M Erlebach Nachf (Quail, Quaillina)

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen


Die Geschichte der Firma M. Erlebach Nachf. (Frankfurt / Main) und deren Spitzmaschinen

Die Firma M. Erlebach Nachfolger  -  Aus dem Leben der Gebrüder Arthur und Oskar Wachtel   update: 19.01.21

M. Erlebach Nachfolger war eine Firma, die schwerpunktmäßig Produkte aus den USA importiert und in verschiedenen europäischen Ländern verkauft hat, insbesondere in Deutschland und zwar vor allem Schreibwaren / Büroartikel. In späteren Jahren ist sie dann vielleicht auch selbst als Hersteller aktiv gewesen. 

Einiges über die Vorgängerfirma M. Erlebach, die Max Erlebach gehörte, ist auf einer separaten Seite zusammengestellt.

Wahrscheinlich 1896 oder schon etwas eher übergibt der Inhaber sein Geschäft an Louis Wachtelt:

Hier eine Notiz aus einer amerikanischen Zeitung von 1896:

Im The American Stationer wurde im Juli 1896 wie folgt geschrieben:

Dem Text kann man entnehmen, dass die Firma bereits mehr als 20 Jahre tätig ist (das wäre also mindestens seit 1876) und sie die erste war, die Büroartikel (z. B. Füllfederhalter und auch Schreibmaschinen) aus Amerika importiert hat.

Die Geschichte der Firma M. Erlebach Nachf. ist eng verbunden mit der Familie Wachtel, insbesondere mit den Brüdern Martin Oskar (auch Oscar) und dem oben schon in den Texten genannten Arthur Wachtel. Die Familiengeschichte wird auf einer separaten Seite behandelt.

Im Jahr 1897 befindet sich die Firma Rossmarkt 23 in Frankfurt/Main, während der frühere Eigentümer Max Erlebach Beethovenstr, 66 wohnt:

Im Reichs-Branchenadressbuch von 1934 ist eingetragen:

Unter Bürobedarf findet sich 1934 aber auch noch Arthur Wachtel, immer noch Pfingstwaldstr. 10. Danach verschwindet er aus den Frankfurter Adressbüchern. Wahrscheinlich ist er anders als sein Zwillingsbruder aus verständlichen Gründen wieder nach Amerika übergesiedelt. Im Jahr 1940 taucht er als Untermieter in New York auf der West 87 Street auf. Er wohnte da zusammen mit seiner Frau Fanny Wachtel und einer ganzen Reihe anderer Personen.

1897 wird in The American Stationer notiert:

"He Wants American Novelties

Oscar Wachtel, of M. Erlebach Nach, Frankfort-on-Main, Germany, arrived here on the Lahn (?). He is in search of American novelties, and sellers will find him at 20 Vesey street between the hours of 8 and 10 o'clock in the morning. In speaking of American goods in Germany he said : " We have been established for over twenty years, are widely and favorably known, and have special facilities for handling American goods, of which we make a specialty".

Im Pester Lloyd wurde 1898 folgende Annonce veröffentlicht:

Im American trade index ist 1901/1902 notiert:

Die Firma vertrat also die amerikanische Dennison Manufacturing Company.

1901 erschien in der New York Times folgender Text:


Wie bereits oben genannt war M. Erlebach Nachf. in Deutschland und wohl auch in einigen anderen europäischen Ländern Vertreter für die amerikanische Firma Esterbrook, insbesondere wurden die Stahlfedern der Firma vertrieben.

Im folgenden Text von 1905 wird M. Erlebach Nachfolger als einer dieser Vertreter von Esterbrook genannt:

Am 15. Juli 1905 erhielt M. Erlebach Nachf. ein Warenzeichen für das Wort ERASIT in Großdruckbuchstaben zur Unterscheidung für Materialien zum Schreiben, Zeichnen und Malen. Damit sind Farben und Tuschen gemeint. Die Markenanmeldung erfolgte auch in Deutschland.

1906 wird im American Stationer geschrieben:

1907 wird im American Stationer geschrieben:

"Oscar Wachtel, representing M. Erlebach Nachfolger, Frankfort-on-Main, Germany, is in New York on his annual buying trip. He is busy greeting all his old friends and make new ones."

Im American trade index für die Jahre 1908 bis mindestens 1910 wird M. Erlebach Nachf. als Vertreter von The Esterbrook Steel Pen Manufacturing Company aus New York genannt:

Im Folgenden zwei undatierte Werbemarken der Firma für Esterbrook-Stahlfedern.

1908 ist in der Büroartikelzeitschrift  Geyer´s Stationer notiert:

Neben Esterbrook wird auch die American Lead Pencil Company und die bereits oben erwähnte Dennison Manufacturing Company vertreten.

1910 in American Stationer:

"Mr. Wachtel solicits other calls of manufacturers who are making novelties appertaining to office appliances. The firm of M. Erlebach have been in existence over forty years, and among the firms they are representing now are the Esterbrook Steel Pen Mfg. Company, the American Lead Pencil Company, the Diamond Mills Paper Company, and many others. They would like to make arrangements with other houses who wish to be represented in Europe, as they solicit the trade all over the continent."

Interessant ist auch folgender Brief aus dem Jahr 1910.

In Walden´s Stationer and Printer findet sich 1911 folgende Notiz:

"A M. Erlebach Nachfogel, Frankfort-on-the-Main, Germany, would like to hear from American manufacturers of office supplies with the object of representing them in that country. The firm already handles a number of American lines."

Die Waren wurden von M. Erlebach Nachfolger teilweise unter dem Namen Quail und mit einem Vogel-Logo angeboten:

Quail ist Englisch und heißt auf Deutsch nichts anderes als Wachtel, also wie der Familienname der Inhaber! Dies mag aus Sicht der Familie ganz witzig gewesen sein, war aber vielleicht im deutschen Sprachraum kein besonders origineller Name.

Im Jahr 1911 erhielt M. Erlebach Nachf. für ganz verschiedene Waren ein Warenzeichen für das Wort "Quail" (Herkunft siehe vor)in Italien:

Übersetzt heißt das in etwa:

"Das Wort Wachtel zwischen zwei Anführungszeichen  - Warenzeichen zur Unterscheidung vion Stiften, Bleistiften, Titenfässern, Stahl- und Goldfedern, Schreibmaschinenbändern, Büroklammern, Haken, Nummerierungsmaschinen, Stempeln, Kleinteile aus Seide oder Seidenpapier, Parfümerien, Seifen, Nagelpflegewerkzeugen, Toilettenpapier". Es wird darauf hingewiesen, dass die Anmeldung für diese Waren auch schon in Deutschland erfolgte, also wahrscheinlich 1910/11. Etwas merkwürdig ist, dass Bleistiftspitzmaschinen nicht erwähnt sind. Merkwürdig ist auch, dass heute praktisch keine Artikel der Firma mehr erhalten zu sein scheinen. Viel wurde wohl nicht verkauft, vielleicht waren die Sachen aber auch nicht so beschriftet, daß sie zugeordnet werden können.

1912 wird in Geyer´s Stationer berichtet:

Die folgende Paketkarte (?) beweist die geschäftlichen Verbindungen von M. Erlebach Nachfolger in die Schweiz und stammt aus dem Jahr 1913:

Im April 1913 in der Schreibmaschinen-Zeitung:

Beworben wird hier ein Füllfederhalter "Quail", als "Sicherheitshalter" bezeichnet und aus Amerika importiert und zwar in den Varianten Ideal, Domino, Patriot, Middle Joint und Pocket Safety.

Im Juli 1913 erschien in der Schreibmaschinen-Zeitung folgende Annonce für eine "Ösenmaschine":

Es handelt sich dabei um eine Heftmaschine. Die Beschriftung auf der Maschine ist in der Anzeige nicht gut lesbar. Es steht Nr. 3 da und in der Mitte eventuell "ELBE".

Im März 1914 erschien in der Schreibmaschinen-Zeitung eine Annonce für eine Heftmaschine namens Quail:

Am Mai 1914 meldete M. Erlebach (Nachf.)  ein Warenzeichen "Quaillina" an, was ab 11. Juli 1914 für Füllfederhalter galt:

Im Juni 1914 erschien in der gleichen Zeitung die Anzeige für ein neues Radiermesser:

Im April 1915 wurde in der Schreibmaschinen-Zeitung folgende Anzeige gedruckt:

Die "ROTOSPEED-Duplikator-Maschine" kostete 175 Mark.

Eine weitere Postkarte in die Schweiz von 1916:

Schließlich noch eine Paketkarte von 1919:

Im Jahr 1919 erschien folgende Anzeige in der Wochenzeitschrift Das Echo:

Im Folgenden ein kurzer Ausschnitt aus Office Appliances; The Magazine of Office Equipment (1920):

"Arthur Wachtel of M Erlebach Nachfolger of Frankfort-on-the-Main, Gemany, is now in the United States. He is making his headquerters with the Esterbrook Steel Pen Manufacturing Company at 99, John street, New York, N. Y. Mr. Wachtel is a twin brother of Oscar Wachtel with whom he is associated i the business referred to. The Wachtel brothers have represented the Esterbrook Company for the last twenty years."

Die folgende Rechnung aus dem Jahr 1928 läßt einige gehandelte Artikel von M. Erlebach Nachf. erkennen, darunter auch Esterbrook-Federn:

Im Jahr 1931 erschien folgender Artikel in der Papier-Zeitung anläßlich des 60. Geburtstages von Oskar Wachtel:

"Am 23. Februar beging Herr Oskar Wachtel, Seniorchef der Firma M. Erlebach Nachf., Frankfurt a. M., Büroartikel- und Füllhalter-Fabrikation, seinen 60. Geburtstag. Vor 37 Jahren, nach seiner Rückkehr aus Amerika, führte er die ersten Füllhalter ein und richtete später — bahnbrechend darin — die eigene Erzeugung dieses jetzt allgemein...Ganz befonders zeichnen sich unter den von ihr gebauten Maschinen die Heft- und Bleistiftspitzmaschinen der Schutzmarke „Quail" aus. — Somit darf wohl Herr Oskar Wachtel als einer der Pioniere des Faches angesehen werden, denn noch bei seiner Rückkehr aus USA war man in der Büroorganisation weit im Rückstand. Wie damals verlieht es seine Firma immer wieder durch Neuheiten den Bürobedarfsmarkt zu beleben. Der Jubilar ist u. a. durch seine ...(?) dem größten Teil der Fabrikanten und Händler des Faches bekannt; möge noch eine Reihe erfolgreicher Jahre ihm bei guter Gesundheit beschieden sein."

Der Wunsch im letzten Satz ging leider ganz und gar nicht in Erfüllung. Mit dem Erstarken und schließlich der Machtergreifung der Nazis bekam Oskar Wachtel zunehmend Probleme. Wie in vielen anderen Fällen wurde er schließlich aus der Firma heraus gedrängt und zwar durch einen seiner eigenen Angestellten namens Eduard Heister.

Dazu hier folgender Text:

"Etwas anders verlief die Entwicklung bei der Firma M. Erlebach Nachf., die von dem jüdischen Kaufmann Oskar Wachtel geführt wurde und mit Büroartikeln aller Art handelte. Um 1903 hatte der Kaufmann Eduard Heister in dem Unternehmen seine Ausbildung abgeschlossen. Als die Firma Erlebach im Verlauf der 1920er Jahre in Schwierigkeiten geriet, trat Heister 1927 zunächst als stiller Gesellschafter in das Unternehmen ein und erhielt eine Gewinnbeteiligung von 33 Prozent. 1930 wurde das Unternehmen in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt, an der sich Heister als Gesellschafter beteiligte. Während der ersten Jahre der NS-Herrschaft entwickelte sich das Unternehmen positiv. 1936 erhielt Heister eine stärkere Stellung, indem seine Gewinnbeteiligung auf 40 Prozent stieg. Bereits zu dieser Zeit schlug er Oskar Wachtel vor, aus dem Unternehmen auszuscheiden, was dieser aber ablehnte. Erst im Mai 1938 wurde er zum Ausscheiden gezwungen, als sich der Gauwirtschaftsberater des Falles annahm und auf eine Trennung drängte. Eduard Heister machte keine Anstalten, dem langjährigen Inhaber ein angemessenes Entgelt für seine Gesellschaftsanteile zukommen zu lassen, sondern beauftragte einen parteinahen Sachverständigen, der den ursprünglich ins Auge gefassten Betrag von 55.000 RM auf nur noch gut 30.000 RM reduzierte. Vom Lehrling hatte es Heister damit in einer Reihe von Zwischenschritten zum Alleininhaber des Unternehmens gebracht und den jüdischen Vorinhaber verdrängt."

Quelle: Benno Nietzel. Handeln und Überleben: Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main (2012)

Die Firma hatte auch in Berlin geschäftliche Aktivitäten. So ist sie 1939 (also bereits unter Leitung von Eduard Heister) im Berliner Adressbuch auf der Ritterstr. 69 mit "Auslieferung" eingetragen.

Die Firma hatte auch eine (wahrscheinlich) produzierende Niederlassung in Berlin. 1941 gibt es im Berliner Adressbuch einen Eintrag "Erlebach Nachf.., SW68, Alte Jakobstr. 14"

In der Papier-Zeitung wird 1931 geschrieben:

"M. Erlebach Nachf., Frankfurt (Main), Kaiserstr. 60, brachte eine kleine billige Prägehilfe (?) heraus, die mit auswechselbaren Buchstaben versehen ist und die Vornahme von Prägungen überall gestattet. Die gleiche Firma zeigte noch eine kleine Geheimschrifttabelle - den Jedermann's-Code"

1934 bot sie in der Zeitschrift Das Echo -Wochenzeitung für Politik, Literatur, Export und Import neben Verstärkungslochern auch Bleistiftspitzmaschinen an, allerdings ist unklar welche(s) Modell(e).

1935 heißt es in der gleichen Zeitschrift "Bleistiftspitzmaschinen Walzenfräser- und Flügelmessermaschinen 7 Modelle in allen Preislagen M. Erlebach Nachfolger FRANKFURT a. Main Kaiserstr. 60, Zur Leipziger Messe Jägerhof ..., Stand 227".

Das klingt sehr interessant, aber es bleibt völlig unklar, welche Modelle das sind. Vielleicht tritt Erlebach Nachf. hier als normaler Händler auf ohne Exklusivrechte an speziellen Modellen??


Bleistiftspitzmaschinen Quail und Quaillina

Im März 1910 wird die Bleistiftspitzmaschine Quail im American Stationer als Neuheit erwähnt, siehe folgender Beitrag:

Für die USA kann somit der Verkaufsbeginn auf 1910 datiert werden.

Im Januar 1910 erschien im American Stationer folgende Notiz:

Die Frank A Weeks Manufacturing Co. ging 1909/1910 aus der A. A. Weeks Mfg. Co. hervor und war 93 John street in New York beheimatet. war wohl vorrangig ein Bürohandelshaus, speziell auch auf Tintenfässer spezialisiert. Es hat die Quail sicher nicht produziert.

Im April dann noch ein ähnlicher Beitrag:

November / Dezember 1910 wird nach bisherigem Kenntnisstand erstmals im deutschen Sprachraum für die Quail geworben, nämlich in der Salzburger Chronik für Stadt und Land:

Neben der Spitzmaschine wurde auch ein gleichnamiger Couvertöffner von der Papiergroßhandlung Franz Hackenbuchner (Inhaber ) angeboten.

Im April 1911 erschien eine Anzeige in der Schreibmaschinen-Zeitung für diese Spitzmaschine in Deutschland:

1911 wird er im Verkaufskatalog von Eugene Dietzgen in den USA wie folgt angeboten:

Auch 1912 wird die Maschine im Dietzgen-Katalog angeboten, hier zwei Detailausschnitte der Abbildung:

Ein Hersteller wird in den Beiträgen nicht genannt. Die Bezeichnung Quail und auch das Logo mit dem Vogel (siehe Wachtel-Logo oben) lässt aber auf Bezug zu den Brüdern Wachtel bzw. die M. Erlebach Nachf. schließen.

Im Jahr 1912 tauchte eine  Maschine wie die Quail in einem Verkaufskatalog der Firma Gebr. Wichmann auf. Das war eine alteingessesene Geschäft in Berlin, "Spezialgeschäft für Zeichenmaterialien und Vermessungsinstrumente, Fabrik feinster Reisszeuge, Werkstatt für Feinmechanik (Inhaber Emil Wichmann)", bereits 1873 gegründet. Die Maschine ist eindeutig eine Quail mit Messerstern, trägt aber die Aufschrift "Gebr. Wichmann Berlin". beschäftigte sich in den 20er Jahren zunehmend mehr mit Zeichen- und Messtechnik, wie folgende Katalogansicht aus dem Jahr 1922 zeigt:

Sie vertrieben aber trotzdem unter den Büroartikeln auch weiter Bleistiftspitzgeräte.


Im Mai 1913 in der :

Im August 1922 inserierte die Leipziger Firma IDEA Maschinenfabrik in der Zeitung für Bürobedarf:

Rechts im Bild ist ein 6-schneidiger Messerstern für die Spitzmaschine Quail zu sehen.

In einem Fach-Adressbuch aus dem Jahr 1930 ist M. Erlebach Nachf. unter Bleistiftspitzmaschinen verzeichnet.  Zu diesem Zeitpunkt war der Markenname Quail (auch für Spitzmaschinen) noch angemeldet. Parallel war auch die Anmeldung Quaillina für Bleistiftspitzmaschinen aktiv. Eine Spitzmaschine Quallina wurde tatsächlich verkauft. 1936 wurde in einem Bürokatalog diese Bleistiftspitzmaschine Quaillina angeboten:

Sie war eine Maschine mit Fräser (offensichtlich Walzenfräser), die aber wohl selten verkauft wurde.


Die Spitzmaschinen FAFNIR des erwähnten Firmeninhabers Eduard Heister werden auf dieser Seite behandelt.


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