Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichte der Bleistiftspitzer
Die Geschichte der Firma Wilhelm Kober & Co. (Suhl) und der mysteriöse Famulus
Die 1874 gegründete Firma Wilhelm Kober & Co. aus Suhl entwickelte sich zu einem bedeutenden Hersteller von Metallwaren und Haarschneidemaschinen und ließ bereits 1908 die Marke FAMULUS schützen, deren Warenverzeichnis auch Bleistiftspitzer umfasste.
Eine Bleistiftspitzmaschine Famulus wurde zwar in einer Bürowarenzeitung genannt, tauchte aber ansonsten nirgends mehr auf.
Ich freue mich sehr über jeden Hinweis zu dieser Firma und ganz besonders zu der Spitzmaschine Famulus (siehe Kontakt). Gern können Sie auch etwas ins Gästebuch schreiben!
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Die Firma Wilhelm Kober & Co.
1874 – Gründung und Entwicklung der Firma
R. Wilhelm Kober gründete 1874 in Suhl eine Werkstatt zur Herstellung von Jagdgeräten und Waffenzubehör. Ihre anfängliche Ausstattung bestand lediglich aus einer Drehbank und zwei Schraubstöcken.
1882 trat Albert Kober als Teilhaber in die offene Handelsgesellschaft Wilh. Kober & Co. ein. Im selben Jahr wurde die Fertigung wegen des wachsenden Platzbedarfs an die sogenannte Mittelmühle verlegt.
Mit der Aufnahme der Herstellung von Haarschneidemaschinen im Jahr 1889 erschloss das Unternehmen einen neuen Geschäftszweig. Derartige Maschinen wurden nach der überlieferten Firmengeschichte zuvor vor allem in Frankreich und den Vereinigten Staaten hergestellt.
1900 erwarb Kober die Glashütte Gleichmann und richtete dort zwei Jahre später eine eigene Gießerei ein. Verantwortlich war Fritz Kober, mit vollständigem Namen Friedrich Paul Emil Kober (geb. 10. September 1880), der 1904 ebenfalls Teilhaber wurde. Mit dem Ausbau der Gießerei und Metallbearbeitung entstanden die Voraussetzungen für ein zunehmend vielseitiges Fertigungsprogramm.
1907 – Fritz Kober als Erfinder
Fritz Kober war nicht nur an der Unternehmensleitung und am Ausbau der Fabrik beteiligt, sondern entwickelte auch eigene Konstruktionen.
Bereits am 22. März 1907 meldete er in den Vereinigten Staaten eine verbesserte Haarschneidemaschine zum Patent an. Die am 15. Oktober 1907 veröffentlichte Erfindung betraf insbesondere eine neue Anordnung zur Einstellung des Anpressdrucks zwischen den beiden Schneidplatten. Eine schwenkbar gelagerte Platte wurde durch eine Schraube gegen die andere Schneidplatte gedrückt.
Die amerikanische Patentschrift nennt Fritz Kober ausdrücklich als in Suhl ansässigen Fabrikanten. Sie dokumentiert damit seine persönliche Erfindertätigkeit und die internationale Anmeldung eigener technischer Entwicklungen bereits vor dem Ersten Weltkrieg.
1908 – Das Warenzeichen FAMULUS
Die Firma ließ das Warenzeichen FAMULUS in Deutschland unter der Nummer 115408 registrieren. Als frühes deutsches Datum ist der 11. Dezember 1908 überliefert.
Der Nachweis findet sich in der amtlichen Zeitschrift La Propriété Industrielle, Mai 1929, Seite 302. Dort werden sowohl die deutsche Registrierung als auch die spätere internationale Eintragung genannt. Neben dem Datum von 1908 erscheint der 10. Dezember 1928, vermutlich als Erneuerungsdatum.
Das internationale Warenverzeichnis nennt ausdrücklich Bleistiftspitzer (taille-crayons). Damit ist der Bleistiftspitzerbezug der Marke FAMULUS dokumentiert. Ob entsprechende Geräte bereits 1908 hergestellt wurden, lässt sich daraus nicht ableiten.
1912 bis 1919 – Erweiterung der Produktion
1912 schied Albert Kober aus der Firma aus. Gleichzeitig wurde die Herstellung von Kesselklopfapparaten aufgenommen.
Während des Ersten Weltkrieges erhielt Kober umfangreiche Heeresaufträge und fertigte Waffen sowie Geräte für Infanterie, Artillerie und Pioniertruppen.
1919 verstarb Firmengründer Wilhelm Kober, der bis zuletzt an der Unternehmensleitung beteiligt gewesen war. In den folgenden Jahren wurde das Fertigungsprogramm unter anderem um Elektromotoren und elektrische Haarschneidemaschinen erweitert.
1920 bis 1929 – Technische Entwicklungen und Patente
Die Firma Kober beschäftigte sich intensiv mit der Weiterentwicklung ihrer Produkte und Fertigungsverfahren. Eine ganze Reihe deutscher Patente dokumentiert insbesondere Verbesserungen an Haar- und Viehschermaschinen sowie an Geräten zur Kesselrohrreinigung.
1920 meldete Kober ein Verfahren zur kostengünstigeren Herstellung von Haarschneidemaschinenhebeln im zweistufigen Spritzguss an (DE 354130, veröffentlicht 1922). Im selben Jahr folgte eine von Hermann Schmidt entwickelte Vorrichtung zur Kesselrohrreinigung mit versetzt angeordneten Schlagkörpern, die einen ruhigeren Lauf ermöglichen sollten (DE 356177, veröffentlicht 1922).
Weitere Entwicklungen betrafen eine Viehschermaschine mit kugelgelagerter Druckübertragung (DE 370704, veröffentlicht 1923) sowie eine von Fritz Kober persönlich angemeldete Haar- und Bartschermaschine für besonders kurze, rasurähnliche Schnitte (DE 374822, veröffentlicht 1923).
1922 meldete die Firma eine Geräuschdämpfung für Haarschneidemaschinen an (DE 417003, veröffentlicht 1925). Spätere Patente betrafen auswechselbare Schneidkämme mit federnder Kugelarretierung (DE 462133, veröffentlicht 1928) und eine Ratschenvorrichtung zur Begrenzung des Anpressdrucks der Schneidplatten (DE 479950, veröffentlicht 1929)
1925 – Die Warenzeichen von Kober in Polen
Im polnischen Patentamtsblatt Wiadomości Urzędu Patentowego vom 28. Februar 1925, S. 171, erschienen vier Warenzeichen der Firma Wilh. Kober & Co. Als Registrierungstag ist der 10. Februar 1925, als Prioritätsdatum der 19. Januar 1920 angegeben.
Die Warenverzeichnisse umfassen unter anderem Haarschneidemaschinen, Rasiergeräte und weitere Metallwaren. Bei FAMULUS werden ausdrücklich Bleistiftspitzgeräte genannt. Der Markenschutz in Polen ist damit belegt.
1929 – Internationale Registrierung von FAMULUS
Am 13. Mai 1929 wurde FAMULUS unter der Nummer 63489 international registriert. Die Veröffentlichung nennt Wilh. Kober & Co. in Suhl als Markeninhaber und verweist auf die deutsche Registrierung Nr. 115408.
Das Warenverzeichnis umfasst Haarschneidemaschinen für Menschen und Tiere, Rasiergeräte, Schleifapparate, Rohrbiegezangen, Bleistiftspitzer und weitere mechanische Geräte.
Weitere Warenzeichen und Produkte
Neben FAMULUS verwendete Kober unter anderem die Marken CAVALIER und PROTOS sowie ein Bildzeichen mit Reiter. Ein historisches Verzeichnis deutscher Schneidwarenhersteller nennt außerdem FACIT und JUNO.
Zum Fertigungsprogramm gehörten Jagdgeräte, Waffenzubehör, mechanische und elektrische Haarschneidemaschinen, Tier- und Schafscheren, Rasiergeräte, Schleifapparate, Kesselklopfapparate und Elektromotoren. Rohrbiegezangen, Geräte zur Patronenherstellung und Bleistiftspitzer erscheinen zusätzlich in historischen Warenverzeichnissen; nicht für jeden Artikel ist eine tatsächliche Herstellung nachgewiesen.
Die 1930er Jahre – Ausbau zum Industriebetrieb
In den 1930er Jahren beschäftigte Kober etwa 500 Personen. Der Betrieb verfügte über mehr als 1.000 Maschinen und Anlagen sowie eine eigene Energieerzeugung. 1942 firmierte er als „Wilh. Kober & Co Suhl, Stahl- und Metallwarenfabrik, gegr. 1874“.
Während des Zweiten Weltkrieges war das Unternehmen erneut in die Rüstungsproduktion eingebunden. Unter anderem fertigte es elektrische Geräte für Kampfflugzeuge; dabei wurden auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt.
1945 bis 1950 – Nachkriegszeit und Ende der Firma
Nach Kriegsende nahm Kober die zivile Produktion wieder auf, unter anderem mit elektrischen Haarschneidemaschinen, Trockenrasierern sowie Pferde- und Schafscheren.
1946 wurde das Werk der Sowjetischen Aktiengesellschaft PRIBOR zugeordnet. Nach der Rückgabe an die DDR im Jahr 1950 kam es zunächst zur Vereinigung Volkseigener Betriebe Installation, Kabel, Apparate (IKA) und ging später im VEB Elektrogerätewerk Suhl auf. Damit endete die Geschichte von Wilh. Kober & Co. als selbstständigem Unternehmen; die Fertigung am Standort wurde fortgesetzt.
Die Bleistiftspitzmaschine FAMULUS
Wie oben erwähnt, gab es bereits 1908 eine Markenanmeldung (in Polen belegt). Etwa 1915 gab es wohl auch eine Werbung in einer Bürowaren-Zeitschrift zur Maschine. Sie soll mit einem Sägeblatt gearbeitet haben, optisch könnte sie etwas dem Potz-Blitz geähnelt haben, von der es ebenso kein erhaltenes Exemplar gibt.
Abgesehen davon sind bisher keine weiteren Nennungen der Maschine bekannt. Die Maschine war offensichtlich gar kein Verkaufserfolg. Es sind bisher auch keine erhaltenen Exemplare bekannt.
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Anfänge bis 1832 Zeit von 1833 bis 1850 Zeit von 1851 bis 1860
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