Geschichten rund ums Bleistiftspitzen

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen

Die Geschichte der Bleistiftspitzer und Bleistift-Spitzmaschinen - eine Einführung

 

Vorbemerkungen zu dieser Seite (noch im Aufbau)

Aufgrund eines familiären Hintergrundes (mein Großvater war lange Zeit Inhaber einer kleinen Spitzmaschinenfirma) beschäftige ich mich mit der Geschichte der Bleistiftspitzer und Spitzmaschinen. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der Anhäufung möglichst vieler verschiedener Bleistiftspitzer, sondern auf der Untersuchung der geschichtlichen Entwicklung mit einem besonderen Fokus auf die beteiligten Personen und Firmen. Über diese trage ich auch Informationen zusammen, die nicht unmittelbar mit der Bleistiftspitzerherstellung zusammenhängen. Ziel ist es, dadurch ein Gesamtbild der Menschen und Firmen zu zeichnen und sie dadurch zu würdigen.

Das Textmaterial dieser Seiten darf nicht für kommerzielle Zwecke (dazu gehört ausdrücklich auch der Verkauf von Bleistiftspitzern und Spitzmaschinen auf Auktionsplattformen, wie z. B. ebay) verwendet werden. Dies gilt auch für die Verwendung von Bildern, eine andere Nutzung von Bildern ist prinzipiell vorher mit mir abzustimmen.

Ich freue mich sehr über Kommentare zu meiner Arbeit (siehe "Kontakt"). Ganz besonders schön wäre es, wenn Sie weiterführende Informationen zum Seiteninhalt hätten, auch wenn sie noch so unbedeutend erscheinen.

Die Geschichte der Bleistiftspitzer und Bleistift-Spitzmaschinen

Die Geschichte des Bleistiftspitzens folgt naturgemäß zeitlich der Geschichte des Bleistiftes selbst, deshalb hier ein Auszug aus Wikipedia zur Bleistift-Geschichte:

"Ab dem 13. Jahrhundert schrieb man mit Griffeln aus Blei-Legierungen, an deren Spitze Silber aufgelötet war. In Stiftform gepresst, wurden diese als Silberstifte auch von vielen Künstlern späterer Jahrhunderte für Vorzeichnungen verwendet. Allerdings machte ihre Härte das Schreiben und Zeichnen recht mühselig. Das Papier musste vorher präpariert werden, damit es den Beanspruchungen durch den Reißbley standhielt, zudem war der lange Kontakt mit Blei für den Schreiber ungesund. In der nordenglischen Ortschaft Keswick wurden ab 1558 Bleistifte gefertigt. Das 1564 im nahe gelegenen Borrowdale entdeckte Graphitvorkommen hatte an der Verbreitung des Bleistiftes maßgeblichen Anteil. In den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts wurden in Holz eingefasste Graphitstäbe aus Borrowdale-Graphit in vielen Ländern verwendet. Man hielt den Graphit damals für Bleierz, woraus sich der missverständliche Name Bleistift ableitet. ... Da der reine Graphit aus Borrowdale zumeist für militärische Zwecke eingesetzt wurde, zum Beispiel zur Herstellung von Schmelztiegeln für Kanonenkugeln, verhängte England zeitweise Exportverbote, woraufhin die Beschaffungskosten enorm stiegen. Bis dahin galt ausschließlich der Borrowdale-Graphit als rein genug zum Schreiben. 1790 vermischte der Wiener Joseph Hardtmuth (gründete) später das österreichische Unternehmen Koh-i-Noor Hardtmuth) erstmals Graphitstaub mit Ton und Wasser und brannte ihn in einem Ofen. Je nach Menge des Tones konnte er somit den Härtegrad festlegen. ... 1795 entdeckte der Franzose Nicolas-Jacques Conté ein Verfahren, mit dem auch unreiner Graphit aus Minen in Deutschland und Österreich verwendet werden konnte. Er pulverisierte das abgebaute Material und schlämmte dann den Graphit aus. Später entdeckte er dann unabhängig von Hardtmuth auch die Härtegrade. Hardtmuth und Conté gelten als Grundsteinleger für den Erfolg des modernen Bleistiftes."

Schreibstifte hießen im deutschen Sprachgebiet zunächst Reißblei, Schreibblei oder Wasserblei, nach dem französischen auch Crayon, danach Bleiweißstifte, Bleiweißstangen oder Bleistifte.

In einem technologischen Wörterbuch aus dem Jahre 1781 heißt es:

"Bleystift - ein in Holz gefaßtes längliches Stück Wasserbley, welches man zum Zeichnen und Schreiben gebraucht" und weiterhin

"Bleystiftmacher, Bleyweißschneider - ist derjenige, der das sogenannte wasserbley in dünne, lange Stangen zerschneidet, und in einen hölzernen Schaft oder in ein Futter einsetz, um hiedurch die Bequemlichkeit zu verschaffen, daß man damit Schreiben und Zeichnen kann. ... Daß das englische Wasserbley besser ist als das deutsche, ist eine bekannte Tatsache, indem sein Korn fein, fest und nicht so mürbe ist, als das deutsche. es darf deswegen auch kein rohes Wasserbley aus England bey schwerer Strafe. Die deutschen Bleystiftmacher zerstoßen das feine wasserbley in einem Mörser, und da dieses Pulver jederzeit fremde irdische Theile, z. B. Sand bey sich führet, so muss es zwey- bis dreymal durch ein feines Haarsieb gesiebet werden."

Zunächst hatte man noch Zeit und es war absolut selbstverständlich, die Stifte mit Messern anzuspitzen, gerade auch mit den sogenannten Federmessern, die man häufig bei sich trug. Mit der Abnahme des Analphabetentums, der zunehmenden wirtschaftlichen und auch technischen Entwicklung wurde immer mehr geschrieben und es entstand der Wunsch nach Hilfsmitteln zur Vereinfachung des Anspitzvorganges.

Bereits ab den 1820er Jahren (siehe die Seite der Homepage, welche sich mit der Geschichte bis einschließlich 1850 beschäftigt) gab es in Frankreich nachweisbare Bemühungen (durch die Herren Boucher und Lassimone), Geräte zum Anspitzen zu entwickeln. Wir wissen dies praktisch nur von Patenten, wie überhaupt Patente die wichtigste Informationsquelle für die frühe Entwicklung des Bleistiftspitzens darstellen (auch wegen der Zeichnungen der Vorrichtungen). Es gibt aber nur wenige Informationen darüber, in welchem Umfang diese Erfindungen auch umgesetzt wurden. In zunehmemdem Maße werden nun Informationen durch Volltext-recherchierbare historische Bücher und Zeitungen verfügbar. Es ist gesichert, daß durch Binant (Paris) die Vorrichtung von Lassimone tatsächlich etwa 1829 verkauft wurde. Es folgten 1833 ein einfaches Reibekästchen von Cooper und Eckstein (London) sowie 1835 auch eine Vorrichtung von Franz Theyer (Wien), die beide auch nachweislich verkauft worden sind. Die Kästchen aus England blieben in wenigen Fällen auch erhalten und stellen somit die ältesten erhaltenen zuordenbaren Spitzvorrichtungen dar. Ansonsten gibt es aber aus England, was ja allgemein industriell, aber speziell auch als Bleistiftproduzent große Bedeutung hatte hinsichtlich der Entwicklung des Bleistiftspitzens eigentlich nichts zu berichten. In den 1840er Jahren waren es nach jetziger Kenntnis praktisch ausschließlich Franzosen (genauer Pariser), die sich mit dem Bleistiftspitzen beschäftigten. Darunter war auch der adlige Thierry des Estivaux, der einen Handspitzer patentierte, wobei aber völlig unbekannt ist, ob der auch jemals hergestellt wurde. Erhalten ist jedenfalls scheinbar keiner.

Ab 1854 beschäftigte sich ein gewisser Walter Kittridge Foster in Bangor (USA) mit dem Bleistiftspitzen. Er konstruierte einen einfachen Handspitzer mit einem eingesetzten rasierklingenartigen Messerchen und entwickelte dafür eine Gußtechnologie, die eine Produktion in großen Stückzahlen zu niedrigen Preisen erlaubte (Geschichte seiner Aktivitäten siehe Extraseite). Kurze Zeit später verbesserten die Herren Strange und Darling aus der gleichen Stadt den Spitzer noch etwas und Strange vermarktete seinen Spitzer auch zeitweise. Ab 1857 breiteten sich die billigen Spitzer auch weltweit aus und wurden z. B. in Großbritannien, irland, Deutschland oder Frankreich vielerorts, häufig als "amerikanische Bleistiftspitzer" angeboten.

Die Entwicklung der Bleistiftspitzer war nur teilweise personell und örtlich in der Nähe der Bleistifthersteller angesiedelt. Dies kann man sagen für die frühe Zeit in Paris, wo es viele Schreibstifthersteller gab und später auch in Deutschland im Raum Nürnberg. In der frühen Zeit waren es teilweise Händler, wie der Wiener Theyer, die Spitzer verkauften oder auch Kunstmaler, die für ihre Arbeit Bleistiftspitzer brauchen konnten. Letzteres betrifft die 1860er Jahre in den USA, wo sich die Herren Archibald G. Shaver (siehe Extraseite), Rufus Wright und William Hubert Burgess (Seite noch nicht online) mit dem Bleistiftspitzen beschäftigten. Bis in die 1880er Jahre waren weitere Aktivitäten in der Bleistiftspitzentwicklung ganz überwiegend in den Vereinigten Staaten angesiedelt.

Aufgrund der von der Bleistiftfabrikation völlig abweichenden Technologie waren solche Unternehmen eher selten in der Bleistiftspitzerherstellung tätig, sie kauften eher entsprechende Produkte zu von kleineren Unternehmen. Diese waren ab dem 20. Jahrhundert eher in der Branche der Bürogeräte- oder Büromaschinenhersteller angesiedelt bzw. allgemein als Metallverarbeiter tätig. Es gab sowohl einige große Hersteller von Bleistiftspitzern und Bleistiftspitzmaschinen, insbesondere in den USA (darunter die größte jemals existierende Spitzmaschinen-Firma APSCO), später auch in Deutschland, als auch eine Reihe kleiner bis kleinster Produzenten, hier wegen der geringeren Stückzahl besonders bei den Bleistiftspitzmaschinen. Manche stellten nur solche Spitzer oder Maschinen her, teilweise auch nur einen einzigen Typ, bei anderen gehörten die Spitzer bzw. Spitzmaschinen zu einem größeren Sortiment insbesondere an Bürogeräten.Beim Anspitzen der Bleistifte kam eine Reihe von ganz verschiedenen technischen Vorrichtungen zum Einsatz. Im Grunde genommen liegen denen aber nur drei Prinzipien zu Grunde nämlich:

- das Schleifen (mit Feilen, Sandpapieren o. ä.),

- das Schneiden mit Messern (rasierklingenartige Schneiden, Schneidemesser)

- das Fräsen (mit Scheibenfräsern oder Walzenfräsern)

 

Eine weitere Einteilung der Bleistiftspitzvorrichtungen ist hinsichtlich der durchzuführenden Bewegungen möglich. Beim Bleistiftspitzen ist eine Bewegung nötig, um den eigentlichen Abtrag des Stiftmaterials durchzuführen und in der Regel auch eine Bewegung, die ein Drehen des Stiftes gewährleistet, so daß der Spitzvorgang an allen Seiten des Bleistiftes durchgeführt wird. Schließlich ist oft auch noch eine Vorschubbewegung des Bleistiftes entlang seiner Achse nötig. Diese Bewegungen können nun direkt mit der menschlichen Hand, mit einem die Handkraft transportierenden Mechanismus oder auch durch einen Motor getrieben realisiert werden. Es wird häufig von mechanischen Bleistiftspitzvorrichtungen gesprochen, wobei dann eine durch eine Mechanik unterstützte Bewegung gemeint ist. Das ist sprachlich eigentlich ungenau, weil das Anspitzen des Bleistiftes ohnehin immer ein mechanischer Vorgang ist, schließlich wird ja nicht chemisch geätzt oder elektrolytisch abgetragen. Im englischen Sprachraum wird häufig von "automatic pencil sharpener" gesprochen. Dabei ist aber nicht eine Automatik im Sinne eines motorgetriebenen Antriebs gemeint, sondern nur eine Mechanik, die über eine reine Handbewegung hinausgeht. Schließlich gibt es noch die Gruppe der elektrischen Spitzgeräte, wo die durch einen Getriebemechanismus übertragene bewegung nicht durch die menschliche Hand, sondern durch einen kleinen Elektromotor realisiert wird.

 

In Deutschland wurde bereits seit etwa 1896 von der Firma Guhl & Harbeck (Hamburg) eine große Bleistiftspitzmaschine, das bekannte Modell "Jupiter" (siehe umfangreiche Spezialseite eines Sammlers zu den Jupiter-Maschinen), hergestellt. Sie funktionierte mit einem Scheibenfräser.

Im Jahr 1908 begann die Firma Möbius mit der Herstellung von Bleistift-Handspitzern. 1922 spaltete sich dann die Firma Möbius & Ruppert ab und produzierte selbstständig weiter in Erlangen. Der Großraum um Nürnberg als Zentrum der Bleistiftproduktion in Deutschland wurde zunehmend auch der Ort der Bleistiftspitzerproduktion. Hier sind neben Möbius & Ruppert noch zu nennen Firmen wie Emil Putz...

Nachdem bereits seit einigen Jahren in den USA Spitzmaschinen mit rotierenden Schneidemessern hergestellt wurden, startete Emil Grantzow 1908/09 auch in Europa mit solchen Maschinen. Diese waren sowohl für Büro, als auch für den anspruchsvollen Privatanwender (weil deutlich kleiner und billiger, als die Büro-Spitzmaschine Jupiter) gedacht und wurden in den folgenden Jahren von weiteren kleinen Firmen besonders in Deutschland kopiert.

In der Schreibmaschinen-Zeitung aus Deutschland erschien 1911 folgender Textbeitrag:

Im Jahr 1912 oder 1913 startete Eugen Courant, ein jüdischer Unternehmer aus Berlin mit dem Bau von Spitzmaschinen mit sogenannten Walzenfräsern, die ungefähr zu dieser Zeit auch in den USA starteten. Dort dominierten sie bald den Spitzmaschinenmarkt.

In der Schreibmaschinen-Zeitung aus Deutschland erschien 1916 folgender Textbeitrag:

 

Nach dem 2. Weltkrieg begann man etwa 1949 in der Bundesrepublik mit der Herstellung von Fantasiespitzern, d. h. einfachen Hnadspitzern in verschiedenster figürlicher Form. Hier sind besonders die Firmen Möbius & Ruppert und A. Klebes, aber auch Emil Putz aus dem Nürnberger Großraum zu nennen. Überhaupt wurde Deutschland in der Wirtschaftswunderzeit zum Weltmarktführer bei (einfachen) Bleistiftspitzern.

Im Bereich der Bleistiftspitzmaschinen war die amerikanische Firma APSCO mit ihren vrerschiedenen Fräserspitzmaschinen der klare Weltmarktführer.

 

Auf den Seiten dieser Homepage wird zunächst ausführlich die frühe Zeit der Bleistiftspitzer- und Spitzmaschinenproduktion bis 1860 behandelt. Wegen des Umfanges wurden für einige amerikanische Hersteller spezielle Seiten eingerichtet. Außerdem informiere ich über einige deutsche Hersteller und deren Maschinen, bei denen das Anspitzen durch ein rotierendes Messer realisiert wird.

Figürliche Spitzer oder auch elektrische Spitzer werden nicht Bestandteil dieser Internetpräsentattion sein. Spitzmaschinen nach dem Fräserprinzip werden nur teilweise behandelt. Eine auch sehr ausführliche Seite zu verschiedenen Bleistiftspitzern und -spitzmaschinen (u. a. auch zu vielen Spitzvorrichtungen aus der ehemaligen DDR) findet man hier .

 

Folgende Themen der Bleistiftspitzgeschichte werden bisher auf den einzelnen Seiten dieser Homepage behandelt:

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