Carl Dietz (Oryx)

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen


Die Geschichte der Bleistiftspitzmaschine Oryx von Carl Dietz

Die Bleistiftspitzmaschine Oryx war eine Spitzmaschine nach dem Cuttermesserprinzip und wurde von Carl Dietz im Dresdner Raum hergestellt.

Ich freue mich sehr über jeden Hinweis zu dieser Maschine oder auch dem Hersteller / Verkäufer (siehe Kontakt). Gern können Sie auch etwas ins Gästebuch schreiben!

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Carl Dietz

Über die Spitzmaschine Oryx und den wahrscheinlichen Hersteller Carl (oder auch Karl) Dietz ist bisher nur ganz wenig bekannt.

Carl Dietz war zumindest nach dem Krieg in Dresden ansässig. Konkret belegen lässt sich dies jedoch bisher nur für die Jahre 1955/56. Im Jahr 1955 nahm er an der Leipziger Messe als Aussteller für Bleistiftspitzmaschinen teil. Im Folgenden eine Eintragung in einem Ausstellerverzeichnis:

Dietz, Karl

Dresden A 20

Teplitzer Str. 33

Er hatte einen winzigen Stand in Stentzlers Hof, wo zu dieser Zeit die Bürobranche ausstellte, im folgenden Ausschnitt mit den Nummern 390/390a gekennzeichnet:

Als weitere private DDR-Aussteller mit Spitzmaschinen waren der Dresdner Alfred Grahl und Markkleeberger Heinrich Heinrich vertreten, letzterer noch mit anderen Artikeln.

Er war also auf der Teplitzer Straße in Dresden ansässig. Dass sich hier jemand mit Spitzmaschinen beschäftigt hat kann auch durch eine persönliche Information eines noch lebenden Zeitzeugen bestätigt werden. Bei der Adresse handelt es sich allerdings eher um ein Wohnhaus, was heute noch steht. Im Dresdner Adressbuch 1943/44 wohnten da Johanna Lohse (Eigentümerin) und Max Arthur Lohse und betrieben dort eine Firma "Odeon" Köhler & Co. (Großhandel mit Mineralölen und techn. Bedarfsgegenständen), die es bis 1954 gab. Sicherlich begann er mit seiner Tätigkeit erst nach dem Krieg, vielleicht tatsächlich erst oder wenig vor dem Jahr 1955. Das ist allerdings für ein Modell mit Schneidemessern ein später Beginn, denn zu dieser Zeit setzten sich mehr und mehr Maschinen mit Walzenfräsern durch.

Im Folgejahr 1956 nahm Dietz wieder an der Leipziger Frühjahrsmesse teil, wie folgender Eintrag in einer Ausstellerliste zeigt (wieder mit dem gleichen Stand):

Hier ist ausdrücklich von der Bleistiftspitzmaschine namens Oryx die Rede. Als Neuheit wird außerdem ein Minenspitzapparat für verschiebbare Minen angekündigt.

Auf einigen erhaltenen Oryx - Maschinen ist ein Aufkleber vorhanden. Hier eine entsprechende Detailabbildung auf einer solchen Maschine:

Hier wird also C. Dietz Freital 1 notiert. Es ist völlig unklar, ob er nun vor, nach oder gleichzeitig mit seiner Dresdner Zeit in Freital tätig war. Letzteres wäre durchaus auch vorstellbar, nämlich in Form einer Produktionswerkstatt in Freital, während er selbst in Dresden wohnte.

Bleistiftspitzmaschine Oryx

Die Bleistiftspitzmaschine Oryx funktioniert nach dem Cuttermesserprinzip. Allerdings unterscheidet sie sich nach Form der Maschine und der Ausführung der Messer stark von den anderen Maschinen des Dresdner Raumes (siehe AVANTI, OPTIMAX, ERGO, JOWEI). Der Name Oryx ist wohl aus der altgriechischen Sprache inspiriert, wo ὄρυξ „spitzes Eisen“ oder „spitzes Werkzeug“ bedeutete.

Das Gehäuse besteht aus einem Aluminiumblech, welches auf einem Holzsockel montiert ist. Solche, etwas antiquiert wirkenden Holzsockel kennt man eigentlich sonst vor allem von der Leipziger CLOU.

Es gab das Modell in einer lackierten und einer unlackierten Version (letztere eventuell die spätere Variante). Die Lackierung war stes schwarz; es gab allerdings eine Variante mit einem glatten und eine mit einem strukturierten "Raulack".

Die folgenden Abbildungen zeigen eine erhaltene Spitzmaschine mit dem rauen Lack, zunächst in Außensicht:

Auf der Kurbelseite ist der Schriftzug Oryx zu lesen, außerdem von einer Rändelschraube ausgehend eine Kennzeichnung mit den Ziffern 1, 2 und 3, welche mit der Einstellung der Minenlänge zusammenhängt. Auf der anderen Seite ist der herausziehbare Spänebehälter zu sehen, auf dem ein Aufkleber mit dem DDR-Qualitätskennzeichen der Güteklasse 1 abgebildet ist. Hier ein Aufkleber einer anderen baugleichen Maschine mit identischer Lackierung (bei der allerdings der "Dietz"-Aufkleber fehlt):

Hier ist außerdem die Betriebs-Identifikationsnummer 37/361/4018 verzeichnet, wobei "37" für Optik / Feinmechanik, "361" für Dresden und "4018" für die eigentliche Betriebsnummer steht. Die dreistellige Kreisnummer wurde eigentlich ab 1952 abgelöst, tatsächlich aber noch bis 1955 verwendet. Das spricht also für eine Herstellung vor 1956.

Ein Blick in den Innenraum nach abgezogenen Spänebehälter:

Jetzt ist die Besonderheit dieses Maschinentypes zu sehen, nämlich die Ausführung des Schneidemessers:







Es besteht aus einem kreisförmigen Messerträger, auf dem die einzelnen, insgesamt 6 Messerchen festgeschraubt sind. Der Messerträger ist so ausgeführt, dass lediglich im Bereich der Messerklingen eine Aussparung vorhanden ist. Durch diese können dann die Späne hindurchtreten.

Weiterhin Fotos von der abnehmbaren Stiftaufnahme dieses Maschinenexemplars:

Mit der Kurbel kann man diese durch Rückwärtsdrehen nicht öffnen, aber beim direkten Rückwärtsdrehen der Stiftaufnahme mit den Fingern öffnen sich die Kemmbacken und man kann den Stift leicht einstecken.

Hier zwei Aufnahmen einer unlackierten Version:

Wie oben schon beschrieben ist der Produktionszeitraum (und die eventuelle Zuordnung zu den Gehäusevarianten) bisher weitgehend Spekulation von der Tatsache abgesehen, dass die Oryx um das Jahr 1955 verkauft worden sein muss.

Minenspitzapparat

Der oben erwähnte Minenspitzapparat (ab wahrscheinlich 1956) scheint hier in der folgenden Vorrichtung erhalten zu sein:

Es handelt sich um ein altertümlich wirkendes Schleifgerät, in dem nicht MInen, sondern eher Druckbleistifte eingelegt werden. Es ist wieder der Aufkleber mit Oryx und C. Dietz Freital zu sehen.


Bilder mit freundlicher Genehmigung von Steve Vogelsberg


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