die gesamten Bewohner des Hauses von 1879:

Hier wird von "Kurzwaaren" gesprochen. Im Haus war auch die Frankfurter Hypothekenbank ansässig.

Im März 1879 ist Max Erlebach, Kaufmann aus Frankfurt / Main in einer Gästeliste in der Zeitung Epoche im Hotel zum Schwarzen Roß wohnend eingetragen.

1887 wird im American Stationer berichtet:

Entsprechend des Unternehmensinhaltes fuhr er sicher einige Male zwischen Europa und den Vereinigten Staaten hin und her. In Amerika suchte er dann nach Produkten, die in Europa verkauft werden konnten.

Im unteren Text taucht ein Adolph Erlebach auf, der in Boston bei der Firma Horace Partridge & Co arbeitete. Adolph war wahrscheinlich ein naher Verwandter von Max. Er wurde am 5. Aug 1844 ebenfalls in Baureuth geboren.

Hier ein früherer Antrag auf einen Reisepass von Adolph aus dem Jahr 1879 mit persönlichen Angaben:

Später arbeitete er wahrscheinlich für Louis Wolf & Co als Importeur.

Im Jahr 1902 schließlich findet man folgenden Text im American Stationer:

Er vertrat also die Colonial Pen Company.

Adolph Erlebach starb wahrscheinlich am 5. Februar 1904 in Boston.

Doch zurück zu Max Erlebach.

Aus Fremdenlisten des Prager Tagblattes vom September 1887 und Juli 1889 erfährt man, daß er in Prag im Hotel Schwarzes Roß abgestiegen war. Nach 1890 war er mehrmals in Budapest und zwar in Marchal´s Hotel Königin von England, mindestens Februar 1891, Februar und September 1893, September 1894 sowie August 1898.

Am 4. März 1892 heiratete seine Tochter Alice Erlebach in Frankfurt / Main den Kaufmann Louis Salome Dreifuss.

Im Februar 1898 findet man Max Erlebach auf einer Gästeliste des Budapester Lloyd.

Wahrscheinlich 1897 übergibt Max Erlebach sein Geschäft an Louis Wachtel (siehe unten) und zieht auf die Beethovenstr. 66 in Frankfurt/Main.

 

Im American trade index von 1911-1913 wurde notiert:

 

Max Erlebach starb am 27. Juni 1915 in Bad Homburg, wie das folgende interessante Dokument beweist:

 

Die Gebrüder Arthur und Oskar Wachtel - Aus ihrem Leben

Die Geschichte der Firma M. Erlebach Nachf. ist eng verbunden mit der Familie Wachtel, insbesondere mit Martin Oskar (auch Oscar) Wachtel. Er stammte wie Max Erlebach aus einer jüdischen Familie und wurde wie sein Zwillingsbruder Arthur Paul Wachtel am 23. Februar 1871 in Bamberg geboren.

Ihr Vater hieß Louis Wachtel. Die Mutter war Fanni Wachtel (geb. am 13. August 1845 als Fanni Wiesengrund). Die Großeltern mütterlicherseits hießen Caroline (geb. 16. August 1818 in Memmelsdorf, gest. 28. November 1889 in Frankfurt am Main) und Bernhard Wiesengrund (Büttnermeister und Weinhändler in Dettelsbach und Frankfurt, geb. 1. Januar 1801 in Dettelbach, gest. 25. Oktober 1871) und hatten neben Fanni noch 4 weitere Kinder: Benedict, David Theodor, Clara, Jeanette und Julie.

Louis Wachtel wanderte offensichtlich 1851 nach Amerika aus und hielt sich dort nach einer Info bis 1890 auf. Da steht natürlich die Frage, warum Oskar und Arthur in Bamberg geboren sind. Vielleicht fuhr der Vater, die Mutter oder beide zwischenzeitlich zwischen Europa und Amerika hin und her, zumindest die Mutter muß ja 1871 in Bamberg gewesen sein.

Etwa 1894 ging Oskar Wachtel nach Deutschland zurück, eine Entscheidung, die sich leider viel später als tragisch erweisen wird.

1897 übernahm Louis Wachtel die Firma von Max Erlebach und sie wurde folgerichtig M. Erlebach Nachfolger genannt.

Am 18. Juni 1914 heiratete Oskar Wachtel Christine Ullmer, die selbst evangelisch war. Hier ein Auszug aus der Heiratsurkunde:

Christine Wachtel war am 25. September 1889 als Tochter von Anna Katharina und Andreas Ullmer geboren worden.

Arthur Wachtel beantragte einen Reisepass am 26. August 1915, hier das Passfoto:

Im Jahr 1915 wohnten Oskar, Arthur und Louis (Privatier) Wachtel auf der Pfingstweidstr. 10 in Frankfurt/Main. Sicherlich wohnten auch die Ehefrauen von Oskar und Louis mit dort.

Am 16. Juni 1915 kam in Frankfurt/Main die gemeinsame Tochter von Christine und Oskar mit Namen Hilde Caroline zur Welt.

Im folgenden Jahr starb der Vater der Brüder und wurde in Frankfurt auf dem Alten Jüdischen Friedhof begraben.

Der folgende Reisepassantrag Oskar Wachtels stammt aus dem Jahr 1917 und liefert auch ein kleines Foto:

1920 wohnte Arthur Wachtel zusammen mit Albert Wachtel (Kaufmann), einem offensichtlichen Verwandten, und seiner Mutter Fanny od. Fanni, inzwischen verwitwet, weiterhin auf der Pfingstweidstr. 10 in Frankfurt/Main.

Oskar Wachtel wohnte da inzwischen Mendelssohnstr. 75, von der Faschisten später in Josef Haydn-Str. umbenannt (Mendelssohn stammte aus jüdischer Familie).

Arthur heiratete am 24. Dezember (!!) 1924 in Frankfurt / Main Fanny Mayer.

Im Reichs-Branchenadressbuch von 1934 ist eingetragen:

Unter Bürobedarf findet sich 1934 aber auch noch Arthur Wachtel, immer noch Pfingstwaldstr. 10. Danach verschwindet er aus den Frankfurter Adressbüchern. Wahrscheinlich ist er anders als sein Zwillingsbruder wieder nach Amerika übergesiedelt. Im Jahr 1940 taucht er als Untermieter in New York auf der West 87 Street auf. Er wohnte da zusammen mit seiner Frau Fanny Wachtel und einer ganzen Reihe anderer Personen.

Am 23. Oktober 1941 starb die Ehefrau von Oskar Wachtel, siehe folgende Urkunde:

Christine Wachtel starb an Brustkrebs. Laut Urkunde war sie noch verheiratet mit Martin Oskar Israel Wachtel. Sie wohnten auf der Joseph Haydnstr. 12. Der Namenszusatz "Israel" erklärt sich aus einer Anordnung im faschistischen Deutschland, daß alle jüdischen Männer diesen Namen als Vornamen führen mußten. Die wurde nachträglich auf der schon oben ausschnittsweise dargestellten Heiratsurkunde aufgedruckt.

So verlor Oskar Wachtel den letzten Schutz als Jude, da seine nichtjüdische Ehefrau verstorben war. Wahrscheinlich hatte er irgendwann die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen.

Oskar Wachtel wurde ab Berlin am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert. Am 18. Dezember 1943 wude er nach Auschwitz, ins Vernichtungslager gebracht, wo er noch im Dezember zu Tode kam, wahrscheinlich wurde er ermordet.

Sein Zwillingsbruder Arthur Wachtel starb wahrscheinlich am 3. Dezember 1952 in Mahattan / New York.

 

Die Firma M. Erlebach Nachfolger

Im The American Stationer wurde im Juli 1896 wie folgt geschrieben:

Dem Text kann man entnehmen, daß auch Arthur inzwischen in Deutschland wohnt und nur auf Geschäftsbesuch in New York ist. Er sagt, daß die Firma bereits mehr als 20 Jahre tätig ist (das wäre also mindestens seit 1876) und daß sie die erste war, die Büroartikel aus Amerika importiert hat.

1897 wird in The American Stationer notiert:

"He Wants American Novelties

Oscar Wachtel, of M. Erlebach Nach, Frankfort-on-Main, Germany, arrived here on the Lahn (?). He is in search of American novelties, and sellers will find him at 20 Vesey street between the hours of 8 and 10 o'clock in the morning. In speaking of American goods in Germany he said : " We have been established for over twenty years, are widely and favorably known, and have special facilities for handling American goods, of which we make a specialty".

Im Pester Lloyd wurde 1898 folgende Annonce veröffentlicht:

Im American trade index ist 1901/1902 notiert:

Die Firma vertrat also die amerikanische Dennison Manufacturing Company.

1901 erschien in der New York Times folgender Text:

1906 wird im American Stationer geschrieben:

1907 wird im American Stationer geschrieben:

"Oscar Wachtel, representing M. Erlebach Nachfolger, Frankfort-on-Main, Germany, is in New York on his annual buying trip. He is busy greeting all his old friends and make new ones."

Im American trade index für die Jahre 1908 bis 1910 wird M. Erlebach Nachf. als Vertreter von The Esterbrook Steel Pen Manufacturing Company aus New York genannt:

Das dürfte die bekannteste Aktivität der kleinen Firma gewesen sein.

1908 ist in der Büroartikelzeitschrift Geyer´s Stationer notiert:

Neben Esterbrook wird auch die American Lead Pencil Company und die bereits oben erwähnte Dennison Manufacturing Company vertreten.

1910 in American Stationer:

"Mr. Wachtel solicits other calls of manufacturers who are making novelties appertaining to office appliances. The firm of M. Erlebach have been in existence over forty years, and among the firms they are representing now are the Esterbrook Steel Pen Mfg. Company, the American Lead Pencil Company, the Diamond Mills Paper Company, and many others. They would like to make arrangements with other houses who wish to be represented in Europe, as they solicit the trade all over the continent."

Interessant ist auch folgender Brief aus dem Jahr 1910.

In Walden´s Stationer and Printer findet sich 1911 folgende Notiz:

"A M. Erlebach Nachfogel, Frankfort-on-the-Main, Germany, would like to hear from American manufacturers of office supplies with the object of representing them in that country. The firm already handles a number of American lines."

Die folgende Paketkarte (?) beweist die geschäftlichen Verbindungen von M. Erlebach Nachfolger in die Schweiz und stammt aus dem Jahr 1913:

1912 wird in Geyer´s Stationer berichtet:

Eine weitere Postkarte in die Schweiz von 1916:

Schließlich noch eine Paketkarte von 1919:

Im Folgenden ein kurzer Ausschnitt aus Office Appliances; The Magazine of Office Equipment (1920):

"Arthur Wachtel of M Erlebach Nachfolger of Frankfort-on-the-Main, Gemany, is now in the United States. He is making his headquerters with the Esterbrook Steel Pen Manufacturing Company at 99, John street, New York, N. Y. Mr. Wachtel is a twin brother of Oscar Wachtel with whom he is associated i the business referred to. The Wachtel brothers have represented the Esterbrook Company for the last twenty years."

Aus der Inflationszeit 1923 stammt folgende Postkarte von Erlebach in die Schweiz:

Im Jahr 1931 erschien folgender Artikel in der Papier-Zeitung anläßlich des 60. Geburtstages von Oskar Wachtel:

"Am 23. Februar beging Herr Oskar Wachtel, Seniorchef der Firma M. Erlebach Nachf., Frankfurt a. M., Büroartikel- und Füllhalter-Fabrikation, seinen 60. Geburtstag. Vor 37 Jahren, nach seiner Rückkehr aus Amerika, führte er die ersten Füllhalter ein und richtete später — bahnbrechend darin — die eigene Erzeugung dieses jetzt allgemein...Ganz befonders zeichnen sich unter den von ihr gebauten Maschinen die Heft- und Bleistiftspitzmaschinen der Schutzmarke „Quail" aus. — Somit darf wohl Herr Oskar Wachtel als einer der Pioniere des Faches angesehen werden, denn noch bei seiner Rückkehr aus USA war man in der Büroorganisation weit im Rückstand. Wie damals verlieht es seine Firma immer wieder durch Neuheiten den Bürobedarfsmarkt zu beleben. Der Jubilar ist u. a. durch seine ...(?) dem größten Teil der Fabrikanten und Händler des Faches bekannt; möge noch eine Reihe erfolgreicher Jahre ihm bei guter Gesundheit beschieden sein."

Der Wunsch im letzten Satz ging leider ganz und gar nicht in Erfüllung. Mit dem Erstarken und schließlich der Machtergreifung der Nazis bekam Oskar Wachtel zunehmend Probleme. Wie in vielen anderen Fällen wurde er schließlich aus der Firma heraus gedrängt und zwar durch einen seiner eigenen Angestellten.

Dazu hier folgender Text:

"Etwas anders verlief die Entwicklung bei der Firma M. Erlebach Nachf., die von dem jüdischen Kaufmann Oskar Wachtel geführt wurde und mit Büroartikeln aller Art handelte. Um 1903 hatte der Kaufmann Eduard Heister in dem Unternehmen seine Ausbildung abgeschlossen. Als die Firma Erlebach im Verlauf der 1920er Jahre in Schwierigkeiten geriet, trat Heister 1927 zunächst als stiller Gesellschafter in das Unternehmen ein und erhielt eine Gewinnbeteiligung von 33 Prozent. 1930 wurde das Unternehmen in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt, an der sich Heister als Gesellschafter beteiligte. Während der ersten Jahre der NS-Herrschaft entwickelte sich das Unternehmen positiv. 1936 erhielt Heister eine stärkere Stellung, indem seine Gewinnbeteiligung auf 40 Prozent stieg. Bereits zu dieser Zeit schlug er Oskar Wachtel vor, aus dem Unternehmen auszuscheiden, was dieser aber ablehnte. Erst im Mai 1938 wurde er zum Ausscheiden gezwungen, als sich der Gauwirtschaftsberater des Falles annahm und auf eine Trennung drängte. Eduard Heister machte keine Anstalten, dem langjährigen Inhaber ein angemessenes Entgelt für seine Gesellschaftsanteile zukommen zu lassen, sondern beauftragte einen parteinahen Sachverständigen, der den ursprünglich ins Auge gefassten Betrag von 55.000 RM auf nur noch gut 30.000 RM reduzierte. Vom Lehrling hatte es Heister damit in einer Reihe von Zwischenschritten zum Alleininhaber des Unternehmens gebracht und den jüdischen Vorinhaber verdrängt."

Quelle: Benno Nietzel. Handeln und Überleben: Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main (2012)

Die Firma hatte auch in Berlin geschäftliche Aktivitäten. So ist sie im 1939 Berliner Adressbuch auf der Ritterstr. 69 mit "Auslieferung" eingetragen.

Die Firma hatte auch eine (wahrscheinlich) produzierende Niederlassung in Berlin. 1941 gibt es im Berliner Adressbuch einen Eintrag "Erlebach Nachf.., SW68, Alte Jakobstr. 14"

Hier zwei Eintragungen aus dem Berliner Adressbuch 1941, wo dann Eduard Heister als Eigentümer eingetragen ist:

 

Eduard Heister und seine Firmen

(dieser Teil ist noch in Bearbeitung!)

Auch wenn es der genannte Eduard Heister nicht verdient hat, noch eine Bemerkungen zu ihm.

Eduard Heister hatte zwei Firmen,

Ein Eduard Heister aus Frankfurt meldete nach dem Krieg in Deutschland zwei Patente an:

- 18.10.1950 "Sicherung von biegsamen Litzen gegen Durchhang, Knotenbildung und Verdrillung, insbesondere von Leitungen an Telephonapparaten"

- 23.09.1952 "Gitter mit Sicherung gegen gewaltsames Öffnen"

Allerdings ist nicht ganz gesichert, daß das wirklich der richtige Heister ist.

1950 Schweißtechnik Lahnstr. 58

1953 E H Bürobedarf Sandweg 5 und Schweißtechnik

1954 Eduard Heister, Kaufmann, Lahnstr. 58

1954 Eduard Heister, Kaufmann, Wilhelmshöher Str. 33

1955: Eduard Heister Wilhelmshöher Str. 33, Bürobedarf-Grhdl Lahnstr. 58

1958: Inh. d. Fa. Schweißtechnik Schneider, Wilhelmshöher Str. 3

Bis mindestens 1976 gab es eine Eduard Heister KG in Frankfurt, die sich mit Schweißtechnik beschäftigt hat.

Eduard Hiester verkaufte auch eine eigene Spitzmaschine, die ganz unten im Text behandelt wird.

 

Produkte der Fa. M. Erlebach Nachf.

Wie bereits oben genannt war M. Erlebach Nachf. in Deutschland und wohl auch in einigen anderen europäischen Ländern Vertreter für die amerikanische Firma Esterbrook, insbesondere wurden die Stahlfedern der Firma vertrieben.

Im folgenden Text von 1905 wird M. Erlebach Nachfolger als einer dieser Vertreter von Esterbrook genannt:

Die Waren wurden von M. Erlebach Nachfolger teilweise unter dem Namen Quail und mit einem Vogel-Logo angeboten:

Quail ist Englisch und heißt auf Deutsch nichts anderes als Wachtel! Dies mag aus Sicht der Familie ganz witzig gewesen sein, war aber vielleicht im deutschen Sprachraum kein besonders origineller Name.

Merkwürdig ist, dass heute keine Artikel der Firma mehr erhalten zu sein scheinen (mit Ausnahme weniger Exemplare an Spitzmaschinen). Viel wurde wohl nicht verkauft, vielleicht waren die Artikel aber auch nicht immer so beschriftet, daß sie zugeordnet werden können.

Im Juli 1913 erschien in der Schreibmaschinen-Zeitung folgende Annonce für eine "Ösenmaschine":

Es handelt sich dabei um eine Heftmaschine. Die Beschriftung auf der Maschine ist in der Anzeige nicht gut lesbar. Es steht Nr. 3 da und in der Mitte eventuell "ELBE".

Im Folgenden zwei undatierte Werbemarken der Firma für Esterbrook-Stahlfedern.

Hier noch eine Textanzeige aus der Frankfurter Zeitung im Jahr 1914:

Es werden 250 (!!) Sorten Esterbrook - Stahlfedern angeboten!

Im März 1914 erschien in der Schreibmaschinen-Zeitung eine Annonce für eine Heftmaschine namens Quail:

Es gibt eine weitere Information, daß später 1930 eine Heftvorrichtung mit Namen "Quail 60" für 6,25 RM angeboten hat.

In einem Verkaufskatalog der Dresdner Bürofachhandelsfirma J. Bargou Söhne aus dem Jahr 1933 wird auch eine Heftmaschine Quailfix angeboten:

Im Mai 1914 meldete M. Erlebach (Nachf.) ein Warenzeichen "Quaillina" an, was ab 11. Juli 1914 für Füllfederhalter galt:

Im April 1913 in der Schreibmaschinen-Zeitung:

Beworben wird hier ein Füllfederhalter "Quail", als "Sicherheitshalter" bezeichnet und aus Amerika importiert und zwar in den Varianten Ideal, Domino, Patriot, Middle Joint und Pocket Safety.

Im Juni erschien in der gleichen Zeitung die Anzeige für ein neues Radiermesser:

Im April 1915 wurde in der Schreibmaschinen-Zeitung folgende Anzeige gedruckt:

Die "ROTOSPEED-Duplikator-Maschine" kostete 175 Mark.

Die folgende Rechnung aus dem Jahr 1928 läßt einige gehandelte Artikel von M. Erlebach Nachf. erkennen, darunter auch Esterbrook - Federn:

In der Papier-Zeitung wird 1931 geschrieben:

"M. Erlebach Nachf., Frankfurt (Main), Kaiserstr. 60, brachte eine kleine billige Prägehilfe (?) heraus, die mit auswechselbaren Buchstaben versehen ist und die Vornahme von Prägungen überall gestattet. Die gleiche Firma zeigte noch eine kleine Geheimschrifttabelle - den Jedermann's-Code"

1934 bot sie in der Zeitschrift Das Echo -Wochenzeitung für Politik, Literatur, Export und Import neben Verstärkungslochern auch Bleistiftspitzmaschinen an, allerdings ist unklar welche(s) Modell(e).

1935 heißt es in der gleichen Zeitschrift "Bleistiftspitzmaschinen Walzenfräser- und Flügelmessermaschinen 7 Modelle in allen Preislagen M. Erlebach Nachfolger FRANKFURT a. Main Kaiserstr. 60, Zur Leipziger Messe Jägerhof ..., Stand 227".

Das klingt sehr interessant, aber es bleibt völlig unklar, welche Modelle das sind. Vielleicht tritt Erlebach Nachf. hier als normaler Händler auf ohne Exklusivrechte an speziellen Modellen??

 

Bleistiftspitzmaschinen Quail, Quaillina und Quail Unica

Im März 1910 wird die Bleistiftspitzmaschine Quail im American Stationer als Neuheit erwähnt, siehe folgender Beitrag:

Es wird nicht sichtbar, ob es sich um eine Cuttermesser- oder Fräser-Spitzmaschine handelt. Es ist ein Gerätefuß zu erkennen. Der Preis (Einzelhandel-/Wierderverkaufspreis ?) betrug 5 US Dollar.

Für die USA kann somit der Verkaufsbeginn auf 1910 datiert werden.

Im Januar 1910 erschien im American Stationer folgende Notiz:

Die Frank A Weeks Manufacturing Co. ging 1909/1910 aus der A. A. Weeks Mfg. Co. hervor und war 93 John street in New York beheimatet, war wohl vorrangig ein Bürohandelshaus, speziell auch auf Tintenfässer spezialisiert. Es hat die Quail sicher nicht produziert.

Im April dann noch ein ähnlicher Beitrag:

November / Dezember 1910 wird nach bisherigem Kenntnisstand erstmals im deutschen Sprachraum für die Quail geworben, nämlich in der Salzburger Chronik für Stadt und Land:

Neben der Spitzmaschine wurde auch ein gleichnamiger Couvertöffner "Quail" von der Papiergroßhandlung Franz Hackenbuchner angeboten.

1911 wird er im Verkaufskatalog von Eugene Dietzgen in den USA wie folgt angeboten:

Hier handelt es sich zweifelsfrei um eine Scheibenfräsermaschine. Ein Fuß ist nicht vorhanden. Es gibt eine (Händler-) Beschriftung "E. D. CO", was für Eugene Dietzgen Company steht. Der Preis wird dort mit 7,50 Dollar angegeben, ein Ersatzfräser kostet 65 Cent.

Auch 1912 wird die Maschine im Dietzgen-Katalog angeboten, hier zwei Detailausschnitte der Abbildung:

Ein Hersteller wird in den Beiträgen nicht genannt. Die Bezeichnung Quail und auch das Logo mit dem Vogel, was wohl eine Wachtel symbolisieren soll, lässt aber auf Bezug zu den Brüdern Wachtel bzw. die M. Erlebach Nachf. schließen.

Im April 1911 erschien eine Anzeige in der Schreibmaschinen-Zeitung für diese Spitzmaschine in Deutschland:

Das ist der bisher älteste Hinweis auf einen Vertrieb in Deutschland. Die Maschine hat hier wieder einen Fuß. Unklar bleibt das Funktionsprinzip: mit Fräser oder Messer.

Im Mai 1913 in der gleichen Zeitung:

Um das Jahr 1912 bot auch die Firma Gebr. Wichmann (Berlin) eine solche Spitzmaschine unter eigenem Namen (wahrscheinlich nach dem Cuttermesserprinzip, mit Standfuß) an.

Im August 1922 inserierte die Leipziger Firma IDEA Maschinenfabrik in der Zeitung für Bürobedarf:

Rechts im Bild ist ein 6-schneidiger Messerstern für die Spitzmaschine Quail zu sehen.

Im gleichen Jahr 1922 ist auch eine schematische Abbildung einer Quail - Bleistiftspitzmaschine aus Deutschland bekannt, die zweifelsfrei ein Cuttermesser zeigt. Damit ist klar, daß zumindestens zu dieser Zeit die Spitzmaschine mit diesem Cuttermechanismus in Deutschland verkauft wurde.

In einem Fach-Adressbuch aus dem Jahr 1930 ist M. Erlebach Nachf. unter Bleistiftspitzmaschinen verzeichnet. Zu diesem Zeitpunkt war der Markenname Quail (auch für Spitzmaschinen) noch angemeldet. Parallel war auch die Anmeldung Quaillina für Bleistiftspitzmaschinen aktiv. Eine Spitzmaschine Quallina wurde tatsächlich verkauft, wahrscehinlich schon ab Ende der 20er Jahre. 1936 wurde in einem Bürokatalog diese Bleistiftspitzmaschine Quaillina angeboten:

Sie war eine Maschine mit Walzenfräser) die aber wohl selten verkauft wurde und kaum noch erhalten ist. Eine erhaltene Maschine zeigt neben der Beschriftung QUAILLINA und "ges. geschützt" auch das Wachtelsymbol. Es bleibt unklar, ob daraus geschlussfolgert werden kann, daß die Maschine nicht aus der Zeit nach 1938 stammt (als Oskar Wachtel wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Firma herausgedrängt wurde).

Es gab noch ein weiteres Modell mit Namen Quail Unica, was wohl der Quaillina sehr ähnelte. Das Wort Unica könnte einen Zusammenhang mit Italien andeuten (zumindest wird wohl auf die Bedeutung "einzigartig" / "beispiellos" angespielt).

 

Spitzmaschine FAFNIR von Eduard Heister

Mitte 1949 wirbt Heister in der Allgemeinen Papier-Rundschau für seine Bleistiftspitzmaschine FAFNIR:

Diese Annonce erschien nun über einen Zeitraum (mindestens auch 1950) regelmäßig in der Zeitung. Die Spitzmaschine wird mit "FAFNIR Nr. 3" bezeichnet, unklar ist, ob und wann es auch Nr. 1 und Nr. 2 gab. In der folgenden inhaltsgleichen Anzeige wird auch auf einen Stand auf der Frankfurter Messe verwiesen:

Später im Jahr 1950 wird dann in der Anzeige ein erniedrigter Preis von 15 DM angegeben, also mußte (?) er sie billiger machen.

Weder zum Produktionsbeginn noch zum Ende können bisher irgendwelche Angaben gemacht werden. Es handelte sich sicher um eine Fräserspitzmaschine, ein Bild eines noch erhaltenen Exemplars gibt es bisher nicht.

Heister hatte 1957 unter dem Namen Fafnir eine Markenanmeldung für einen FAFNIR-Anfeuchter, allerdings nicht für eine Spitzmaschine. Wie lange die Fafnir - Spitzmaschine hergestellt wurde ist nicht bekannt. Auch ist unklar, wie der Name zustande gekommen ist. Vielleicht ist sie nach Fafnir, einer Drachenfigur der nordischen Mythologie benannt. Die ist gemäß der isländischen Völsunga saga der Sohn des Zwergenkönigs Hreidmar.

 

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