Familiengeschichte der Gründer Guhl und Harbeck


Familiengeschichte von Guhl & Harbeck - Die Hamburger Unternehmerfamilien

Die Familiengeschichte der 1867 gegründeten Hamburger Firma Guhl & Harbeck führt von den beiden Gründern Heinrich August Hermann Guhl und Christian Friedrich Harbeck über mehrere Generationen der Familie Guhl bis zur Fortführung des Unternehmens nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Die Gründerfamilien Guhl und Harbeck - Lebenswege, Nachkommen und Unternehmensnachfolge

1. Zwei Gründer – zwei unterschiedlich gut erschlossene Familien

Am 13. Februar 1867 gründeten der mechanisch versierte Heinrich August Hermann Guhl und der Kaufmann Christian Friedrich Harbeck in Hamburg ihre gemeinsame Firma Guhl & Harbeck. Auf dieser Website wird ausführlich über die Geschichte dieser Firma informiert mit Schwerpunkt der Geschichte der Bleistiftspitzmaschine Jupiter informiert.

Die spätere Firmenüberlieferung beschreibt Guhl als Sohn eines Zahnarztes, der schon im elterlichen Haus nahe dem Hamburger Rathaus an mechanischen Vorrichtungen arbeitete. Für Harbeck stand demgegenüber die kaufmännische Erfahrung im Vordergrund. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an. Die Arbeitsteilung der beiden Gründer ist ein plausibler Schlüssel zur frühen Entwicklung des Unternehmens. Über Harbecks familiäre Herkunft und seine privaten Lebensumstände wissen wir jedoch noch erheblich weniger als über diejenigen Guhls.

Die Firma begann mit Maschinen und Geräten für Haushalt und Gewerbe. Die erfolgreiche Nähmaschinenproduktion bildete die wirtschaftliche Grundlage, auf der später Schreibmaschinen, Messerputzmaschinen und schließlich die JUPITER-Bleistiftschärfmaschinen entstehen konnten. Diese Produkte werden hier nur als Lebensstationen ihrer Erfinder und Unternehmer erwähnt. Technische Einzelheiten sowie Fotos und Patentzeichnungen enthält die gesonderte JUPITER-Hauptseite.

2. Christian Friedrich Harbeck: Eine noch offene Herkunftsgeschichte

Christian Friedrich Harbeck blieb auch nach der Ausweitung der Produktion im Firmennamen präsent. Der Kaufmann und Mitgründer von Guhl & Harbeck starb am 16. Januar 1898 im Alter von 56 Jahren. Damit lässt sich sein Geburtsjahr auf 1841 oder 1842 eingrenzen. Anschließend führte Heinrich August Hermann Guhl das Unternehmen zunächst allein.

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit war Harbeck Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und wirkte dort in mehreren Ausschüssen mit. In der Sitzung vom 19. Januar 1898 gedachte der Bürgerschaftspräsident Siegmund Hinrichsen des drei Tage zuvor Verstorbenen und würdigte dessen öffentliche Tätigkeit. Die Bürgerschaft erhob sich zu seinen Ehren. Der Hamburgische Correspondentberichtete darüber am folgenden Tag. Auch die Jahresrückschau der Zeitung vom 31. Dezember 1898 nennt Harbeck mit seinem Todesdatum, seinem Alter und seiner Stellung als Mitinhaber der Firma Guhl & Harbeck.

Während sein Todesdatum und seine öffentliche Tätigkeit damit durch zeitgenössische Quellen belegt sind, bleiben wesentliche Fragen seiner familiären Herkunft offen. Angaben zu seinem genauen Geburtsdatum, seinem Geburtsort, seinen Eltern, einem gesicherten privaten Wohnsitz und seinen Kindern fehlen bisher.

Einen möglichen Hinweis auf seine familiären Verhältnisse gibt eine Hamburger Heiratsmeldung vom 16. Oktober 1869. Sie nennt einen Christian Friedrich Harbeck und Dorothea Emma Elisabeth Guhl. Der vollständige Name des Bräutigams stimmt mit dem des Firmengründers überein. Offensichtlich hatte er in die Familie Guhl eingeheiratet.

Eine 1870 veröffentlichte Sterbemeldung eines totgeborenen Mädchens mit der Vaterangabe „C. F. Harbeck“ ist eine weitere Spur... 

3. Heinrich August Hermann Guhl und Johanna Cäcilie Brandt

Die persönliche Überlieferung des technischen Gründers ist deutlich dichter. Eine Heiratsmeldung des Hamburgischen Correspondenten vom 16. April 1870 nennt ihn mit vollem Namen und Johanna Cäcilie Brandt.

Der Ehe werden in der späteren Firmenüberlieferung neun Kinder, darunter fünf Söhne, zugeschrieben. Mehrere dieser Kinder sind inzwischen über zeitgenössische Familienanzeigen unabhängig namentlich erfasst. Die Überlieferung von neun Kindern ist gleichwohl noch nicht durch eine vollständige Folge von Geburts- beziehungsweise Taufregistern bestätigt.

Im Hamburger Fremdenblatt vom 3. Februar 1890 wird er als gewähltes außerordentliches ziviles Mitglied der Ersatzkommission II des Hamburger Aushebungsbezirks für die Jahre 1890 bis 1892 genannt. Das belegt eine öffentliche Funktion neben dem Unternehmen.

Einen Einblick in sein Alltagsumfeld erlaubt das Deutsche Automobil-Adressbuch von 1909: Dort ist ein „Guhl, Hr. August Herm.“ mit dem Hamburger Kennzeichen HH 772 und einem Personenwagen verzeichnet. Der Eintrag nennt den Normannenweg 24. Das ist der Standort des Unternehmens und somit kein sicherer Beleg für eine Privatwohnung.

Ein weiterer neuer Familiennachweis betrifft Johanna Guhl. Im Hamburger Fremdenblatt vom 30. Dezember 1927 erschien eine Todesanzeige für „Johanna Guhl, geb. Brandt“.

Das genaue Todesdatum Heinrich August Hermann Guhls konnte ebenfalls nicht durch einen frei zugänglichen Originaleintrag bestätigt werden. Die Firmengeschichte dokumentiert seine Nachfolge durch die Söhne.

4. Die Geschwistergeneration: Was die Anzeige von 1942 verrät

Ein Schlüssel zur Rekonstruktion der Familie ist die Todesanzeige für Hanna Guhl vom 10. März 1942. Hanna war am 19. Februar 1942 nach kurzer schwerer Krankheit in Wiesbaden verstorben. Die Familienanzeige bezeichnet sie als Schwester, Schwägerin und Tante und führt die Hinterbliebenen namentlich auf. Das Dokument nennt die Geschwister Hermann, Eduard, Martin, Richard, Margarete, Hans und Helene; mit Hanna selbst sind somit acht Kinder der Gründerfamilie namentlich fassbar. Für das in der Überlieferung angegebene neunte Kind fehlt bislang ein sicherer Namensnachweis.

Die Anzeige eröffnet auch einen Blick auf die räumliche Verteilung der Familie. Hermann und seine Frau Emmy lebten in Karlsruhe, Eduard und Erna in Lübeck, Margarete in Freiburg im Breisgau; mehrere weitere Angehörige waren weiterhin in Hamburg ansässig.

Eine weitere Mitteilung des Hamburger Fremdenblatts vom 9. April 1942 kündigte die Beisetzung Hanna Guhls am 11. April, 10 Uhr, auf dem Friedhof Ohlsdorf, Kapelle 2, an. Unterzeichnet wurde sie von den Geschwistern; als Kontaktanschrift erschien Bülaustraße 8.

5. Hermann Guhl und Emilie Junker: Von Hamburg nach Karlsruhe

Der älteste Sohn wird als Christian Emil Hermann Guhl geführt. Er heiratete eine Tochter des Karlsruher Fabrikanten Karl Junker. Das Aufgebot der Hamburger neuesten Nachrichten vom 9. Januar 1900 nennt „Christian E. H. Guhl“ und „Emilie H. Junker“. Spätere Familienanzeigen verwenden für Emilie den Rufnamen Emmy.

Hermann Guhl trat 1903 in die Leitung des Karlsruher Unternehmens Junker & Ruh ein. Die historische Firmenfestschrift von 1953 bezeichnet ihn als Schwiegersohn Karl Junkers und beschreibt seine spätere Rolle als technischen Leiter. Nach dem Rückzug des Gründers im Jahr 1910 und dem Tod von Karl Junker junior 1911 blieb Hermann in der Führung. Die Verbindung zwischen den Unternehmerfamilien war daher sowohl persönlich als auch wirtschaftlich bedeutsam. 

In späteren Veröffentlichungen erscheint Hermann mit der Bezeichnung Dr.-Ing. E. h.. Ein mit dem Namen Hermann Guhl und Emilie Guhl, geborene Junker, verknüpfter technischer Patentnachweis aus der Zwischenkriegszeit zeigt die fortdauernde Verbindung zum Karlsruher Industrieunternehmen.

Die bislang vorliegenden Nachweise nennen Karlsruhe als Lebensort des Ehepaares.

6. Grete Guhl: Die zweite Verbindung zur Familie Junker – und ein neuer Nachweis von 1912

Die Beziehung der Familien Guhl und Junker bestand nicht nur aus der Ehe Hermanns mit Emmy Junker. Karl Junker junior war seinerseits mit Grete, geborene Guhl, verheiratet. Eine Karlsruher Todesanzeige vom 16. Januar 1911 nennt den im Alter von 39 Jahren verstorbenen Fabrikanten und seine Witwe Grete mit drei Kindern. Zu den dort ebenfalls aufgeführten Angehörigen gehören Emmy und Hermann Guhl. Die beiden Familien waren folglich durch zwei Ehen miteinander verbunden.

Nach Karl Junkers Tod blieb die familiäre Beziehung bestehen. Neu besonders aufschlussreich ist die Verlobungsanzeige vom 14. Oktober 1912: Der Hamburgische Correspondent nennt „Grete Junker, geb. Guhl“ und einen Amtsrichter W. Schmidt. Zugleich erscheinen Ortsangaben zu Groß Flottbek/Hamburg und Gremsmühlen. Damit lässt sich der bereits vermutete spätere Familienname Schmidt erstmals durch einen zeitgenössischen Übergangsnachweis erklären. Der Text meldet eine Verlobung.

Die Anzeige für Hanna Guhl von 1942 führt unter den Geschwistern eine Margarete Schmidt, geborene Guhl, mit Aufenthaltsort Freiburg im Breisgau auf. Die Kombination aus früherem Namen Grete Junker, der Verlobung mit W. Schmidt und der später genannten Margarete Schmidt macht die Identität sehr gut begründet. Grete war zunächst mit dem Karlsruher Fabrikantensohn verheiratet, verlor ihn früh und ging offenbar eine weitere Ehe mit einem Juristen ein. 

7. Eduard Guhl und Erna Studt: Ein Lebensweg abseits des Hamburger Betriebs

Eduard Guhl gehört zu den fünf Söhnen, die durch die Familienanzeige von 1942 belegt sind. Dort erscheint er mit seiner Ehefrau Erna, geborene Studt, in Lübeck.

Eine Meldung des Hamburgischen Correspondenten vom 27. Oktober 1911 nennt unter den Geburten eines Knaben Eduard Guhl und Erna, geb. Studt. Die Nachricht enthält die Ortsangabe Rittergut Schwartow bei Boizenburg an der Elbe. Sie belegt einen Sohn des Ehepaares im Jahr 1911 und verortet die Familie zumindest zum Zeitpunkt der Nachricht im Umfeld von Schwartow. Ob Eduard das Rittergut besaß, verwaltete, dort wohnte oder sich nur zeitweilig dort aufhielt, bleibt ungeklärt.

Zusammen mit der späteren Nennung Lübecks zeichnet sich für Eduard ein Lebensweg außerhalb der Hamburger Firmenadresse ab. 

8. Richard und Hans Guhl: Familienmitglieder in der Hamburger Firmenleitung

Mit Richard Guhl und Hans Guhl traten weitere Söhne in die Gesellschaft ein. Die Firmenüberlieferung berichtet, dass ab 1904 zunächst Richard, später Martin und Hans die Unternehmensführung ergänzten. Beide – Richard und Hans – schieden 1927 wieder aus der Gesellschaft aus. Über ihre privaten Lebensläufe ist hingegen weniger bekannt als über denjenigen Martins.

Für Richard nennt eine Hamburger Veröffentlichung von 1908 den ausführlicheren Namen Oswald Richard Guhl und die Anschrift Jordanstraße 9. Auch das historische Fernsprechverzeichnis von 1913 führt Richard unter dieser Adresse. Der wiederholte Nachweis lässt eine Wohn- beziehungsweise Kontaktadresse in Hamburg-Hamm erkennen.

Der Geschwisterzusammenhang wird noch 1942 durch die Anzeige für Hanna bestätigt.

9. Adolph Paul Martin Guhl: Ehe, Wohnstationen und Kinder

Der spätere Alleinleiter Adolph Paul Martin Guhl wurde nach den zu seinem Sterberegister zusammengetragenen Angaben am 9. Juni 1874 in Hamburg geboren. Als Eltern nennt die Zusammenstellung Heinrich August Hermann Guhl und Johanna Cäcilie, geborene Brandt.

Martin ist derjenige Sohn, für den bislang die klarste Folge Hamburger Anschriften vorliegt. Eine Mitteilung von 1906 nennt ihn als Kaufmann unter Hinter der Landwehr 19. Im Fernsprechverzeichnis von 1913 wird Dimpfels Weg 1 angegeben. Beide Stationen gehören in den räumlichen Zusammenhang von Hamburg-Hamm.

Die Hamburger Presse veröffentlichte im Februar 1912 eine Familienmeldung über Martin und Leoni Auguste Johanna Frieda Schunke. Die Sterberegister-Zusammenstellung nennt für die Eheschließung allerdings den 15. Mai 1912 in Charlottenburg.

Für Februar 1913 ist die Geburt eines Knaben des Ehepaares Martin und Leoni Guhl gemeldet. Dass es sich um den später namentlich bekannten Alfred oder Robert handelte, kann aus der Geburtsmeldung nicht geschlossen werden. 

Aus einer späteren Familienanzeige sind weitere Angehörige bekannt: Alfred Guhl und seine Frau Ursula, geborene Plambeck, Robert Guhl und Annemarie Guhl. Sie erscheinen im unmittelbaren Familienzusammenhang Martins.

1927 übernahm Martin die alleinige Leitung von Guhl & Harbeck. Sein Name ist mit der Weiterentwicklung der JUPITER-Spitzmaschine um 1928 verbunden, insbesondere mit einer Einrichtung zur Begrenzung des Bleistiftvorschubs. Darüber hinaus war er mit der Bewältigung wirtschaftlicher Schwierigkeiten befasst; nach dem Vergleichsverfahren von 1930 wurde die Produktion am Hamburger Standort fortgesetzt. Für diese zweite, unternehmerische Lebensphase sei auf die technische und wirtschaftliche Hauptseite verwiesen.

10. Der 26. Juli 1943: Martins Tod und die Hinterbliebenen

Die Luftangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 trafen auch die Familie Guhl. Martin starb am 26. Juli 1943 an den Folgen dabei erlittener Verletzungen. Seine erst am 16. September 1943 veröffentlichte Todesanzeige im Hamburger Fremdenblatt nennt ihn als im 70. Lebensjahr Verstorbenen:

Als Hinterbliebene nennt die Anzeige Leoni Guhl, geborene Schunke, Alfred Guhl und seine Frau Ursula, geborene Plambeck, Robert Guhl sowie Annemarie Guhl. Bei Robert steht der Hinweis, er befinde sich zu diesem Zeitpunkt bei der Wehrmacht.

Die auf Standesamtsangaben beruhende Zusammenstellung der Hamburger Bombenopfer führt Alte Rabenstraße 6 als Martins letzte Wohnanschrift und nennt eine weitere Ortsangabe Friedrichsberger Straße 60 im Zusammenhang mit seinem Tod. Sie verweist auf Hamburg 6a, Nr. 1287/1943, eingetragen am 3. November 1943.

11. Leoni, Robert und die letzte Generation der Familienfirma

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint Leoni Guhl in der Firmengeschichte als Eigentümerin der wieder aufgenommenen Firma. Ihr Name ist nicht nur eine betriebliche Angabe: Mit der Heiratsmeldung von 1912 und der Todesanzeige von 1943 lässt sie sich als Ehefrau Martins in einen konkreten familiären Zusammenhang stellen. Über ihre eigenen Lebensdaten, die frühen Jahre der Familie Schunke und private Wohnorte nach 1945 sind jedoch noch keine belastbaren vollständigen Angaben ermittelt worden.

Robert Karl Eduard Guhl, als Enkel des Gründers bezeichnet, setzte die Geschäftstätigkeit fort. Zu den Nachkriegsprodukten gehörten spätere Ausführungen der JUPITER sowie Brieföffner und weiteres Bürozubehör.

Mit dem endgültigen Erlöschen der Firma am 22. Januar 1970 endete die mehr als hundertjährige Geschichte des Unternehmens.


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