Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichte der Bleistiftspitzer
Die Geschichte der Firma Guhl & Harbeck (Hamburg) und der Bleistiftspitzmaschine Jupiter
Die Hamburger Firma Guhl & Harbeck entwickelte ab 1896 die Bleistiftspitzmaschine JUPITER, die mit ihrem mechanischen Fräsverfahren und den späteren Modellen JUPITER 1 und JUPITER 2 auch international Verbreitung fand.
Ich freue mich sehr über jeden Hinweis zu dieser Firma und ganz besonders zu der Spitzmaschine Jupiter (siehe Kontakt). Gern können Sie auch etwas ins Gästebuch schreiben!
zur Übersicht über die Geschichte des Bleistiftspitzens
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Die Firma Guhl & Harbeck im Überblick
Im Jahr 1867 gründeten Heinrich August Hermann Guhl und Christian Friedrich Harbeck in Hamburg die Firma Guhl & Harbeck. Aus der Herstellung von Haushaltsgeräten und Nähmaschinen entstand ein breit aufgestellter feinmechanischer Betrieb. Die Firma konstruierte Messerputzmaschinen und Schreibmaschinen, fertigte Gegenstände des Büro- und Haushaltsbedarfs und trat seit den späten 1890er-Jahren mit der Bleistiftschärfmaschine JUPITER hervor. Die erste JUPITER wurde 1896 patentiert; die verbesserte JUPITER 1 erschien um 1905, die JUPITER 2 wurde Ende der 1920er-Jahre entwickelt. 1930 folgte ein erster gesellschaftsrechtlicher Einschnitt, 1943 die Zerstörung des Hamburger Werks. Nach dem Krieg wurde die Produktion neu aufgenommen. 1970 erlosch die Firma endgültig.
Die Gründung und der Aufstieg zur Nähmaschinenfabrik (1867–1881)
Der Mechaniker und Konstrukteur Heinrich August Hermann Guhl und der Kaufmann Christian Friedrich Harbeck gründeten ihr Unternehmen am 13. Februar 1867 in Hamburg.
Guhl brachte seine technischen und handwerklichen Kenntnisse ein, Harbeck übernahm die kaufmännische Seite. Guhl, Sohn eines Zahnarztes, hatte bereits im elterlichen Haus nahe dem Hamburger Rathaus an mechanischen Geräten gearbeitet. Die ersten Erzeugnisse entstanden in vergleichsweise kleinen Stückzahlen. Weitere Informationen zu den Gründern und ihren Nachkommen enthält die Familiengeschichte der Familien Guhl und Harbeck.
Die ORIGINAL EXPRESS begründet den wirtschaftlichen Erfolg
Den Durchbruch brachte die Haushaltsnähmaschine ORIGINAL EXPRESS, deren Konstruktion sich am amerikanischen System von Willcox & Gibbs orientierte. Die kompakte Handnähmaschine arbeitete mit nur einem Faden und erzeugte eine Kettenstichnaht. Ein unterhalb der Stichplatte angeordneter Greifer bildete die Fadenschlingen, sodass keine Unterfadenspule benötigt wurde. Die vergleichsweise einfache Mechanik und die handliche Bauweise machten diesen Maschinentyp für den häuslichen Gebrauch interessant.
Die ORIGINAL EXPRESS besaß einen charakteristischen bogenförmigen Maschinenarm und einen gusseisernen Grundkörper. Das seitlich angeordnete Handrad wurde über eine Kurbel angetrieben. Erhaltene Exemplare zeigen schwarz lackierte Oberflächen, goldfarbene Verzierungen und teilweise ein aufwendiges Rosendekor. Neben Maschinen mit lackiertem Handrad sind Ausführungen mit vernickeltem Handrad bekannt. Das Herstellerzeichen von Guhl & Harbeck befindet sich bei entsprechend gekennzeichneten Exemplaren unter anderem auf der Stichplatte.
Die ORIGINAL EXPRESS wurde im In- und Ausland nachgefragt und entwickelte sich zum ersten wirtschaftlich bedeutenden Erzeugnis der Firma. Der wachsende Absatz machte größere Räumlichkeiten erforderlich. Bereits 1870 zog Guhl & Harbeck in die Raboisen um. Damit begann der Aufstieg des kleinen mechanischen Betriebs zu einer Hamburger Nähmaschinenfabrik.
Erweiterung des Nähmaschinenprogramms
Im weiteren Verlauf entwickelte sich Guhl & Harbeck über die Fertigung der ORIGINAL EXPRESS hinaus zu einem Hersteller unterschiedlicher Nähmaschinensysteme. Neben Kettenstichmaschinen wurden auch Konstruktionen für den Doppelsteppstich in das Programm aufgenommen.
Besonders bekannt wurde die NORMANNIA, die in mehreren technischen Ausführungen überliefert ist. Dazu gehörten eine CB-Maschine mit entsprechendem Greifersystem sowie eine Variante mit rotierendem Greifer. Die NORMANNIA-Rundgreifermaschine wird in der Nähmaschinen-Fachliteratur den deutschen Konstruktionen nach dem Vorbild der amerikanischen Wheeler & Wilson D9 zugeordnet. Das Modell dokumentiert damit die Weiterentwicklung des Hamburger Produktionsprogramms von einfachen Handnähmaschinen zu aufwendigeren mechanischen Systemen.
Hier ein schönes, erhaltenes Exemplar der NORMANNIA:

Auch die Modellbezeichnungen PROGRESS VS und SAXONIA TS sind für Guhl & Harbeck in einem historischen Nadel- und Maschinenverzeichnis aufgeführt. Die Abkürzungen bezeichnen unterschiedliche technische Bauarten: VS steht für ein Schwingschiffchensystem, TS für ein quer laufendes Schiffchen. Zusammen mit den verschiedenen NORMANNIA-Ausführungen verdeutlichen diese Modelle die konstruktive Vielfalt, die Guhl & Harbeck im Laufe seiner Nähmaschinenproduktion erreichte.
Die technische Grundlage für die spätere JUPITER
Die Nähmaschinenfertigung erforderte präzise Wellen, Lager, Greifer und Antriebsmechanismen sowie Erfahrung in der Bearbeitung von Gussgehäusen. Damit entwickelte Guhl & Harbeck die feinmechanischen Fähigkeiten, die später auch für seine Schreibmaschinen und Bleistiftspitzmaschinen wichtig wurden.
Eine solche Sortimentserweiterung war im späten 19. Jahrhundert nicht ungewöhnlich. Opel und Dürkopp nahmen neben Nähmaschinen Fahrräder und später Motorfahrzeuge ins Programm. Seidel & Naumann in Dresden fertigte zusätzlich Schreib- und Rechenmaschinen. Grimme, Natalis & Co. in Braunschweig begann 1892 mit der Herstellung der mechanischen Rechenmaschine BRUNSVIGA.
Auch Guhl & Harbeck erweiterte sein Programm um Fahrräder, weitere mechanische Geräte und die Schreibmaschinen HAMMONIA und KOSMOPOLIT. Die JUPITER, deren erste Konstruktion 1896 patentiert wurde, setzte diese Entwicklung fort. Ihr rotierendes Schneidwerkzeug, das Getriebe und der geführte Bleistiftschlitten bauten auf den vorhandenen Erfahrungen im Präzisionsmaschinenbau auf.
Die ORIGINAL EXPRESS schuf somit die wirtschaftliche Grundlage für das Wachstum der Firma. Nach dem Umzug in die Raboisen 1870 folgten 1889 ein Fabrikgebäude am Herrengraben und um 1900 die Verlagerung an den Normannenweg. So entwickelte sich aus der Nähmaschinenfabrik ein vielseitiges Hamburger Maschinenbauunternehmen mit international vertriebenen Erzeugnissen.
Schreibmaschinen, Messerputzmaschinen und neue Fabrikräume (1882–1895)
Anfang der 1880er-Jahre nahm Guhl & Harbeck die Herstellung früher Schreibmaschinen auf. Die nach einer Konstruktion von Andreas Hansen entstandene HAMMONIA wurde um 1884 angeboten. Ihr Bedienungsprinzip beruhte nicht auf einer normalen Tastatur: Ein Zeichen musste eingestellt und anschließend mit einem Handhebel abgedruckt werden.
Die ungarische Wochenzeitung Vasárnapi Ujságberichtete am 28. Dezember 1884 über die „Original Hammonia“ und hob ihren günstigen Preis von 30 Forint hervor. Andere Schreibmaschinen hätten bislang 200 bis 300 Forint gekostet. Zudem betonte der Artikel die kompakte Bauweise und die Möglichkeit, mehrere Durchschläge gleichzeitig anzufertigen.
Am 21. Januar 1885 stellte die dänische Nationaltidendedie HAMMONIA unter der Überschrift „En ny Skrivemaskine“ („Eine neue Schreibmaschine“) vor. Sie beschrieb die mechanische Zeichenauswahl und kompakte Konstruktion. Der Beitrag übernahm weitgehend einen positiven Bericht der deutschen Illustrirten Zeitung.
Wenige Monate später wurde die HAMMONIA in Dänemark mit anderen Schreibmaschinen verglichen. Rasmus Malling-Hansen hatte im April 1885 unter anderem Modelle von Hall und Remington vorgeführt. Die Berlingske Tidendeberichtete am 8. Mai darüber. Ihr Urteil fiel wenig günstig aus: Die HAMMONIA und die Hall-Maschine seien langsamer als das Schreiben mit der Feder und für das Schnellschreiben ungeeignet. Die HAMMONIA galt damit als preisgünstige, hinsichtlich der Schreibgeschwindigkeit jedoch eingeschränkte Alternative.
Ein dauerhaft durchschlagender Markterfolg war ihr wegen der aufwendigen Bedienung nicht beschieden.
1888 folgte die KOSMOPOLIT. Die Firma hatte zuvor, mit Wirkung vom 1. Juli 1887, ein Patent für eine „Neuerung an Typenschreibmaschinen“ erhalten. Die Patentschrift Nr. 42124 beschreibt unter anderem die Zeichenauswahl über eine Indexplatte sowie Sperrklinken und Zahnstangen, die den Mechanismus beim Abdruck festhalten. Noch 1893 warb Guhl & Harbeck für eine Schreibmaschine mit sechs Alphabeten zu 150 Mark. Diese heute weitgehend vergessenen Entwicklungen belegen die mechanische Vielseitigkeit des Unternehmens.
Hier eine Annonce aus dem Beiblatt der Fliegenden Blätter von 1893:

Ein weiteres Geschäftsfeld waren Messerputzmaschinen. Das Patent Nr. 35468, gültig ab 17. September 1885, beschreibt zwei umlaufende, federnd gegeneinander gepresste Putzriemen. Eine Handkurbel treibt die Maschine an, Druckplatten halten den Kontakt zur Klinge, zusätzliche Teile streifen überflüssiges Putzmittel ab.
Hier ein Artikel mit Abbildung aus der Zeitung Gartenlaube von 1887:

Auch ein Gebrauchsmuster von 1893 belegt die weitere Beschäftigung mit diesem Produkt. Später gehörten Messer- und Gabelputzmaschinen BLANCA, die Messerschärfmaschine PIPIFAX, Metallrohrtische, Lampen und zeitweise Fahrräder zum Angebot.
Hier ein Bild der Messerschärfmaschine PIPIFAX:

Die räumliche Entwicklung folgte dem Wachstum. 1889 entstand ein Fabrikgebäude am Herrengraben; für 1893 ist die Adresse Herrengraben 26/29 belegt. Um 1900 verlagerte sich der Betrieb an den Normannenweg beziehungsweise in die Normannenstraße. Dort befand sich später das Werk, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Die Entwicklung der JUPITER war somit keine Abkehr von den bisherigen Geschäftsfeldern, sondern eine Erweiterung des vielseitigen Geräteprogramms von Guhl & Harbeck um eine mechanische Bleistiftspitzmaschine.
Eine neue Aufgabe: Bleistifte maschinell anspitzen (1896–1905)
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Bleistift in Zeichenbüros, Werkstätten, Schulen und Verwaltungen zu einem alltäglichen Arbeitsmittel geworden. Für den regelmäßigen Gebrauch wurden zunehmend mechanische Spitzmaschinen entwickelt, die eine gleichmäßige Spitze erzeugen und das Abbrechen der empfindlichen Graphitmine verhindern sollten.
Besonders in den Vereinigten Staaten hatte die mechanische Bleistiftspitztechnik bereits seit den 1880er-Jahren einen beachtlichen Entwicklungsstand erreicht. Die 1884 vorgestellte SIBLEY arbeitete mit einem umlaufenden Schleifpapierband und einem gegenläufig rotierenden Bleistift. Die ab 1887 angebotene GEM verwendete dagegen eine rotierende Schleifpapierscheibe. Sowohl die Scheibe als auch der Bleistift wurden durch eine gemeinsame Handkurbel angetrieben. Andere Konstruktionen, darunter die ACME von 1887, bearbeiteten den Stift mit umlaufenden Schneidwerkzeugen. Beim PERFECT PENCIL POINTER von 1890 wurde der Bleistift über eine feststehende Feile geführt und dabei mechanisch gedreht.
Unmittelbar vor der Entwicklung der JUPITER erschien 1896 der amerikanische PLANETARY PENCIL POINTER von A. B. Dick. Bei dieser Maschine bewegten sich zwei rotierende Frässcheiben um den feststehenden Bleistift. Die unterschiedlichen Bauarten zeigen, dass sowohl Schleif- und Fräsverfahren als auch mechanische Stiftführungen und verschiedene Antriebskonzepte bereits bekannt waren.
Guhl & Harbeck entwickelten mit der JUPITER eine eigene Kombination dieser mechanischen Prinzipien. Eine Handkurbel setzte über ein Getriebe sowohl den scheibenförmigen Fräser als auch den eingespannten Bleistift in Drehung. Der Stift wurde in einem verschiebbaren Schlitten gehalten und während des Schärfens gegen das Schneidwerkzeug vorgeschoben. Der Fräser besaß einen wendbaren Stahlring mit radial angeordneten Schneidkanten.
Die besondere technische Lösung lag in der Führung des Stiftendes unmittelbar an der Frässcheibe. Eine innen konische, seitlich geschlitzte Hülse stützte die entstehende Spitze und sollte verhindern, dass die Graphitmine durch die beim Schneiden auftretenden Kräfte abbrach.
Diese Konstruktion ist in der deutschen Patentschrift Nr. 94617, „Apparat zum Anschärfen von Schreib- und Zeichenstiften“, beschrieben. Das auf Heinrich August Hermann Guhl in Hamburg lautende Patent galt ab dem 22. September 1896; die Schrift wurde am 30. Oktober 1897 ausgegeben. Das entsprechende amerikanische Patent Nr. 593,093 wurde am 2. November 1897 erteilt.
Die eigentliche Erfindung: einseitig geschlitzte konische Führung
Das Schutzrecht erläutert zunächst das Kernproblem beim Fräsen einer feinen Bleistiftspitze: Die Schnittkräfte dürfen Holz und Mine nicht seitlich ausbrechen lassen. Guhl ordnete unmittelbar neben dem rotierenden Schneidkranz eine innen konische Lagerhülse (g) an. Weil eine Seite ihrer Wand abgeschrägt wurde, entstand ein keilförmiger Schlitz. Die Schneiden dringen nur durch diesen Schlitz in den Bereich des Stiftendes. Während die Spitze immer konischer wird, liegt sie an der Innenwand der Hülse an; diese hält den sich verjüngenden Bereich dicht am Schnitt und wirkt als Gegenlager. Nach Darstellung des Erfinders vermindert das den Druck auf die ungestützte Mine und die Gefahr von Holzabsplitterungen. Beim Vorschieben gelangt der Stift schrittweise in den Eingriffsbereich weiterer Schneidkanten.
Schlitten, drehbare Stiftaufnahme und die Übertragung der Bewegung
Die Zeichnung (Fig. 1–4) zeigt einen längs verschiebbaren Schlitten (c) auf einer Schiene (b) neben einer längs genuteten Antriebswelle (a). Auf dem Schlitten sitzt die drehbare hintere Aufnahmehülse (m). Sie besitzt eine konische Bohrung und scharfkantige Längsrippen (n²), die in das rückwärtige Stiftende eingreifen und dieses gegen ein Verdrehen gegenüber der Aufnahme sichern. Ein Zahnkranz an der Aufnahme greift in die verzahnte Welle ein: So wird der Stift gedreht, obwohl der Schlitten längs verschoben werden kann. Vorn führt die feststehende, einseitig geschlitzte Hülse (g) den anzuschärfenden Bereich. Der Benutzer bewegt den Schlitten beim Schärfen mit leichtem Fingerdruck weiter; eine automatische, durch die fertige Spitze ausgelöste Vorschubsperre wird in diesem Patent noch nicht beschrieben.
Die Schneidscheibe und das Wenden des Stahlrings
Der scheibenförmige Fräser besteht nach der Beschreibung aus einem Stahlring (h), der auf beiden Breitseiten jeweils einen Kranz radial angeordneter Schneidkanten trägt. Der Ring wird auf die Achse beziehungsweise Nabe einer Kurbelscheibe (i) geschraubt. Ist ein Schneidkranz abgenutzt, kann der Ring umgedreht werden, sodass die gegenüberliegende Schneidseite zur Verfügung steht. Die Patentschrift belegt damit unmittelbar das später auch an amerikanischen Geräten und in Händlerkatalogen beschriebene Prinzip des wendbaren Fräsrings.
Getriebe und Verhältnis der Drehzahlen
Auf der Fräserachse sitzt ein in der Patentschrift als „hyperbolisches Zahnrad“ (k) bezeichnetes Rad. Es steht im Eingriff mit einem entsprechenden Zahnrad (l) der längs genuteten Welle (a). Das Drehen des Fräsers bewirkt dadurch gleichzeitig die Drehung der Welle und des eingeklemmten Stiftes. Für das Drehzahlverhältnis schlägt Guhl beispielhaft vor, den Schneidkranz doppelt so schnell wie den Schreibstift laufen zu lassen.
Die Bewegung der Schneidkanten und die herzustellende Spitze
Die Figuren 7 und 8 veranschaulichen die Formgebung. Eine Schneidkante beginnt ihren Schnitt an der Basis der herzustellenden Spitze und rückt im Verlauf der Fräserdrehung zum Spitzenende vor. Zugleich kommen aufgrund der Geometrie des Schneidkranzes immer näher an seinem Mittelpunkt gelegene Abschnitte zum Eingriff. Durch dieses Zusammenspiel von Schneidenform und Vorschub wird der zunächst zylindrische Stift zu einer kegelförmigen Spitze abgetragen. Das Patent nennt ausdrücklich Blei-, Kreide- und Schieferstifte als mögliche Stifte zum Anspitzen.
Schutzumfang und Bedeutung für die Modellgeschichte
Der einzige Patentanspruch bezeichnet einen Apparat mit Drehscheibenfräser, dessen Besonderheit die neben dem Fräser angeordnete konische Lagerhülse und ihr durch einseitige Wandabschrägung entstandener Schlitz ist. Die übrigen Baugruppen erklären die Funktionsweise des Ausführungsbeispiels, stehen aber nicht jeweils für einen eigenständigen Anspruch. Die erste JUPITER ist damit technisch präziser beschrieben: Sie verband einen wendbaren Fräsring, die gekoppelte Drehung von Fräser und Stift, einen längs verschiebbaren Halter und die nahe an der Schneidstelle stützende konische Hülse. Für die JUPITER 1 wurde die Führung später erneut entwickelt; bei der JUPITER 2 trat 1928/1930 die automatische Vorschubbegrenzung hinzu.
Die schwere Maschine war für einen festen Arbeitsplatz konzipiert. Ein herausnehmbarer Spänebehälter gehört nicht zum beanspruchten Gegenstand des Patents.
Das Smithsonian National Museum of American History besitzt einen „Jupiter N. Pencil Pointer“. Die Grundmaterialien werden als Metall und Holz beschrieben, die Außenmaße mit 12,7 × 36,195 × 15,24 cm. Das Objekt kam mit der Schenkung von Eleanor Tatge im Namen von John Nickles in den Bestand. Seine Provenienz liefert einen unabhängigen Nachweis für die Präsenz des Hamburger Fabrikats in den USA.
Bei dem von „Historic Tools of North Castle“ beschriebenen Exemplar ist die wendbare Frässcheibe etwa 3 Zoll beziehungsweise 76 mm groß und besitzt 34 Schneidkanten. Die Maße dieses Exemplars betragen 34 × 13 × 12 cm, das Gewicht 2455 g. Besonders die beidseitig nutzbare Scheibe war für die Betriebskosten wichtig: Nach Abstumpfen einer Seite konnte der Anwender die Scheibe umdrehen, bevor sie nachgeschärft oder ersetzt werden musste.
Ein Auktionskatalog von Soulis Auctions verzeichnet außerdem eine frühe JUPITER mit zwei Ersatzklingen. Das ist ein Beleg dafür, dass zumindest einzelne erhaltene Gerätezusammenstellungen zusätzliche Schneidwerkzeuge umfassen; aus einer heutigen Auktionsausstattung lässt sich allerdings nicht sicher ein bestimmter historischer Lieferumfang ableiten.
Die Markteinführung der JUPITER und der frühe Vertrieb im Deutschen Reich (1897–1898)
Bereits am 14. September 1897 berichtete eine Beilage des Hamburgischen Correspondenten über die öffentliche Vorführung einer Bleistiftspitzmaschine von Guhl & Harbeck. Das Gerät wurde auf einer Ausstellung von Schuleinrichtungen neben Schultischen, Wandtafeln und weiteren Lehrmitteln vorgestellt. Damit ist die Präsentation der ersten Maschinengeneration bereits für 1897 belegt; zugleich zeigt sich, dass Guhl & Harbeck auch den Schul- und Unterrichtsbedarf als mögliches Absatzfeld erschloss.
Einen weiteren wichtigen Nachweis liefern die Nachrichten für Stadt und Land vom 3. November 1898. Die Oldenburger Zeitung berichtete, dass die Bleistiftschärfmaschine unter der Bezeichnung „Jupiter“ gerade in den Handel gekommen sei, und nannte Guhl & Harbeck als alleinige Fabrikanten. Als mögliche Käufer wurden insbesondere Zeichner, Buntstiftmaler, Ingenieure, Feldmesser und Architekten angesprochen. Den örtlichen Vertrieb hatte das Warenhaus Carl Strauß in Osternburg übernommen. Außerdem war eine Ausstellung der Maschine in der Zigarrenhandlung Hans Kruse in Oldenburg angekündigt.
Die beiden Zeitungsberichte dokumentieren unterschiedliche Wege der frühen Marktbearbeitung: die öffentliche Vorführung im Umfeld des Schulbedarfs und die Vermarktung über den allgemeinen Einzelhandel. Während die Präsentation bereits für September 1897 nachgewiesen ist, lassen sich konkrete deutsche Verkaufsstellen spätestens für den Herbst 1898 benennen.
Die erste JUPITER auf dem amerikanischen Markt (1897–1905)
Ein amtlicher Nachweis belegt die Beschaffung einer JUPITER durch das amerikanische Marineministerium bereits 1901. In den Ausgabenabrechnungen des Navy Departmentist für den 24. Juni der Kauf einer „Jupiter pencil sharpener“ für 6,25 US-Dollar verzeichnet. Lieferant war die Washingtoner Firma Geo. F. Muth & Co., womit ein weiterer amerikanischer Verkaufskanal dokumentiert ist.
Weitere Unterlagen belegen die fortgesetzte Beschaffung und Wartung der JUPITER. Im Juni 1904 rechnete das amerikanische Finanzministerium mehrere Ausgaben ab: Am 8. Juni kosteten ein Fräsrad und die Reinigung einer vorhandenen Maschine zusammen 1,50 US-Dollar. Am 14. Juni folgten eine vollständige JUPITER für 6,50 US-Dollar und ein weiteres Fräsrad für 1,25 US-Dollar. Am 20. Juni wurde nochmals ein Fräsrad für 1,25 US-Dollar beschafft. Lieferant war jeweils Geo. F. Muth & Co.
Die Unterlagen dokumentieren den Einsatz der JUPITER in amerikanischen Bundesbehörden sowie die Versorgung mit Ersatzteilen und Wartungsleistungen.
Mit R. P. Andrews & Co.ist ein weiterer amerikanischer Lieferant nachweisbar. Das Unternehmen erscheint in einer amtlichen Abrechnung für eine JUPITER und weitere Artikel. Der Gesamtbetrag von 5,01 US-Dollar ist jedoch ein Sammelbetrag und kein gesicherter Einzelpreis der Maschine.
Weitere amerikanische Nachweise
Auch das Smithsonian National Museum of American Historyin Washington besitzt eine frühe JUPITER N. Der Jahresbericht des United States National Museum für 1948 dokumentiert ihre Übernahme durch eine Schenkung von Eleanor Tatge. Die Beschreibung nennt Favor, Ruhl & Co. und Guhl & Harbeck, wobei der Hamburger Firmenname irrtümlich als „Garbeck“ wiedergegeben wird. Der Beleg bestätigt die amerikanische Präsenz der ersten JUPITER-Generation unabhängig von späteren Sammlerbeschreibungen.
Weitere erhaltene Exemplare tragen die Patentangabe „U.S. Pat. Nov. 2, 1897“. Ein solches Gerät mit goldfarbener Beschriftung wurde von Soulis Auctions dokumentiert. Zur versteigerten Maschine gehörten zwei Ersatzschneiden; ob sie bereits Teil des ursprünglichen Lieferumfangs waren, ist unbekannt.
Ein zusätzlicher Auktionshinweis nennt für eine JUPITER von Guhl & Harbeck die amerikanische Patentnummer 593093. Ihre Zuordnung zum Patentdatum 2. November 1897 muss noch anhand der vollständigen Originalpatentschrift überprüft werden. Das Datum auf den erhaltenen Maschinen und die bislang nicht abschließend bestätigte Patentnummer sind daher getrennt zu betrachten.
Ein weiterer Hinweis betrifft eine frühe JUPITER, die 2009 in New York versteigert wurde. Der Auktionskatalog beschreibt die Aufschrift „Swan Pencil Co., Nuremberg“.
Ein Schulgerät im damaligen Österreichisch-Schlesien
Ein frühes Anwendungsbeispiel liefert der Jahresbericht der k. k. Staatsgewerbeschule Bielitz für 1901/1902. Die Schule erwarb zwei Bleistiftschärfmaschinen von Guhl & Harbeck für ihre Zeichensäle und berichtete, dass sie sich gut bewährt hätten. Da dieser Beleg vor der überarbeiteten Generation von 1905 liegt, betrifft er Maschinen der frühen JUPITER-Familie. Er ist gerade deshalb wertvoll, weil er nicht bloß ein Werbeversprechen, sondern den Ankauf und den Gebrauch an einer technischen Lehranstalt belegt. Das damalige Bielitz liegt im heutigen Bielsko-Biała in Polen.
Die überarbeitete JUPITER 1: Führung, Fräser und Bedienung (ab 1905)
Nach wenigen Jahren wurde die ursprüngliche JUPITER grundlegend überarbeitet. Die verbesserte JUPITER 1 besaß eine neue Anordnung des Fräsers und der Bleistiftführung sowie einen herausnehmbaren Spänebehälter. Ein unmittelbarer technischer Primärbeleg ist das US-Patent 830662 von Heinrich August Hermann Guhl: angemeldet am 14. Juli 1905 und erteilt am 11. September 1906. Es gab außerdem ein britisches Patent Nr. 12772 vom 20. Juni 1905.
Das amerikanische Patent erläutert das Problem einer ungünstigen Schneidrichtung. Der Fräser durfte die wachsende Spitze nicht so belasten, dass das Holz am Ende ausriss oder die Mine brach. Deshalb wurde die Spitze nahe am Schnitt von einer innen konischen, seitlich geschlitzten Führung unterstützt. Durch den Schlitz greift die geneigte Schneide der Frässcheibe an. Die Fräskanten sind gegenüber den Scheibenradien versetzt; die Materialabnahme soll gleichmäßig erfolgen. Ein austauschbarer Fräser und ein unter dem Werkzeug angeordneter Spänebehälter machen die Maschine wartungsfreundlicher.
Der Antrieb besitzt weiterhin zwei Bewegungen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Das große Zahnrad wird über die Handkurbel bewegt; ein rechtwinklig angeordnetes kleineres Rad treibt das Schneidwerkzeug schneller an. Ein anderer Getriebezweig überträgt die Bewegung auf die Bleistiftaufnahme. Das Museum vermutet für diesen Teil des Antriebs ungefähr eine 1:1-Übersetzung. Exakte Zähnezahlen beziehungsweise eine gesicherte Drehzahl der Frässcheibe sind nicht veröffentlicht.
Die verschiebbare Bleistiftaufnahme gleitet entlang einer Antriebswelle und einer weiteren parallelen Führung. Der Schlitten kann deshalb auf unterschiedliche Bleistiftlängen eingestellt und während der Drehung vorgeschoben werden. Die hintere Aufnahme hält den Stift drehfest; eine konische Führung unterstützt sein vorderes Ende. Der Benutzer muss während des Spitzens nur behutsam in Richtung des Werkzeuges vorschieben.
Hier Abbildungen von 2 gut erhaltenen Exemplaren:

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Ein Exemplar des britischen Science Museum (1961-9) wird mit rund 35 × 16,5 × 15,5 cm und 3,125 kg angegeben. Es stammt aus der St. Luke’s Church of England Primary School. Auch dies ist ein konkreter Einsatzkontext: Eine der ursprünglich für Büros und Zeichenabteilungen gedachten Maschinen fand im Schulbetrieb Verwendung.
Fachpresse, Preis und richtige Aufstellung (1908 - 1909)
Der „Anzeiger für Architektur, Kunsthandwerk und Bau-Industrie“ stellte 1908 eine Spitzmaschine von Guhl & Harbeck vor. Sie wurde mit 18 Mark beziffert und besonders für größere Zeichenbüros empfohlen. Die Zeitschrift hob die unkomplizierte Bedienung, die gleichmäßige Anspitzung und die sparsame Materialabnahme hervor:
"Die Bleistiftspitz-Maschine von Guhl & Harbeck.
Das Bleistiftspitzen mit einem Messer ist zweifellos eine mühsame und wenig angenehme Beschäftigung, denn zur Erzielung einer guten Spitze gehört Uebung und Geschicklichkeit, und das Beschmutzen der Finger ist dabei fast unvermeidlich. Noch mehr machen die Uebelstände sich beim Anspitzen von Tinten- und Farbstiften bemerkbar, gesteigert dadurch, dass bei den wenig widerstandsfähigen, brüchigen Stoffen, aus denen die Einlagen dieser Stifte bestehen, selbst den geübtesten Händen die Spitzen beim Anschneiden oft abbrechen.
Man versuchte vielfach, diesen lästig empfundenen Uebelständen durch Anwendung der bekannten verschiedenartigen kleinen mechanischen Bleistiftspitzer, -Feilen u. dergl. abzuhelfen, aber nur mit teilweisem Erfolg; denn einerseits lässt sich durch deren Verwendung weder das Beschmutzen der Finger noch das Abbrechen der Spitzen vermeiden, andrerseits ist der dabei entstehende Graphit- oder Farbstoffstaub eine höchst lästige Zugabe.
Neuerdings ist nun eine kleine zweckmässige Maschine auf den Markt gebracht worden, die auf diesem Gebiet einen ganz erheblichen Fortschritt bedeutet, da sie alle jene Mängel vollständig beseitigt. Bei ungemein leichter, angenehmer Handhabung gibt sie sowohl Blei- wie Farbstiften, kurzen und langen, dicken und dünnen, runden und eckigen eine schlanke, vollendet konisch geformte Spitze und sammelt zugleich den Abfall, ohne dass die Finger irgendwie mit ihm in Berührung zu kommen brauchen.
Die Maschine ist folgendermaßen zusammengesetzt: Auf einem gusseisernen Gestell mit Bock ist eine gezähnte Gleitstange befestigt, an dieser ein Schlitten mit einem drehbaren Konus befindet. In diesen werden die Bleistifte mit ihrem stumpfen Ende hineingesteckt. Dann wird der Schlitten vorgeschoben, bis ihr anderes, zu spitzendes Ende in eine Öffnung gelangt, die an einer in schräger Stellung mit Messerschneiden besetztes Rad entlang läuft. Dieses Rad wird mittels einer Handkurbel gedreht, indem man gleichzeitig auf einen oberhalb des Schlittens befindlichen, sich gegen die Zähne der Gleitstange stützenden Hebel drückt und hierdurch den Stift allmählich und stetig vorwärts schiebt. Die Schneiden des Messerrades greifen zunächst das Holz, dann die Mine an. Sieht man während des Drehens von oben her auf das Messer herab, so kann man das Entstehen der Spitze beobachten und erkennen, ob und wann sie die richtige Form erhalten hat. Durch Zurückschieben des Schlittens wird der Stift dann in einfachster Weise wieder herausgenommen. Der Abfall wird in einer unter dem Rade befindlichen schalenförmigen Vertiefung gesammelt und kann von dort zeitweilig leicht entfernt werden.
Die kleine gefällig geformte Maschine ist gediegen und sorgfältig hergestellt. Sie arbeitet ausserordentlich wirtschaftlich, da einerseits nur das notwendigste Holz weggenommen wird, anderseits ein Abbrechen der Spitze vollkommen ausgeschlossen ist. Die Anschaffung macht sich daher in kurzer Zeit bezahlt. Die Maschine kann durch jedes grössere Zeichenmaterialiengeschäft oder unmittelbar von den Fabrikanten Guhl & Harbeck in Hamburg bezogen werden. Sie kostet 18 M. Ihre Anschaffung empfiehlt sich besonders für grössere Zeichenbüros; sie bietet aber auch für den einzelnen Architekten sowohl eine grosse Annehmlichkeit wie den Vorteil der Zeit- und Materialersparnis, last not least die Sicherheit, manchen Ärgers überhoben zu sein."
Im Juni 1909 (Nr. 6) folgte ein Bericht über eine neue Form der JUPITER mit weiter verbesserter Handhabung und gleichmäßigerem Lauf. Die entstehende Spitze ließ sich besser beobachten.
"Eine neue Bleistiftschärfmaschine von Guhl & Harbeck
In Nr. 7 des vorigen Jahrganges wurde an dieser Stelle die damals neu in den Handel gebrachte Bleistiftspitzmaschine von Guhl & Harbeck in Hamburg besprochen und wegen ihrer Nützlichkeit gerühmt. Sie war so einfach und geistvoll konstruiert, so handlich im Gebrauch, dass das Bedürfnis nach einer Änderung nicht entstand und eine Verbesserung kaum erwartet wurde. Überraschenderweise tritt die genannte rührige Firma jetzt mit einer neuen Form der Maschine, die sie Jupiter nennt, an die Öffentlichkeit, die ganz wesentliche Verbesserungen aufweist. Die Handhabung ist leichter und bequemer als bei der früheren Maschine, der Gang des vortrefflich gearbeiteten Getriebes gleichmäßiger. Die wichtige Möglichkeit, die Entstehung der Spitze zu beobachten, die dort nur unvollkommen war, ist hier vollständig erreicht. Die beigegebene Abbildung mit einem Auszug aus der Gebrauchsanweisung mag das Nähere lehren.
Die Leistung der Maschine kommt besonders zur vollen Geltung, wenn sie mit drei Holzschrauben an einem hellen Platz, Fensterbrett oder Tisch, festgeschraubt wird. Soll die Maschine an verschiedenen Standorten benutzt werden, so stellt sie sich auch durch ihr Eigengewicht, nur kann man dann nicht so schnell darauf arbeiten. Man stelle die Maschine lang vor sich, und zwar so, dass die hintere flache Seite des Handrades unserem Körper zugewandt ist. Hauptsache ist dabei, dass helles Licht auf die Bleistiftspitze fällt, damit man sehen kann, wie sie sich bildet.
Man steckt den Bleistift mit der Spitze in das Loch (siehe Abb.) und schiebt mit der andern Hand den Schlitten vor, bis das hintere Ende des Bleistiftes im Loch festsitzt. Jetzt dreht man das Rad behende schnell herum und drückt dabei den Schlitten mit der linken Hand vor, indem man mit dem Daumen einen der Zapfen und mit dem Zeigefinger die Schlittenhandhabe erfasst und zusammendrückt. Ganz wie man drückt, arbeitet die Maschine, schnell oder langsam. Ebenso kann man nach Wunsch die Spitze nadelspitz, zum Zeichnen oder weniger spitz zum Schreiben anschärfen.
Wenn nach längerer starker Benutzung die Maschine nicht mehr so schnell und leicht spitzt wie zu Anfang, oder wenn die Bleispitzen beim Anschärfen abbrechen, muss eine neue Messerscheibe aufgesetzt werden. Zu diesem Zweck greift man den rauhtirten Kopf der Schraube mit einem Tuch fest an und schraubt ihn in der Richtung des Pfeiles (siehe Abb.) so weit zurück, bis die kleine Welle mit dem Rad und der Messerscheibe herausfällt. Dann umwickelt man das kleine Zahnrad mit einem Tuch, um es festhalten zu können, und schraubt jetzt die Messerscheibe los (linkes Gewinde), wie an der Richtung des Pfeiles (siehe Abb.) ersichtlich. Jetzt reinigt man das Gewinde und die Spitzen der kleinen Messerscheibenwelle und schraubt die neue Messerscheibe mit der Hand fest. Dann gibt man den beiden Spitzen der kleinen Welle etwas Öl und bringt sie an ihren Platz zurück, indem man mit der Hand die Schraube wieder fest anschraubt. Jede neue Messerscheibe passt ohne weitere Regulierung zu jeder Jupiter-Maschine.
Bei sehr vielen Bleistiften sitzt das Blei leider nicht in der Mitte des Holzes, dies ist die Ursache, wenn die Jupiter-Maschine einen Bleistift einseitig anschärft. Sobald man diesen Übelstand beim Anschärfen eines Bleistiftes bemerkt, dreht man das Handrad nur so langsam herum, dass man die Arbeit der Messerscheibe genau verfolgen kann. Sowie dann das lang einseitig vorstehende Holz die Messerscheibe passiert, drückt man den Schlitten mit dem Bleistift kräftig vor, aber nur in diesem Augenblick. Hat man nach zwei- oder dreimaligem Herumdrehen an der richtigen Stelle gedrückt, so ist das lang vorstehende Holz weggeschnitten und selbst der schlechteste Bleistift gerade angeschärft. Alle Teile der Maschine sind, falls ein Ersatz nötig werden sollte, zu niedrigen Preisen einzeln käuflich.
Die Maschine ist von der Firma selbst zu beziehen und kostet 18 M. Ihre Anschaffung kann jedem, der häufiger Blei- oder Buntstifte zu spitzen hat, auf das wärmste empfohlen werden. Das sonst lästige Geschäft wird durch sie zum Vergnügen."
Für den täglichen Gebrauch sollte die Maschine möglichst mit drei Holzschrauben an einem Tisch oder Fensterbrett befestigt werden. Sie ließ sich aufgrund ihres Eigengewichts auch ohne feste Montage bedienen; die feste Aufstellung erleichterte jedoch das Kurbeln und das kontrollierte Vorschieben. Die Empfehlung eines hellen Standortes passt zum Einsatz im Zeichenbüro, in dem der Benutzer die Beschaffenheit der Spitze kontrollieren musste.
Erhaltene Originalbeschriftungen geben auch Wartungsvorschriften wieder: Die runde und die flache Gleitstange sollten wöchentlich mit Petroleum gereinigt und mit einem trockenen Lappen nachgewischt werden. An fünf rot markierten Schmieröffnungen sollte jeweils ein Tropfen Öl gegeben werden; überflüssiges Öl war abzuwischen. Die Hinweise auf dem Mailänder Exemplar dokumentieren die Pflege als festen Bestandteil der Konstruktion.
Hamburg, Berlin-Reinickendorf und die Herstellung für fremde Händler
Die JUPITER war in Konstruktion und Vertrieb ein Erzeugnis von Guhl & Harbeck. Ihre Herstellung erfolgte jedoch nachweislich nicht durchgehend ausschließlich in Hamburg. Der Katalog des Heimatmuseums Reutlingen verzeichnet eine JUPITER 1 aus dem Zeitraum 1905–1910 und nennt die Fabrik Stolzenberg GmbH in Berlin-Reinickendorf als Hersteller für die Hamburger Firma. Ungeklärt bleiben Dauer und Umfang dieser Geschäftsbeziehung sowie die Frage, ob Stolzenberg komplette Maschinen oder nur einzelne Baugruppen herstellte.
Eine weitere Besonderheit ist der Vertrieb über große Bleistiftunternehmen. Die JUPITER 1 im Mailänder Museum trägt die Händlerkennzeichnung Theyer & Hardtmuth, Wien I, Kärntnerstraße 9. Ein erhaltenes Exemplar im australischen Coal Creek Community Park & Museum nennt L. & C. Hardtmuth, London W.C.2. Beide Geräte belegen konkrete Handelsverbindungen, aber für sich genommen weder einen österreichischen noch einen britischen Exklusivvertrag.
Unter der Beschriftung „Johann Faber Nürnberg“ ist eine weitere JUPITER 1 nachgewiesen. Sie befindet sich in der National Library of New Zealand (Objects-0569). Der Katalog bezeichnet Guhl & Harbeck als Hersteller im Auftrag des Nürnberger Bleistiftunternehmens. Welche vertragliche Rolle Johann Faber innehatte und in welchen Ländern die entsprechend gekennzeichnete Ausführung vertrieben wurde, ist noch zu ermitteln. Der Fund zeigt aber deutlich, dass der Absatz nicht auf die eigene Hamburger Firmenmarke beschränkt war.
Die JUPITER im Arbeitsalltag und auf weiteren Auslandsmärkten
Einen guten Beleg für die Verwendung in der deutschen Verwaltung liefert die Museumsstiftung Post und Telekommunikation: Ihre JUPITER 1 (Inventar 3.2010.1001) stammt aus dem Postamt 36 in Hamburg, wird auf etwa 1920 datiert und wiegt 3,53 kg. Sie ist mit 355 × 132 × 160 mm dokumentiert. Die Stiftung zeigt eine Aufnahme des Originals von Peter Boesang.
Die heutige Verbreitung erhaltener Maschinen reicht weit über Deutschland hinaus. Neben dem Wiener und Londoner Handel sind Objekte in Museen und Sammlungen in Italien, Großbritannien, Neuseeland, Australien, den USA, Schweden, Finnland und Brasilien dokumentiert.
Ein brasilianischer Sammler beschreibt eine JUPITER 1 mit Resten spanischsprachiger Aufkleber und einer Markierung „2 11 29“. Diese Markierung könnte ein Datum sein, ist aber ohne Herstellerunterlagen nicht als sicherer Fertigungstag zu behandeln. Auch lässt die spanischsprachige Beschriftung den genauen Exportweg offen.
Die Unternehmerfamilie und weitere Produkte bis 1928
Nach dem Tod Christian Friedrich Harbecks 1899 führte Heinrich Guhl das Unternehmen zunächst allein. Von 1904 an traten Söhne in die Firma ein; Richard, Martin und Hans Guhl übernahmen nach und nach Leitungsaufgaben. Der älteste Sohn Christian Emil Hermann Guhl war zudem mit der Karlsruher Nähmaschinenfirma Junker & Ruh verbunden und schied 1911 aus dem Hamburger Betrieb aus. 1927 verließen Richard und Hans Guhl die Gesellschaft, sodass Martin Guhl die Firma allein fortführte.
Die Patentüberlieferung zeigt für diese Zeit eine anhaltend breite Konstruktionstätigkeit: 1919 meldete Hermann August Hans Guhl ein leichter herzustellendes Nähmaschinenoberteil an, 1921 folgte ein Gasheizbrenner, der Guhl & Harbeck ausdrücklich als Gießerei in Hamburg nennt. Martin Guhl meldete 1926 einen Tisch für Näh- und Büromaschinen mit klappbarer Hilfsplatte an, 1927 wurde unter dem Firmennamen ein Nadelhalter für Nähmaschinen geschützt.
Die nächste wesentliche Stufe der JUPITER entstand unter Martin Guhl. Das Patent Nr. 493336, angemeldet am 14. Dezember 1928 und veröffentlicht am 12. März 1930, beschreibt eine „Bleistiftschärfvorrichtung“. Die Patenterteilung war am 20. Februar 1930 bekannt gemacht worden. Anders als eine völlig neue Fräsmaschine schützt das Patent eine verbesserte Begrenzung des Vorschubs.
Das Problem war alltäglich: Ein Benutzer konnte den Stift weiter gegen die Frässcheibe drücken, obwohl die erwünschte Spitze schon fertig war. Dabei wurde zusätzlicher Werkstoff abgetragen. Die neue Konstruktion lässt die fertige Bleistiftspitze auf einen beweglichen Widerstand treffen. Dieser bewegt einen Arm, der eine federbelastete Zahnstange verschiebt. Die Zahnstange greift in einen Zahn am Schlitten ein und verhindert einen weiteren Vorschub. Der Kurbelantrieb kann weiterlaufen, ohne dass der Stift weiter an das Werkzeug geschoben wird.
Eine einstellbare Begrenzung sollte unterschiedliche Spitzenformen ermöglichen: Der Benutzer konnte die Lage des Anschlags verändern und dadurch eine kürzere oder längere Spitze wählen. Nach dem Schärfen wurde der Schlitten zurückgezogen; die Sperrung kehrte in die Ausgangslage zurück. Die Originalzeichnung enthält neben den beiden Gesamtansichten Details der Zahnstange und des beweglichen Arms. Sie zeigt ein patentiertes Ausführungsbeispiel; ob sämtliche Serienausführungen der JUPITER 2 in allen Einzelheiten identisch konstruiert waren, ist gesondert zu prüfen.
Ein historisches Exemplar der JUPITER 2 aus dem Postamt Nürnberg 2 gehört zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation (3.2017.3026). Es wird auf etwa 1935 datiert, misst 360 × 130 × 150 mm und wiegt 3,18 kg. Das Postamt gab es 1962 an den späteren Museumsbestand ab.
In Finnland bewahrt die Seefahrtssammlung eine weitere JUPITER 2. Der Katalog nennt Abmessungen von 34,9 × 14,55 × 13,05 cm und dokumentiert unter anderem die originale deutsche Firmenbeschriftung und die Reinigungsvorschrift; der Spänebehälter fehlt. Auch dies belegt ein heute erhaltenes Gerät im nordeuropäischen Raum, ohne dass damit schon der ursprüngliche Verkaufsvorgang bekannt wäre.
In der früheren Schweizer Poststelle Rotkreuz stand eine JUPITER 2 auf einem Stehpult. Sie wurde zum Anspitzen der Bleistifte der PTT verwendet. Die lokale „Rischer Zeitung“ stellte das Gerät im Februar 2023 vor; es gelangte durch den ehemaligen Posthalter Franz Huber in die Sammlung. Der genaue Zeitraum der betrieblichen Nutzung ist nicht vollständig dokumentiert.
Wirtschaftskrise, Krieg und ein Neubeginn (1930–1970)
Nach einem Vergleichsverfahren wurde die Firma Guhl & Harbeck am 31. Oktober 1930 zunächst als erloschen erklärt. Martin Guhl setzte die Produktion am Hamburger Standort jedoch fort. Deshalb darf das handelsrechtliche Datum nicht als Ende sämtlicher Herstellung ausgelegt werden. Während des Zweiten Weltkriegs bestand der Betrieb weiter; bei der Zerstörung des Werks durch einen Bombenangriff im Jahr 1943 kam Martin Guhl ums Leben. Für Beschäftigtenzahlen und den Umfang der JUPITER-Fertigung während des Krieges liegen bislang keine belastbaren Angaben vor.
Nach Kriegsende versuchte Robert Karl Eduard Guhl, ein Enkel des Firmengründers, das Unternehmen wieder aufzubauen. Zum Sortiment gehörten Brieföffner, JUPITER-Spitzmaschinen und weiteres Bürozubehör. Die späten Ausführungen JUPITER 2/51 und 2/51 B hielten am Prinzip des handbetriebenen Fräswerkzeugs fest; einzelne Materialien und Details wurden verändert. Ein dokumentiertes Exemplar der 2/51 B wird mit 35 × 16 × 13 cm, 2,55 kg und einem Spänebehälter aus Kunststoff beschrieben. Die exakten Serien- und Produktionsdaten der Varianten sind noch nicht durch vollständige Firmenkataloge abgesichert.
Auch in anderen Erzeugnissen wurde weiter konstruiert. Das Patent Nr. 852822 (Anmeldung 17. Februar 1951) betrifft einen Brieföffner mit zwei scherenartig bewegten Messern. Eine Ergänzung durch Walter Borgmann wurde 1954 angemeldet und 1956 als Nr. 951428 veröffentlicht. Ein weiteres Patent Nr. 958364 betrifft ebenfalls das Aufschneiden von Briefumschlägen.
Ein deutsches Patent von Alfred Guhl (DE 812292, Anmeldung 1949) beschreibt darüber hinaus eine motorisch angetriebene Bleistiftschärfmaschine mit selbsttätiger Abschaltung. Die personelle oder geschäftliche Verbindung dieses Erfinders zur Hamburger Firma ist bislang nicht belegt. Die Erfindung darf deshalb nicht ohne weiteres als weiteres JUPITER-Modell in die Firmengeschichte eingeordnet werden.
Die Firma konnte sich auf Dauer nicht behaupten. Am 22. Januar 1970 erlosch Guhl & Harbeck endgültig. Damit endete eine Geschichte, die 103 Jahre zuvor mit einem kleinen Hamburger Maschinenbaubetrieb begonnen hatte.
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