M. Erlebach

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Die Geschichte der jüdischen Firma M. Erlebach

Die Firma M. Erlebach                                                                                                  letzte Änderung: 19. Dezember 2020

M. Erlebach war eine kleine Firma in jüdischer Eigentümerschaft, die im 19. Jahrhundert wahrscheinlich vor allem in Frankfurt ansässig war, ein typisches Beispiel für die Tätigkeit jüdischer Kaufleute in Amerika und Deutschland. Das "M." steht für Max von Max Erlebach, der die Firma leitete.

Max Erlebach war am 28. Januar 1832 in Bayreuth in einer jüdischen Familie geboren worden, siedelte mit seinen Eltern jedoch nach Amerika in die Vereinigten Staaten um (aus einer späteren Anzeige kann etwa auf das Jahr 1855 geschlossen werden) und wurde auch Bürger des Landes. Er war in Bayreuth auf die Königliche Studienanstalt gegangen. Zumindest nach den Noten im Schuljahr 1842/43 war er kein guter Schüler, er belegte in seiner Klasse mit 34 Schülern den 34. Platz.

Er besuchte in seinem Leben häufig seine alte europäische Heimat. So taucht er im Juli 1863 auf einer Gästeliste in einer Wiener Zeitung auf, wobei er im Hotel Weißes Roß wohnte.

Wahrscheinlich im Mai 1864 heiratete Max Erlebach in München Bertha Erlebach, geb. Rothschild, die in München wohnte, etwa 1844 geboren und als Cassierstochter bezeichnet wurde nach "israelitischem Cultus". Auf einer Fremdenliste der Salzburger Zeitung erfährt man, daß M. Erlebach, Kaufmann aus Providence mit Frau am 26./27. Mai im Hotel Zu den Aliierten abgestiegen war. Kurze Zeit später ging es von Liverpool aus nach New York, wo man am 27. Juli  mit der Scotia ankam:

Am 25. März 1865 wurde dann in Providence die gemeinsame Tochter Alice Erlebach geboren.

The Merchants' directory von New York 1866 / 67 enthält folgenden Eintrag:

Wahrscheinlich im Jahr 1871 siedelte Max Erlebach nach Deutschland zurück (nach Frankfurt/Main), blieb aber Amerikaner.

Womit Max Erlebach handelte, ist bisher praktisch nicht bekannt. Es gibt nur eine Info, daß er Auslandsvertreter für sog. "chrono advertising cards" der POTSDAMER & Co. war. Hierzu fogender Text aus dem American Stationer von 1873:

So erfahren wir, daß M. Erlebach zu dieser Zeit in Frankfurt / Main, Salzhaus 4 ansässig war.

Allerdings gibt es auch folgende Anzeige in der Zeitung Scientific American vom Juli 1875, was auf einen Standort von Max Erlebach in München, dem früheren Wohnort seiner Frau hinweist:

Ab 1879 findet man in den Frankfurter Adressbüchern folgenden Eintrag:

Max betrieb also die Firma M. Erlebach, die wie er selbst Salzhaus 4 angesiedelt war. Zweck war der Import bzw. eine Agentur für amerikanische Erzeugnisse. Seine Frau Bertha war die Prokuristin.

Hier noch die gesamten Bewohner des Hauses von 1879, wo von "Kurzwaaren" gesprchen wird:



Im März 1879 ist Max Erlebach, Kaufmann aus Frankfurt / Main in einer Gästeliste in der Zeitung Epoche im Hotel zum Schwarzen Roß wohnend eingetragen.

1887 wird im American Stationer berichtet:


Entsprechend des Unternehmensinhaltes fuhr er sicher einige Male zwischen Europa und den Vereinigten Staaten hin und her. In Amerika suchte er dann nach Produkten, die in Europa verkauft werden konnten.

Im unteren Text taucht ein Adolph Erlebach auf, der in Boston bei der Firma Horace Partridge & Co arbeitete. Adolph war wahrscheinlich ein naher Verwandter von Max. Er wurde am 5. Aug 1844 ebenfalls in Baureuth geboren.

Hier ein früherer Antrag auf einen Reisepass von Adolph aus dem Jahr 1879 mit persönlichen Angaben:

Später arbeitete er wahrscheinlich für Louis Wolf & Co als Importeur.

Im Jahr 1902 schließlich findet man folgenden Text im American Stationer:

Er vertrat also die Colonial Pen Company.

Adolph Erlebach starb wahrscheinlich am 5. Februar 1904 in Boston.

Doch zurück zu Max Erlebach.

Aus Fremdenlisten des Prager Tagblattes vom September 1887 und Juli 1889 erfährt man, daß er in Prag im Hotel Schwarzes Roß abgestiegen war. Nach 1890 war er mehrmals in Budapest und zwar in Marchal ´s Hotel Königin von England, mindestens Februar 1891, Februar und September 1893, September 1894 sowie August 1898.

Am 4. März 1892 heiratete seine Tochter Alice Erlebach in Frankfurt / Main den Kaufmann Louis Salome Dreifuss.

Im Februar 1898 findet man Max Erlebach auf einer Gästeliste des Budapester Lloyd.

Wahrscheinlich 1896 übergibt Max Erlebach sein Geschäft an Louis Wachtel und zieht auf die Beethovenstr. 66 in Frankfurt/Main.

Die Geschichte der Nachfolgefirma M. Erlebach Nachf. einschließlich deren Bleistiftspitzmaschinen wird hier behandelt.

Max Erlebach starb am 27. Juni 1915 in Bad Homburg, wie das folgende interessante Dokument beweist:


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