Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen
Die Geschichte der Firma Eugen Courant (Berlin) und deren Bleistiftspitzmaschinen
Eugen Courant brachte bereits 1913 eine Walzenfräser-Bleistiftspitzmaschine auf den Markt. Er war eigentlich Inhaber einer Firma für Nähmaschinenzubehör in Berlin-Kreuzberg.
Ich freue mich sehr über jeden Hinweis zu dieser Firma, ihren Produkten/Aktivitäten oder Personen, die in dieser gearbeitet haben und natürlich zur Bleistiftspitzmaschine Courant (siehe Kontakt). Gern können Sie auch etwas ins Gästebuch schreiben!
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Eugen Courant und seine Firma letzte Änderung 2026-05
Eugen Courant wurde am 19. März 1861 in Lublinitz in einer jüdischen Familie geboren. Sein Vater Solomon Courant wurde am 5. Juni 1815 in Peiskretscham, Tost-Gleiwitz, in Schlesien geboren. Seine Mutter Adelheid Borchard war 1824 im gleichen Ort, wie Eugen geboren worden.
Eugen Courant gründete 1901 in Berlin eine Fabrik für Nähmaschinenteile. Sie wurde unter Nr. 7801 am 5. März 1901 ins Handelsregister eingetragen. Der Namen war Eugen Courant, wie auch der Inhaber Eugen Courant, Kaufmann.
Der Firmeninhalt wurde beschrieben mit "Nähmaschinenteile, Maschinen und Fahrzeuge, technische Artikel". Die Firma war auf der Prinzenstr. 59, Berlin-Kreuzberg ansässig.
Am 26. Mai 1905 erhielt Jenny Courant, geb. Cohn Prokura. Am 4. Januar 1909 wurde dann auch für Curt Courant, Ingenieur Prokura eingetragen und später am 20. Mai 1912 ebenso für Friedrich Courant.
Die Firma produzierte hauptsächlich Nähmaschinenzubehör, Spitzmaschinen waren nur ein Nebenprodukt.
Postkarte der Firma aus dem Jahr 1922 in die Schweiz:

Werbeeintrag in einem Adressbuch von 1928:

1931 wurde die Firma so in Klockhaus kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des deutschen Reichs genannt:
"Eugen Courant : Schiffchen, Teile, Nadeln, Zubehör, Knopfloch-Apparate "Famoa", Zickzack-Apparate, Tel.-Adr. "Ultrarapid" "
Hier ein undatiertes Katalogblatt der Firma:

Eugen Courant starb am 5. Juni 1934 in Berlin. Im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hieß es "entschlief nach längerem Leiden im 74. Lebensjahr mein geliebter Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel In tiefer Trauer Jenny Courant, geb. Cohn"
Am 29. November 1934 übernahm laut Handelsregistereintrag Friedrich Courant, Kaufmann, die Firma. Die Prokuren von Carl Courant und Friedrich Courant sind erloschen, die von Jenny Courant, geb. Cohn blieb bestehen.
Die Firma Eugen Courant wurde 1941 liquidiert.
Neben den Bleistiftspitzmaschinen, die im Folgenden vorgestellt wurden, gab es auch einen Courant - Fotoschneider, der hier gezeigt werden kann:

Die Vorrichtung mit dem Namensschriftzug und "Pat.Pend.", also englisch geschrieben für "Patent angemeldet".


Detailaufnahme mit einer Nummer (Werkzeugnr. ?)

Die Bleistift-Spitzmaschinen Courant
Im April wurde eine Erfindung von Eugen Courant geschützt. Hier der Text des Deutschen Reichspatentes:
"EUGEN COURANT IN BERLIN
Bleistiftspitzvorrichtung, deren Fräser in einem drehbaren Rahmen gelagert ist.
Patentiert im Deutschen Reiche vom 17. April 1912 ab.
Den Gegenstand der Erfindung bildet eine Neuerung an Bleistiftspitzvorrichtungen, deren Fräser in einem drehbaren Rahmen gelagert ist. Diese Vorrichtungen haben den großen Nachteil, daß die Reinigung und das Nachschärfen des Fräsers mit Schwierigkeiten verbunden ist. Die Erfindung beseitigt diesen Nachteil und gestattet eine einfache und schnelle Entfernung des Fräsers aus dem Gehäuse, der auf diese Weise bequem nachgeschärft und gereinigt werden kann, was die Betriebsfähigkeit der Vorrichtungen wesentlich erhöht.
Der Gegenstand der Erfindung ist in der beiliegenden Zeichnung beispielsweise dargestellt, und zwar zeigt:
Fig. 1 einen senkrechten Schnitt durch die gesamte Vorrichtung,
Fig. 2 einen senkrechten Schnitt nach c-d der Fig. 1.
Der Kasten 1 ist mit einer unteren Erweiterung 2 versehen, in welcher ein Schubkasten angeordnet ist, der die bei der Betätigung der Vorrichtung entstehenden Abfälle aufnimmt.
In den Seitenwandungen des Kastens sind Bohrungen 3 vorgesehen, innerhalb derer ein U-förmiger Rahmen 10 drehbar angeordnet ist, der den Fräser 9 aufnimmt. Dieser Rahmen erhält von einer Kurbel 4 seine Bewegung.
Der Rahmen und sein mit der Kurbelachse verbundener Lagerarm 11 bestehen aus getrennten Teilen. Letzterer ist am Ende mit einer Nut 6 versehen; in diese Nut greift der in dem Rahmen angeordnete Zapfen 7. Um eine Verschiebung des Rahmens zu verhindern, ist ein drehbarer Bügel 8 angeordnet, welcher mit einer Aussparung um den verjüngten Teil 5 des Rahmenendes herumgreift.
Mit Hilfe dieser Einrichtung gelingt es, den Fräser leicht und bequem aus der Vorrichtung zu entfernen bzw. wieder einzusetzen.
PATENT-ANSPRÜCHE:
Hier die Patentzeichnung:

In der Zeitschrift Die Woche im Juli 1913 erschien folgender Text:
"Rotations Bleistiftspitzmaschine "Courant". Eine der neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der Bleistiftschärfmaschinen ist der automatische Rotations-Bleistiftspitzer "Courant". Diese ingeniös gebaute, solide und praktische Maschine spitzt sparsam und automatisch Bleistifte aller Art, auch Kopierstifte, Buntstifte jeder Stärke, sogar Schieferstifte. Es ist ganz gleichgültig, ob die Bleistifte kantig, flach, rund, dick, dünn, lang oder kurz sind. Der anzuspitzende Stift wird in der Maschine vermittels Haltebacken festgeklemmt und dann der Schneidewalze automatisch zugeführt; durch Drehen der Kurbel wird das Schneidemesser in Bewegung gesetzt und dadurch der Bleistift rundherum vollständig gleichmäßig angespitzt. Ist der Bleistift mit der gewohnten Spitze versehen, so schaltet die Maschine selbsttätig aus. Auf diese Weise ist es unmöglich, daß etwas von dem Bleistift verloren geht. Durch Verstellen eines Hebels können auf Wunsch feine oder stumpfe Spitzen erzielt werden. Die Maschine arbeitet außerordentlich schnell und erzeugt Spitzen von vorzüglicher Beschaffenheit. Die Welle, auf welcher die Schneidewalze montiert ist, kann mit dieser ohne Lösen von Schrauben usw. bequem herausgenommen und wieder eingesetzt werden, so daß es jedermann möglich ist, dieselbe auszuwechseln, falls es nach langem Gebrauche erforderlich sein sollte, die Walze nachzuschleifen. Dadurch, daß das Gehäuse vollkommen geschlossen ist und die Späne in eine zu diesem Zwecke angebrachte Schublade falle, ist ein Beschmutzen der Hände und des Tisches ausgeschlossen. "Courant" wird nach Bedarf auch mit Schneidewalzen für extra lange Spitzen für Zeichner und Architekten geliefert. der Apparat wird an jedem Tisch, Pult usw. mit der Zwinge befestigt, ohne daß ein Beschädigen der Möbel auftritt. Auf einem Eisensockel montiert, dient er als Briefbeschwerer. Alleiniger Fabrikant dieser vorzüglichen Maschine ist Eugen Courant, Berlin S 14, Prinzenstr. 59."

In der gleichen Zeitschrift 1914:

Hier ist - anders als im Werbebild vom Jahr zuvor - eine Formung mit einem "Fuß" zu sehen. In der Annonce wird das oben beschriebene Patent genannt.
1921 ab der Juliausgabe der Zeitschrift Das Echo mehrfach annonciert und zwar mit beiden Modellvarianten:

Das Modell A zur Montage an einem Tisch wiegt also 1,8 kg und das Standmodell B erhebliche 3,4 kg.
Hier ein Bild einer Maschine Modell A, allerdings ohne Tischbefestigung. Neben dem Schriftzug "Courant" ist ebenso sichtbar D.R.P. 258001 (obiges Patent).

Im Folgenden einige Bilder einer anderen Maschine mit Fuß, also offensichtlich das Modell B


Es gibt auch Courant-Spitzmaschinen mit dem Aufdruck D.R.G.M Nr. 1003376. Der Inhalt dieses Gebrauchsmusters ist zwar unbekannt, aber es wurde von Eugen Courant im ersten Quartal 1927 angemeldet. Diese Maschinen werden also erst danach verkauft worden sein. Gebrauchsmuster galten 3 Jahre und konnten max. auf 6 Jahre verlängert werden.
Max Taubert - Courant - Apparatebau

In der Januarausgabe der Zeitschrift für Bürobedarf wurde 1929 die Bleistiftspitzmaschine Courant wieder in den bereits oben gezeigten 2 Modellversionen annonciert.

Hersteller war nun ein gewisser Max Taubert. Er war in Berlin S 14 auf der Dresdenerstr. 38 angesiedelt. Er hat 1929 oder vielleicht auch schon etwas eher den Vertrieb und vielleicht auch die Produktion der Spitzmaschine von Courant übernommen, dessen Firma da ja noch aktiv war. Modell- oder Beschriftungsunterschiede sind im Annoncenbild nicht zu erkennen.
Ebenfalls 1929 erschien in der Schweiz im Berner Schulblatt folgendes Angebot an Bleistiftspitzmaschinen durch die Kaiser & Co. A.G. (Bern):

1931 werden seine Aktivitäten in Klockhaus kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des deutschen Reichs unter Brieföffnungsapparate und Bleistiftspitzmaschinen genannt:
"Max Taubert Courant-Apparate-Bau, Berlin S 14, Dresdener Str. 38"
In diesem Jahr soll auch eine "Courant Junior" mit gleichem Innenleben, aber in einer anderen Form erschienen sein.
Im Deutschen Markenartikel-Adressbuch 1932/33 wird folgende Markeneintragung genannt:
"Courant als Bleistiftspitzmaschine, Max Taubert, Berlin S14, Prinzenstr. 59"
Hier ein sehr interessantes Werbeblatt zur Courant:

Hier ist von mehr als 25 Jahren die Rede, also müsste das Blatt erst etwa 1938 gedruckt worden sein. Hier der komplette Text des Blattes:
"Seit mehr als 25 Jahren ist die automatische Rotations-Bleistiftspitzmaschine „COURANT“ das NON PLUS ULTRA aller Spitzmaschinen!
Fast ganz aus unzerbrechlichem Aluminium!
Vorteile des Bleistiftspitzapparats „COURANT“
Sehr einfach in der Handhabung. Spitzt nicht nur Bleistifte jeder Art und Stärke, sondern auch Farb-,
Schiefer- und Kopierstifte Arbeitet unerreicht schnell und vollständig Durch die selbsttätige Stoppvorrichtung keine Abfälle
Fräserwelle kann mit einem Handgriff ohne Werkzeug herausgenommen und ausgewechselt werden
Äußerst sauber, da der Apparat vollkommen geschlossen ist und die abfallenden Späne in eine Schublade gelangen
Mittels der mitgelieferten Verlängerer können auch ganz kurze Bleistiftenden tadellos gespitzt werden"
Im Taschenbuch für Verwaltungsbeamte 1939 ist Max Taubert wie folgt aufgeführt:
"Courant Apparatebau Max Taubert, Berlin N 54, Schönhauser Allee 6/7" unter Bleistiftspitzmaschinen und Brieföffner
Das ist der letzte zeitmäßig zuordenbare Hinweis auf die Courant. Möglicherweise wurde die Produktion im Zusammenhang mit dem II. Weltkrieg eingestellt.
Andere Bereiche dieser Seite über das Bleistiftspitzen:
Anfänge bis 1832 Zeit von 1833 bis 1850 Zeit von 1851 bis 1860
Andere Bleistift-Spitzmaschinen:
Everett/Right, L. E. B., Avanti, Simplicia / Clou / IDUNA, Jowei, Ergo / Ergo Extra, Optimax, Stern, Constanta, Fram, Oryx und Quail
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