Cooper/Eckstein (Styloxynon)

Patentgeschichte - Industriegeschichte - Geschichten rund ums Bleistiftspitzen


Bleistiftspitz-Vorrichtung Styloxynon von Cooper / Eckstein



English Version of page for history up to 1850

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1833 - Robert Burton Cooper und George Frederick Eckstein (England)           letzte Änderung: 11. Jan. 2021

Am 12. Oktober 1833 wurde in England das Patent 6485 für eine Bleistiftspitzvorrichtung erteilt:

"Robert Burton Cooper, of Battersea Fields, in the County of Surrey, Esquire, and George Frederick Eckstein, Holborn, in the County of Middlesex, Ironmonger, for an instrument or apparatus for pointing pencils, and certain other purposes."

Die Gültigkeit wird zu (nur) 6 Monaten angegeben.

Hier ein englischer Text zu dieser Vorrichtung mit einer Zeichnung von 1837:

Cooper eckstein Styloxynon Bleistiftspitzer

Robert Burton Cooper und George Frederick Eckstein nannten ihren Bleistiftspitzer "Styloxynon". Es handelt sich also um nichts weiter als eine Art Schleifkästchen, wo die durch Feilen gebildeten Schleifflächen einen rechten Winkel bilden. Als Material zur Halterung der Feilen wird im Text Palisanderholz genannt. Zum Vorspitzen wird zunächst ein Messer empfohlen, ehe dann mit dieser Vorrichtung eine feine Spitze hergestellt wird.

In einer deutschsprachigen Zeitschrift aus dem Jahr 1835 ist die Vorrichtung genau beschrieben:

Cooper Eckstein Bleistiftspitzer Beschreibung

Das Patent, was mir nicht im Originaltext vorliegt, ist offensichtlich recht breit formuliert. Die Feilen sollen vorzugsweise aus Stahl sein oder auch aus einem anderen geeigneten Material. Wie in diesem Text beschrieben, wurde auch eine Variante mit zwei Zylindern erwähnt. Das Gehäuse kann aus vielen verschiedenen Materialien gefertigt werden, wobei im Text Holz, Schildpat oder Metall genannt werden.

In einer anderen deutschsprachigen Zeitschrift im Jahr 1836 ist notiert:

"Cooper und Eckstein's Methode, Bleistifte zu spitzen, besteht darin, dass man dieselben über eine eigens construirte Feile zieht, welche eigentlich aus zwei besondern Feilen besteht, die unter einem Winkel gegeneinander befestigt sind. Man dreht natürlich dabei den Bleistift stets, und drückt stärker auf, wenn man das Holz entfernen, als wenn den wirklichen Stift zuspitzen will. Gut würde es sein, den Obertheil der Feilen feiner als den Untertheil zu fertigen, weil man dann das Mittel erlangt, verschieden harte Stifte bis zu einem erforderlichen Grade von Feinheit zu spitzen. Wir erinnern hierbei an die bei uns gebräuchliche Methode, den Bleistiften die feinste Spitze auf der rauhen Oberfläche eines Feuersteins zu geben, die sich eigentlich als sehr feine Feile betrachten lässt."

Hier noch eine Testbeurteilung aus einer englischen Quelle bereits im Mai 1834:

Vertrieben hat Eckstein den Spitzkasten zunächst selbst in seiner Firma Eckstein and Son. Die folgende Annonce aus der Londoner Morning Post wirbt für den Styloxynon und nennt (zukünftige) Bezugsquellen:

Der Text ist vom 14. Januar 1834. Wir erfahren, dass der Verkauf zwei Tage später am 16. Januar beginnen soll in "Eckstein and Son´s Kitchen Range, Stove Grate and Furnishing Ironmengery Warehouse, No. 13, High Holborn, near Gray´s Inn".

Hier zwei weitere Anzeigen ähnlichen Inhaltes aus englischen Zeitungen im Jahr 1834:

Der Styloxynon wird in England in den kommenden Jahren beworben, nachweisbar bisher bis März 1849. Im Jahr 1834 wirbt die Firma S. Mordan & Co mit folgendem Text "COOPER  & ECKSTEIN`S PATENT STYLOXYNON or PENCIL POINTER. This useful instrument will quickly produce a most delicate point to any description of Pencil or Chalks."

Folgende Bildchen aus dieser Annonce zeigen offensichtlich 2 Varianten des Styloxynon:

Cooper Eckstein Styloxynon erbungW

Ein Jahr später erschien eine große Werbeanzeige von S. Mordan & Co, in der auch der Styloxynon erwähnt und dargestellt ist:

Auch G. Riddle, der ehemalige Companion von Mordan verkaufte den Styloxynon wie folgende Anzeigen aus den Jahren 1837 und 1838 beweisen:

Wir erfahren in der obigen Annonce aus The Derby Mercury, daß G. Riddle aus der Firma S. Mordan & Co ausgetreten ist und nun unter eigener Firma viele Artikel anbietet, darunter auch "Patent Styloxynons" / "pencil-pointers". Es wird mitgeteilt, daß Artikel gekennzeichnet sind mit "Patent, G. Riddle, London". Der Betrieb ist auf der Blackfriars Road, Nr. 172 in London.

Bei G. Riddle handelt es sich übrigens um Gabriel Riddle, einem Silberschmied (geb. 7. Januar 1786 in Ipswich (Suffolk) und gest. im Oktober 1863 in Brighton (Suxssex) in England).

In den Jahren 1837/38 wird der Styloxynon in verschiedenen Zeitungen Englands beworben, im Nottingham Journal, Nottingham Review and General Advertiser for the Midland Counties, Leicester Herald, Northampton Mercury, Stamford Mercury, Derbyshire Courier, Derby Mercury und Leeds Intelligencer.

Nach 1838 hört die Werbung für das Styloxynon jedoch schlagartig in Großbritannien auf.

Hier noch eine Annonce von Gabriel Riddle aus dem Jahr 1839:

Und hier noch ein Eintrag in einem Handelsverzeichnis von 1845:

Auch in Österreich wurde ein Styloxynon angeboten. Dies beweisen Annoncen in der Wiener Zeitung zwischen September und November 1845:

Zu haben soll er sein bei Palck, einem Nürnbergerhändler am Kohlmarkt. Ob es sich wirklich um den originalen Styloxynon handelt oder nur um eine analoge Vorrichtung, die so bezeichnet wird, bleibt offen. 

George Frederick Eckstein - biographisches

George Frederick Eckstein wurde wahrscheinlich am 28. Okt. 1783 als eines von 12 Kindern seiner Eltern George Paul Eckstein (1739 - 1828, mit etwa 89 Jahren!) und Ann Eckstein, geb Mitchel (gest. 1804) geboren. Er war verheiratet mit Ann Eckstein, geb. Key. Das Ehepaar hatte 7 Kinder (4 Söhne und 3 Töchter).

Gewohnt hat er wohl meistens in St. Andrew, einer Pfarrei, zu der Gebiete von London und Holborn gehörten. Im Jahr 1813 findet sich eine Meldung über einen Bankrott von ihm. Hier wird sein Beruf mit Schmied und Händler und seine Adresse mit Gray´s Inn Lane (County Middlesex) angegeben. Nach einer im Dezember 1814 veröffentlichten Meldung wird dann später über die Zahlung einer Dividende an die Schuldner von Eckstein informiert. Notizen aus den Jahren 1826 und 1829 lassen auf die Adresse Gray`s Inn Lane Nr. 83, St. Andrews, Holborn schließen. Diese Gray´s Inn Lane wurde nach 1850 als Gray´s Inn Road bezeichnet und sie gehörte im nördlichen Teil zu Pancras, im südlichen Teil zu Holborn. 1838 wird die Adresse dann mit High Holborn 13 angegeben. Es bestand auch eine Firma Eckstein and Son, die er wahrscheinlich mit seinem erstgeborenen Sohn George Paul Eckstein, gleichnamig mit seinem obengenannten Großvater, betrieb. Dieser Sohn lebte vom 29. August 1809 bis 16. April 1871. Die unternehmerische Gemeinschaft mit ihm endete am 1. August 1838, danach führte George Frederick sie dann allein weiter.

Wie sah es damals so aus dort im industriellen England. Genau wissen wir es nicht, aber folgende 3 Bilder geben einen Eindruck, wenn auch aus etwas späterer Zeit:

 

                       Gray`s Inn Lane, Zeichnung 1859                                          Gray`s Inn Lane, Foto aus dem 19. Jahrhundert

High Holborn, Foto 1878

Eckstein hatte noch weitere Patentanmeldungen in England. So kann man einen Hinweis auf ein Patent vom Mai 1821 finden, wo es heißt "George Frederick Eckstein, Eisenhändler, von High Holborn in Middlesex, auf gewisse Verbesserungen an Kochapparaten. — Datirt von 9, Mai." Später, nämlich im April 1831 erfolgte eine Anmeldung für eine andere Neuerung und zwar wie folgt: "Dem Thomas Gaunt, Gentleman in Chapman Street, Islington, in der Grafschaft, Middlesex und George Frederick Eckstein, Ofenfabrikant in Holborn, in derselben Grafschaft: auf Verbesserungen an Rösten für Oefen." Tatsächlich war er wohl damals ein nicht unbekannter Eisenwerker, so sprach man z. B. vom Eckstein-Ofen.

G. F. Eckstein starb 1855 oder nach einer anderen Quelle am 20. 1859, im gleichen Monat wie seine Frau.


Robert Burton Cooper - biographisches

Die Hinweise auf ihn beginnen im November 1825 mit einer Notiz, dass er zusammen mit Victor Saintmare eine Destillerie unter der Adresse Princes-Street, Lambeth, einem Stadtteil von London betrieb. Am 28. April 1829 ging er dort allerdings Pleite, es erschienen in britischen Zeitungen Meldungen wie die folgende:

Im Mai genau zwei Jahre später 1831 gibt es unter seinem Namen und Adresse eine Meldung über eine Dividende.

Er wohnte in Sleafore-Place, danach Sydenham-Grove, Norwood, beides in Surrey. 1837 wohnte er Lodge-Road, St John`s Wood-Road, Regent`s Park, Middlesex.

Er hatte aber auch weitere Patente in England wie folgende Zitate aus deutschen Zeitschriften seiner Zeit beweisen:

Patent vom 23. März 1821: "Robert Burton Cooper, Strand, Middlesex: auf Verbesserungen an, oder ein Ersatzmittel für Stöpsel und Deckel, wie man sie für Flaschen, Rauch- und Schnupftabakbüchsen, Tintenfässer und mannigfaltige andere Gegenstände braucht."

Patent vom 18. Mai 1831 (Gültigkeit 6 Monate): "Robert Burton Cooper, Esq. von Battersea Fields, in der Grafschaft Surry auf Verbesserungen von Hähnen für Flüssigkeiten und Gasarten.

Neben dem Styloxynon wurde wohl insbesondere dieses Patent von 1831 vermarktet, wie folgende Anzeige beweist:

S. Mordan & Co produzierte und verkaufte "COOPER`S PATENT SCENT-BOTTLES" für ihn.

Trotz seiner Erfindungen, die ja teilweise auch vermarktet wurden, gibt es im Oktober 1837 eine Art Insolvenzerklärung. Es wird darüber informiert, daß Cooper keine Tätigkeit hat. Sehr profitiert scheint er von seiner Erfindung also nicht zu haben.

Im Jahr 1846 findet sich in einer österreichischen Quelle folgende kleine Werbeannonce zum Styloxynon:

Ob es sich allerdings wirklich um die einfache Vorrichtung von Cooper & Eckstein handelt, ist nicht ganz sicher. Vielleicht ist das Wort Styloxynon nur ein Synonym für Bleistiftspitzer geworden. Aber das zeigt zumindest, dass die englische Spitzvorrichtung doch eine deutliche überregionale Bedeutung gehabt haben muß. Wir erfahren aber aus dem Text, dass (diese) Bleistiftspitzer in Wien häufig verwendet wurden, dass also schon einige Jahre vor der Ausbreitung der einfachen amerikanischen Handspitzer Spitzvorrichtungen dort durchaus verbreitet waren.

Zwischen April 1848 und  März 1849 wird der Bleistiftspitzer noch in einer englischen Zeitung beworben:

Im April waren es noch 19 Dutzend, ab Juni wird dann immer von 16 Dutzend geschrieben.

Schließlich wurde in einer Zeitung aus Sydney im fernen Australien noch im November 1859 und Januar 1860 ein Styloxynon angeboten:

Trotz der falschen Schreibweise ist der Bezug zum englischen Spitzgerät offensichtlich. Ob es sich wirklich um einen Spitzer vom Styloxynon-Typ gehandelt hat (vielleicht eine Nachahmerausführung) bleibt offen.


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Eine Seite informiert über die Spitzmaschinen der amerikanischen Firmen Everett Specialty und Cushman & Denison Mfg. Co..

Außerdem sind folgende Seiten über verschiedene Spitzmaschinen aus Deutschland online:

Avanti, Simplicia / Clou / Iduna, Jowei, Ergo / Ergo Extra, Optimax, Fram, Stern, Constanta, Potz-Blitz, Oryx und Quail.




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