M & R Zocher (Potz-Blitz)

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen

 

Die Geschichte der Dresdner Firma M & R Zocher und deren Bleistiftspitzer

Die Firma M & R Zocher war ein in früheren Zeiten bekanntes Bürohandelshaus in Dresden.

Die von der Firma vekauften Bleistiftspitzvorrichtungen stellen nur einen ganz kleinen, völlig unbedeutenden Teil der Geschäftstätigkeit dar. Trotzdem soll diese Traditionsfirma hier kurz vorgestellt werden.

Ich freue mich sehr über jeden Hinweis zu dieser Firma, ihren Produkten/Aktivitäten oder Personen, die in dieser gearbeitet haben (siehe Kontakt). Gern können Sie auch etwas ins Gästebuch schreiben!

zur Übersicht über die Geschichte des Bleistiftspitzens

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Die Firma M & R Zocher

Die Firma M & R Zocher wurde 1880 als Papierhandlung gegründet.

Eigentümer waren die Brüder Max Woldemar und Rudolf Alexander Zocher. Die Eltern der beiden waren Friedrich Traugott Zocher und seine Frau Juliane Auguste, geb. Kießling, die am 10. November 1850 geheiratet hatten. Die Familie stammte wahrscheinlich aus Dresden, Friedrich Traugott Zocher wurde wohl 1818 in Dresden getauft.

Max Woldemar Zocher war am 8. Mai 1854 geboren worden. Er starb jedoch schon am 24. Dezember (also Heligabend !) 1880.

Dann leitete also nur noch Rudolf Zocher die Firma. Er war am 6. Januar 1857 geboren worden.

Es gab noch einen älteren Bruder, nämlich Friedrich Gustav Ferdinand Zocher, der bereits am 27. Januar 1853 geboren war, jedoch auch schon mit 41 Jahren in Plauen b. Dresden am 2. Februar 1894 gestorben ist.

Die Firma M & R Zocher war zunächst in Dresden auf der Annenstraße 1b (Nähe Ecke Am See) im Erdgeschoss ansässig, während die Brüder zur Gründungszeit im Dorf Plauen bei Dresden wohnten.

Hier ein Ausschnitt aus einer Festschrift aus dem Jahr 1930 zum 50jährigen bestehen der Firma:

"Die Dresdner Bürger, die um 1880 die bekannte Gaststätte "Zum goldenen Ring" besuchten, gingen an dem bescheidenen Hause Annenstraße 3 vorbei, daß in den 90er Jahren infolge des Neubaus der jetzigen Oberpostdirektion abgebrochen worden ist.

In jenem Hause eröffnete am 15. November 1880 der damals 23jährige Sohn des Ratszimmermeisters Zocher, Alexander Rudolf gemeinsam mit seinem bald darnach gestorbenen Bruder Max eine Handlung für Papierwaren unter der Firma M & R Zocher.

In strenger Lehre der seinerzeitigen Papierhandlung Petzold am Pirnaischen Platz zum praktischen Fachmann erzogen und in der heute noch bestehenden Görlitzer Papierfirma Neumann weiter herangebildet, bewährte sich der junge Inhaber nunmehr als selbständiger Geschäftsmann und brachte durch emsige Arbeit sein zunächst sehr kleines rasch vorwärts. Eine wertvolle Stütze seines Schaffens fand er in seiner Gattin Irma geb Heimbach, der Tochter des Inhabers der Papierhandlung Stein in der Moritzstraße."

Im Gründungsjahr 1880 sah die Straße an der Stelle des Handelshauses wie folgt aus:

1883 wird die Adresse mit Annenstraße 3 angegeben, Zocher ist der Hausinhaber. Es handelt sich aber wohl um das gleiche Haus (1b gab es nicht mehr). Im Erdgeschoss ist neben Zocher auch noch die Firma Emil Heinicke beheimatet. Rudolf Zocher wohnte noch in Plauen b. Dresden. Im Folgejahr taucht dann im ersten Stock eine Zimmermeisterswitwe Zocher, offensichtlich seine Mutter, als Bewohnerin auf. Die Eltern wohnten wahrscheinlich früher auf der Freibergerstraße 8, aber der Vater starb möglicherweise schon um 1874.

Am 2. November 1885 heiratete Rudolf Zocher Frau Irma Henriette, geb.Heimbach ( geb. 28. April 1866), die Ehefrau wurde schon in obigem Text erwähnt.

Folgender Rechnungskopf aus dem Jahr 1897 gibt einige Informationen über die Firma Zocher:

Die Firma bezeichnet sich nun als "Papierwarenfabrik - Buchdruckerei - Lithgraphie - Papierhandlung".

Die Adresse des Verkaufshauses wird hier mit Annenstr. 9 angegeben. Die Fabrik und Papier-Grosso-Handlung war auf der Dippoldiswaldergasse 6 / Gr. Plauenschestr. 21 (Objekte waren durch einen gemeinsamen Hof miteinander verbunden).

Im Jahr 1898 wurde ein wohl recht erfolgreicher Fahrplan herausgebracht und zwar der sog. "Blitz-Fahrplan".

Das folgende Foto von etwa 1905 zeigt die neu gebaute Oberpostdirektion und ganz rechts das Haus mit dem Zocher-Geschäft im Erdgeschoss.

 

Aus dem Jahr 1918 stammt folgender Ausschnitt einer Quittung:

Anfang 1919 wurde in der Schreibmaschinen-Zeitung folgendes berichtet:

"Herr Rudolf Alexander Zocher ist infolge Ablebens ausgeschieden. Das Handelsgeschäft und die Firma haben durch Erbgang erworben: die Kaufmannswitwe Irma Henriette Zocher, geb. Heimbach, und die Ehefrau Auguste Maria Camilla Charlotte Seifert, geb. Zocher, beide Dresden. Die hierdurch begründete offene Handelsgesellschaft hat am 14. Oktober 1918 begonnen. Die Prokure der Irma Henriette verw. Zocher, geb. Heimbach, ist erloschen".

1919 wird in der Schreibmaschinen-Zeitung außerdem notiert:

Später - vielleicht 1930 - sah das Geschäft wie folgt aus:

Aus dem Jahr 1936 stammt folgender Ausschnitt aus einer Rechnung:

Nun war das Ladengeschäft und die Büromöbel- und Maschinen-Abteilung auf der Wilsdruffer Str. 24 (und 26) ansässig, die Fabrik auf der Dippoldiswaldaer Gasse 6 existierte noch. In Zittau gab es eine Filiale auf der Bahnhofstr. 9.

Für die Firma Zocher war sicher die vertretung der Schreibmaschinenmarke Mercedes von großer Bedeutung. Hier eine Dokument aus dem Jahr 1933, wo auch eine Frankiermaschine "Frankotyp" beworben wird:

Hier ein Foto eines Rechners, der bei Zocher im Verkaufshaus Wilsdruffer Str. 24 verkauft wurde:

Die folgende Blechdose von Pelikan wurde dagegen in der Ziliale in Zittau verkauft:

Spitzmaschinen / Anspitzer der Firma

Im Jahr 1908 meldete M & R Zocher ein Patent beim Reichspatentamt mit dem Titel "Vorrichtung zum Anschärfen von Schreib- und Zeichenstiften mit drehbarer Messerscheibe" an, was am 15. Juni 1907 erteilt und am 3. April 1908 schließlich veröffentlicht wurde. Im Folgenden zunächst Ausschnitte zum Stand der Technik und zum Prinzip des patentierten Gerätes:

potz Blitz Zocher Patent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun die Patentabbildungen:

Potz Blitz Patent Zeichnung

Potz Blitz Bleistiftspitzmaschine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Firma hat tatsächlich eine entsprechende Spitzmaschine nach dem Patent gebaut und verkauft und zwar unter dem Namen "Potz-Blitz". Der Name ist wohl auch inspiriert von dem schon genannten Blitz-Fahrplan, der im Unterschied zur Spitzmaschine große Verbreitung fand.

Der älteste Beweis für einen Vertrieb der Spitzvorrichtung kann aus der Lehrmittelwarte (Beiblatt zur Sächsischen Schulzeitung) vom Dezember 1908 entnommen werden.

Hier wird neben dem Potz-Blitz auch ein "Bleistifthobel" erwähnt, der nur 0,25 Mark kostete und von dem außer dieser Erwähnung nichts bekannt ist.

Nach einer Anzeige aus dem Jahr 1909 besaß der Potz-Blitz eine auswechselbare Messerscheibe mit "29 Messern" und wurde mit einem Späneauffangbehälter und wahrscheinlich auch einer Tischhalterung geliefert.

Im Jahr 1910 wird dann in der Lehrmittelwarte (Beiblatt zur Sächsischen Schulzeitung) geschrieben:

Wir erfahren, dass die Spitzmaschine für 7,50 Mark angeboten wurde. Der Hinweis im Text, dass sie um fast die Hälfte billiger ist bezieht sich auf die unter a) ebenso thematisierte Bleistiftspitzmaschine Avanti, die damals 12 Mark kostete und auch gerade erst wahrscheinlich seit 1909 auf dem Markt war. Im Text ist etwas kritisch bemerkt, dass die Potz-Blitz "ungedeckte" Messer hat und man deshalb aufpassen muss.

Tatsächlich scheint die Maschine kein Verkaufserfolg geworden zu sein, sie wurde wohl nicht lange produziert.

Abbildungen der genannten Spitzvorrichtungen können zur Zeit noch nicht gezeigt werden.

 

 

Andere Bereiche dieser Seite über das Bleistiftspitzen:

Übersicht / Einführung

Anfänge bis 1850

Zeit von 1851 bis 1860

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