Meindl / PGH Glashütte (Fram)

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen

 

Ich freue mich sehr über jeden Hinweis zu Franz Meindl oder der PGH Feinmechanik (siehe Kontakt). Gern können Sie auch etwas ins Gästebuch schreiben!

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Die Spitzmaschine Fram ist eine Besonderheit unter den Bleistiftspitzmaschinen. Es ist nämlich die vielleicht weltweit kleinste dieser Maschinen, wobei der Begriff "Maschine" für eine Vorrichtung mit einem Mechanismus steht, wo es wie bei den Bleistiftspitzern nicht nur darum geht, den Stift unmittelbar mit der Bewegung der Hand anzuspitzen, es also einen Mechanismus gibt.

Bisher war bekannt, dass die Maschine in der DDR in der PGH Feinmechanik Glashütte/Sachsen hergestellt wurde. Es war aber unklar, woher eigentlich der Name "Fram" kommt.

Eine Eintragung in einem Firmenadressbuch aus dem Jahr 1949 informiert darüber, dass ein gewisser Franz Meindl in Glashütte Bleistiftspitzmaschinen baut, aber welche sollten das sein? Schaut man sich den Namen genau an, kommt man darauf. Es handelt sich offensichtlich um die Fram als Kürzel des Namens Franz Meindl. Solche Kürzel hat es z. B. auch in Dresden für Spitzmaschinen gegeben, und zwar AGRA (Alfred Grahl) und JOWEI (Johann Weiß).

 

Franz Meindl - Wirken in Glashütte

Nach einer ungesicherten Information könnte Franz Meindl 1882 in Furth im Wald (also nicht im Wald, der Ort heißt eben so) geboren worden (und eventuell auch 1972 nach einem langen Leben gestorben) sein. Jedenfalls kam er 1907 von Furth im Wald (vorher war er eventuell auch in Göppingen) nach Glashütte in Sachsen, einem Zentrum der deutschen Uhrmacherindustrie.

Die Firma Robert Mühle & Sohn war ein bekanntes Unternehmen der Uhrmacherbranche in Glashütte. In den 20er Jahren wurde sie von den Söhnen Paul, Max und Alfred Mühle geführt. Vielleicht wohnte Meindl bei Paul Mühle.

Er gründete in Glashütte auch gleich in diesem Jahr einen Verein für Uhrmacher-Gehilfen, wie folgende Zeitungsmeldungen beweisen:

Lange war er da aber nicht Vorsitzender, wie folgende Info noch aus dem Jahr 1907 zeigt:

Im Jahr 1918 wurde er in den Aufsichtsrat der Deutsche Präzisionsuhrenfabrik Glashütte (Sachsen) e.G.m.b.H. gewählt (allerdings als einer von insgesamt 11 Personen). 1919 trat "Fabrikant Meindl" der Glashütter Ortsgruppe des Vereins zur Förderung der Taschenuhrenproduktion bei. 1920 wurde er in den Aufsichtsrat der Rohstoff-Einkaufsgenossenschaft Glashütter Industrieller e.G.m.b.H ("Regi") gewählt.

Am 19. Februar 1921 wurde für Franz Meindl ein "Steckkontakt" patentiert (Patentausgabe 11. Mai 1922).

Hier die Patentzeichnungen:

 

Aus dem Patent geht nicht hervor, wofür dieser Kontakt gedacht war. Es bleibt unklar, in welcher Weise die Patentanmeldung mit der Geschäftstätigkeit von Meindl verbunden war.

Ab 1923 war Meindl dann nach einer Funktion im Aufsichtsrat als Geschäftsführer der Glashütter Schreibmaschinen-Industrie Gmbh tätig, worüber folgende Zeitungsmeldungen informierten:

Der optimistische Ton der 2. Zeitungsmeldung war jedoch nur von kurzer Dauer. Die Gesellschaft kam durch Geldentwertung und Kapitalnot wie auch anderer Glashütter Firmen in Probleme. Die Idee der Schreibmaschinenherstellung war wohl auch nicht so gut angesichts der Konkurrenz und fehlender Tradition für dieses Produkt in Glashütte. Die Gesellschaft wurde dann im Oktober 1924 auf Beschluss der Generalversammlung aufgelöst.

Im Jahr 1925 wohnte er in Glashütte auf der Schulstraße 6, auch 1930 wohnte er noch dort.

Im Jahre 1931 wurde dann nochmal sein familiärer Bezug zu Furth i. Wald deutlich:

Vielleicht war sein Vater oder ein anderer naher Angehöriger, der dort ein Uhrmachergeschäft führte, verstorben.

Am 22. März 1932 wurde ein Gebrauchsmuster für einen Franz Xaver Meindl (Glashütte i. Sa) erteilt oder angemeldet mit folgendem Text:

"Röntgenkassette für Filme und Platten, dadurch gekennzeichnet, daß der federnde Riegel, welcher die Spannfeder des Deckels arretiert, auf dem Rahmen der Kassette angebracht und durch eine Feder in dauernder Verschlußstellung gehalten wird".

Es ist zu vermuten, dass es sich um den gleichen Meindl handelt, wobei er mit dem zweiten Vornamen Xaver etwas merkwürdigerweise nur in diesem Zusammenhang auftaucht.

Abgesehen von einer Notiz aus dem Jahr 1934 ist bekannt, daß er 1939 in Glashütte auf der Schlageterstr. 9 wohnte und zwar mit einer Hedwig Meindl (Stenotypistin), vielleicht seiner Frau oder auch Tochter.

In den Jahren 1948 und 1949 gibt es dann aber folgenden Eintrag in einem Adressbuch im Glashütter Teil:

"Meindl, Franz, elektro-medizinische Instr.-Fabrik, Schulstraße 9"

Was er dort genau für die Medizin hergestellt hat ist aber unbekannt, vielleicht etwas, was mit der oben geschützten Rötgenkassette o. ä. im Zusammenhang steht.

In der 1949er Ausgabe ist er dann wie oben bereits erwähnt auch unter "Bleistiftspitzmaschinen" aufgeführt.

Im Branchenbuch 1957/58 steht dann folgende Eintragung:

"Schneider Gerhard vorm. Franz Meindl Feinmechanik, Schulstraße 9"

Meindl hat also irgendwann in den 50er Jahren seine Firma übergeben, wahrscheinlich einfach aus Altersgründen, vielleicht auch, weil er wieder in seine ursprüngliche Heimat zurück gegangen ist.

 

Die Taschenspitzmaschine Fram von Franz Meindl

Nun zu der Taschenspitzmaschine, welche ihm zuzuordnen ist. Eine entscheidende Info gibt ein deutsches Gebrauchsmuster, welches unter dem Titel "Bleistiftspitzmaschine mit Sternmesser" am 29.06.1950 eingetragen worden ist. Er hatte es unter der bereits genannten Adresse Schulstr. 9 / Glashütte (Sachs.) bereits mit Post vom 27. Februar 1948 eingereicht und es war wohl schon ab dem 19. Februar 1949 gültig.

Im Folgenden die sehr anschaulichen Zeichnungen aus dem Gebrauchsmuster:

 

Die folgenden Abbildungen zeigen nun die von Meindl tatsächlich hergestellte Spitzmaschine Fram:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es handelt sich um ein kleines schwarzes Modell aus bakelitartigem Material, welches aufklappbar ist. Innen wird dann ein 5schneidiges Messer sichtbar. Das ist eine Rarität, denn alle anderen weltweit bekannten Messer von Bleistiftspitzmaschinen haben meist 6, vorher auch 3 Schneiden oder im Dresdner Raum auch ausnahmsweise 8 Schneiden. Das abgebildete Exemplar besitzt einen geriffelten Plastikgriff. Es gab aber auch Ausführungen mit einem glatten Plastik- und einem Holzgriff. Es wiegt 42 g. Der Innenraum lässt nur etwas Platz für abgeschnittenes Bleistiftmaterial.

Ein Vergleich mit den Zeichnungen aus dem Gebrauchsmuster zeigt, dass es sich exakt um die dort beschriebene Maschine handelt. Beim Drehen der Kurbel bewegt sich das Messer und dreht dann auch durch verschieben des im Bild sichtbaren Zahnrades den Bleistift weiter, so dass dieser allseitig angespitzt wird.

Bei dem abgebildeten Exemplar ist der Kurbelgriff in Material und Form exakt der gleiche, wie bei der unten beschriebenen Maschine aus der späteren PGH-Zeit, so dass vermutet werden kann, dass dieses Exemplar eher aus den späteren 50er Jahren stammt.

Aus den Datumsangaben im Gebrauchsmuster kann man folgern, dass diese eckige Taschen-Bleistiftspitzmaschine ab etwa 1949 gebaut wurde. Möglicherweise hat der oben erwähnte Gerhard Schneider, der Meindls Betrieb spätestens 1957 übernahm, die Fertigung weitergeführt.

Bei manchen Maschinen ist auch noch der Verkaufskarton erhalten. Hier lassen die Eintragungen auf eine Fertigung auch nach 1960 schließen.

 

Vorgänger Spitzhase von Paul Voigt

Die Fram hatte einen (zumindestens gedanklichen) Vorgänger. Es handelt sich um die Taschenspitzmaschine Spitzhase (bzw. eigentlich genauer Spitz-Hase), die zumindest um das Jahr 1930 von Paul Voigt in Dresden hergestellt wurde. Dies folgt aus einer Annonce in einer Bürofachzeitschrift, die hier nicht wiedergegeben werden kann. Außerdem ist Paul Voigt in einem 1930er Fach-Adressbuch unter Bleistiftspitzmaschinen notiert und war in diesem Jahr Inhaber einer Marke Spitz-Hase für diese Maschinen. In Dresdner Adressbüchern kann ein Paul Rud. (Rudolf ?) Voigt unter der in der Anzeige angegebenen Adresse Arnoldstraße identifiziert werden. Er war kaufmännischer Angestellter / Kaufmann und wohnte zwischen 1929 und 1932 auf der Arnoldstr. 15 in Dresden. In den Adressbüchern ist sein Name dann 1933 unter Marschallstr. 10, in den Jahren 1934 bis 1936 unter Uhlandstr. 24 und von 1937 bis 1940 unter Reichenbachstr. 49 zu finden. In der genannten Anzeige ist von einer "Firma Paul Voigt" und von Auslieferungslagern/Vertetern in Hamburg, Frankfurt/Main sowie Berlin die Rede. Allerdings konnte bisher eine entsprechende Firma, in der die Maschinen hergestellt wurden, nicht ausgemacht werden, weder im Firmenteil in Dresdner Adressbüchern, noch in Branchenbüchern. Wahrscheinlich war das nur eine kleine, private Aktivität. Es haben nur wenige dieser Taschenspitzmaschinen überdauert. Hier können aber einige Bilder gezeigt werden, die mir von einem Privatsammler zur Verfügung gestellt worden sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man sieht die sehr große Ähnlichkeit zur jüngeren Fram. Es gibt wie bei der Fram einen aufklappbaren Deckel. Das Gehäuse des Spitz-Hasen ist jedoch aus Aluminium, der Deckel aus Stahlblech. Es ist ein verblasstes Emblem mit dem Schriftzug "Spitz-Hase" und einem abgebildeten Häschen zu sehen. Auf der Seite des Deckels ist "D.R.P." eingraviert. Auch die oben genannte Anzeige erwähnt das Patent, allerdings konnte dieses trotz intensiver Suche nicht gefunden werden. Das Messer hat nur 4 Schneiden, nicht 5 wie bei der Fram.

Eine weitere Maschine des Typs Spitzhase, die im Besitz des oben genannten Sammlers ist, ist im Folgenden abgebildet:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Maschine ist sehr wahrscheinlich jünger, als die zuvor dargestellte. Der Kurbelgriff ist wieder aus rot gestrichenem Holz. Sie hat immer noch einen Stahlblech-Klappdeckel, aber nun ein Kunststoffgehäuse (Bakelit ?). Die Bezeichnung "Spitz-Hase", die Häschen-Zeichnung sowie "D.R.G.M. Made i. Germany" sind nun eingraviert. "D.R.G.M." steht für Deutsches Reichs-Gebrauchsmuster. Allerdings ist keine solche Gebrauchsmusteranmeldung bekannt.

 

Nachfolger Fram-Modell der PGH Feinmechanik Glashütte

Nun aber wieder zurück zur Fram. Wahrscheinlich brachte Gerhard Schneider seine Firma Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre in eine PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) ein. Denn es gab ein Nachfolgemodell, was nach wie vor Fram hieß und in der PGH Feinmechanik Glashütte hergestellt wurde.

Von dieser Firma wissen wir bisher wenig. Die DDR-weit erste PGH wurde 1952 gegründet. Die meisten PGHs wurden aber erst nach 1958 gegründet. Ab diesem Jahr wurden diese nämlich zunächst von Steuerzahlungen befreit, während die Steuern für das private Handwerk erhöht wurden. Die PGH Feinmechanik Glashütte wird also wahrscheinlich um das Jahr 1960 gegründet worden sein. Im 1962er Telefonbuch steht sie bereits wie folgt verzeichnet:

- Verwaltung und Fertigungsstätte Luchau

- Cunnersdorf

- Schulstraße 9 (in Glashütte) - frühere Adresse von Meindl und Schneider

Etwa 10 Jahre später in einem Branchenbuch von 1971 ist sie mit Schulstraße 9 (Verwaltung) eingetragen, in diesem Jahr gab es die Firma also auch noch. Auch heute ist auf der Schulstraße 9 in Glashütte ein Feinmechnik-Unternehmen ansässig und zwar die Feinmechanik Glashütte GmbH.

In den 50er Jahren war in Glashütte eine große Zahl kleiner privater Feinmechanikfirmen tätig, die dann in verschiedenen PGHs aufgingen. So gab es auch eine PGH des Feinmechanikerhandwerkes Glashütte, wobei es sich dabei offensichtlich um eine andere, größere PGH handelte. Schließich gab es auch eine ELG Feinmechanikerhandwerk Glashütte, wobei ELG für Einkaufs- und Liefergenossenschaft steht. Diese Firma stellte eine Signalnebenuhr her oder verkaufte sie zumindestens.

Nun zu der Bleistiftspitzmaschine der PGH. Es handelt sich um eine runde Vorrichtung mit dem analogen Mechanismus der eckigen Form. Wieder bewegt das sich drehende 5teilige Sternmesser auch den Mechanismus, der den Bleistift während des Spitzens weiter dreht. Anders als die eckige Maschine aus der privaten Firma von Meindl wurde diese nun in einem kleinen Karton ausgeliefert mit einer informativen Beschriftung.

Im Folgenden wird eine dieser Bleistiftspitzvorrichtungen und der Verpackungskarton im Bild vorgestellt. Sie wiegt 38 g, ist damit etwas leichter, als die eckige Form. Dies liegt vor allem daran, dass der Bakelitkörper hohl ausgeführt ist, so dass abgeschnittene Späne auch in den Raum unterhalb des Messers fallen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Maschine ist anders als die eckige Form mit einem Plastikschraubdeckel verschlossen. Auf diesem befindet sich ein Logoaufkleber, der hier aber praktisch vorllständig entfernt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun noch der kleine Verpackungskarton:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Schild ist mit dem Hersteller und der Bezeichnung "Taschen-Spitzmaschine "Fram"" beschriftet. Die Artikel-Nummer ist 833/14, wobei wir nicht wissen, welches Artikelsystem dahinter steckt.

Als Verkaufspreis ist ein EVP von 6,20 DM aufgedruckt. In dem rechteckigen Feld, indem eigentlich Monat/Jahr der Herstellung handschriftlich mit Bleistift eingetragen ist, ist hier ein reduzierter Preis von 4 DM vermerkt.

Nun noch ein anderes Exemplar einer solchen Spitzmaschine mit Behälter:

Die Maschine hat einen andersfarbigen Deckel wie die oben abgebildete. der Griff ist wieder gelblich, es gab ihn aber auch in neonfarbenem Grün.

Auf dem Verpackungskarton kann man die handschriftliche Eintragung "1964" noch erkennen. Verwendet wurde eine andere Schriftart / eine kursive Schreibweise. Auch unterscheidet sich die untenstehende Nummer auf der Verpackung. Die Abbildung (?) auf dem grünen Teil der Verpackung kann ich nicht deuten.

Bisher sind mir Verpackungen mit Datumeintragungen aus den Jahren 1962 bis 1965 bekannt.

 

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Anfänge bis 1850

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Die Taschenspitzmaschine Fram von Franz Meindl und der PGH Feinmechanik Glashütte